Smarte Navigation

Tourenplaner Calimoto & Cruiser App
Tourenplaner Calimoto & Cruiser App

 

 

Eines vorweg, eine echte Alternative zu den Motorradnavis bieten die meisten mobilen Lösungen nicht, dennoch: für die meisten Touren reicht auch die 'smarte' Navigation mit dem Mobiltelefon, vorausgesetzt man ist ohne Regen oder im Sommer unterwegs.

Keineswegs provisorisch sind die die Apps, was Karten und Rechen-Geschwindigkeit angeht. Dann zählt nur die meist üppige Power heutiger Smartphones und die ist immens. So immens, das man sich eher im den Stromverbrauch Gedanken machen muss. Die Überlegungen reichen von zusätzlicher Powerbank über gelegentliches Abschalten bis hin zur Stromversorgung über die Bordsteckdose. Und: Das Telefon wird richtig heiß dabei!

 

Einen anderen Weg geht das kürzlich getestete TomTom Vio, das zwar nur wir ein anklemmbarer runder Monitor aussieht, aber ein eingebautes GPS Modul besitzt und auch bis zu 5 Stunden ohne Ladung durchhält.

Doch bleiben wir bei den Apps. Allen gemeinsam ist die Navigation mit vorher heruntergeladenen Karten (Offline Navigation), so dass unterwegs keine Internetverbindung bestehen muss. Tut sie das doch, können zumindest aktuelle Verkehrs- und Umleitungs-Informationen heruntergeladen werden.

 

Aktuelle Navi Apps (Auswahl):

Calimoto glänzt durch gute offline Karten auf OSM Basis und mit deutlichen Signaturen für Straßen, die Motorradfahrer mögen werden. Der Algorithmus ist gut, die Karten nicht ganz billig. Ein Routing Problem gibt es bisher noch im Offroad Routing. Wer gerne mal ein Stück ohne Asphalt fährt, oder das nicht kategorisch ausschließt, der wir (bisher) noch nicht von Calimoto bedient. Calimoto meidet Schotter wie der Teufel das Weihwasser, aber was nicht ist, kann noch werden, so die Macher. Anhand der bisherigen Daten kann Calimoto nicht unterscheiden, ob es sich um eine legale Schotter- oder eine nicht erlaubte Wald- oder Feldpiste handlet. Die Navigon Crusier App nimmt es da mit dem Fahrbahnbelag nicht so genau. Einen Implementierung von Offroad Routing ist aber für die Zukunft geplant, braucht nur ihre Zeit. Denn Calimoto ist erst 2016 als 3 Mann-Team gestartet. Das ist auch der Grund, warum man zur Zeit noch nicht mehrere Karten miteinander kombinieren kann. Daher muss man für grenzübergreifendes Routing derzeit noch das den nächst größeren Kartenschnitt (z. B. Europa statt D-A-CH) herunterladen, wenn man eine entsprechende Routeanlegen möchte.

Trotzdem, schon vom bisherigen Eindruck erscheint uns Calimoto als die derzeit beste App für Motoradfahrer.


Als Kartengrundlage dienen Openstreetmap-Karten Grundlage, die ja stets aktuell sind, weil von Millionen Nutzern gepflegt.

Ein Tourenplaner (DACH-Länder) ist auch online und ermöglicht entspannte Planung: zwar nicht wie bei Google mit der Gummibandfunktion, aber über ein Kontextmenü, in dem man (intelligente, kurze) Via-Punkte setzen kann. Ein GPX Import ist auch schon möglich (Beta, Import kann unwesentlich von der eigentlichen Tour abweichen. Es sind derzeit z. B. keine Fährverbindungen möglich), ebenso, wie die Route zu speichern. Sie ist dann bei Netzanbindung sogleich auf dem Handy vorhanden. Alle Telefone, in denen man sich bei Calimoto einloggt, verweisen dann auf das eigene Nutzerprofil. Einzig die Karten müssen auf neuen Telefonen neu heruntergeladen werden.

 

Calimoto gibt beim Navigieren deutliche Routinganweisungen und erlaubt nachher die Route zu bewerten: Spaßfaktor, Landschaft, Straßenzustand. Zusammengefasst werden Länge, Zeit und Höhenunterschied, so wie das Datum. Der ‚Enduro-Modus‘ erlaubt bisher nur die ANZEIGE von Schotterstrecken und das Tacken dieser, nicht aber die Navigation über selbige. Dieses Routing ist (angeblich?) „aufgrund der rechtlichen Situation“ bisher nicht möglich. Damit meinen die drei Entwickler etwaigen Regress-Ansprüche, die auftreten könnten, wenn sich jemand verletzt oder wenn eine Strecke nicht erlaubt ist. Dieses Problem wird frühestens in der Saison 2018 behoben.

In der Navigationsansicht ist Pinch to Zoom gesperrt, dafür befinden sich deutliche + und - Symbole auf dem Screen. Eine genordete Ansicht ist auch möglich, allerdings lassen sich die Datenfelder nicht konfigurieren.

 

Weitere Calimoto Features & News:

  • Im Herbst (September) 2017 geht hingegen die iOS Version von Calimoto online und in die Shops (Play/Store)
  • Verschiedene POIs lassen suchen oder auch als Liste anzeigen
  • Offroad Routing nicht vor 2018
  • Social Funktionen und Analyse des Fahrstils sollen noch hinzugefügt werden

 

Minus

  • Probleme bei Schotter-Abschnitten in der Tour: da wird auch zig Kilometer drumherum geroutet, wenn nur 100 Meter Schotter auf der Strecke liegen
  • App will zur Adresssuche ins Internet
  • Wenig aussagekräfitge Datenfelder
  • Die App ist kostenlos, allerdings gibt es nur ein Bundesland gratis, Preise pro Land ab 9,99€ bis Europa 69,99€ bzw. als Angebot 39,99€.

 

Plus

  • Spezieller Kurvenalgorithmus, der anhand der Geodaten kurvige Landstraßen erkennt
  • Ansprechendes, detailliertes Kartenbild auf OSM-Basis
  • Einfach zu bedienen, per Login auf allen Geräten verfügbar
  • Diverse Möglichkeiten Daten zu teilen

 

 

Die Navigon Cruiser App

 

Die Cruiser App knüpft an die guten alten Here-Offline Karten an, die man noch vom Windowsphone kennt. Sie sind sehr übersichtlich gehalten und basieren auf einer eigenen, nicht von Nutzern wie bei OSM gestützten Kartographie. Das kann naturgemäß Vor- und Nachteile haben. Angezeigt werden Tankstellen POI's und Blitzer, das ist schon mal angenehmer als bei älteren Garmin-Karten, in denen Fastfood- und andere, nicht unbedingt überlebenswichtige POIs standardmäßig angezeigt wurden. Das Routing geht flott und im Kernland Europas lassen dich durchaus per Schieberegler sehr kurvige Routen generieren.

 

In den Routing Algorithmus der Cruiser App gibt es ständig Fortentwicklungen. So wird tatsächlich ständig etwas in der Programmierung modifiziert und verbessert. So ist bei Garmin/Navigon und auch bei Calimoto ein ganzes Team mit der Optimierung und Handhabung beschäftigt.

 

Offroad Routing bleibt auch hier den OSM Garmin-Kunden mit Stand-Alone Geräten oder mit Wander- oder Fahrrad Apps vorbehalten. Etwas negativ fällt die Preisgestaltung auf. Wie ein Handyvertrag wird hier eine Nutzungsdauer vereinbart. Nur gegen knapp 80 EUR kann man die App unbegrenzt benutzen, sonst sind es knapp 5 EUR pro Monat. Einige Nutzer klagen auch, dass sich die Lizenz nicht auf mehrere eigene Geräte aufteilen lässt. Das ist bei Calimoto anders. Login auf einem Gerät – fertig.

 

"Eine 7-tägige Testversion ist kostenlos. Anschließend kann die Motorrad-Navigation für 1 Monat zum Preis von 4,99 EUR, 1 Jahr für 19,99 EUR oder unbegrenzt für 79,99 EUR [2017] freigeschaltet werden."

 

 

Plus /Features:

  • POI's und Blitzer
  • Quicklinks, schnell zu bedienen
  • Rundtour mit wenigen Klicks machbar, Km, Radius eingeben fertig
  • Android und iOS Versionen vorhanden
  • Sprachsteuerung für Ortsauswahl (auch offline)
  • Tankstellen, Restaurants, Wettervorhersage (online)
  • Wow-Button für schnelle Markierungen
  • Glympse: Senden von Position und Ankunftszeit an Freunde
  • Realistische Beschilderung und Geschwindigkeitswarnungen

 

Minus

  • Keine Online Planung
  • Wenig detaillierte Here-Karten
  • Kein echtes Offroad Routing, Feldwege manchmal möglich
  • GPX Import nur über Umwege (Motoplaner.de, max. 100 Wegpunkte)
  • Preisgestaltung, zeitabhängige Abos oder gänzlich kaufen durch eine Zahlung von rund 80 EUR.

 

 

 

Vergleichendes und Fazit

 

Beide Apps haben ein ähnliches Konzept. Die Navigon Cruiser App ist noch mehr auf Bedienkomfort ausgerichtet.
Wenn man so will, fährt Calimoto ein wenig mehr dort entlang, wo der User es auch will. Via-Punkte geben dazu die Möglichkeit, wo man hingegen bei der Cruiser App User umständlich Zwischenziele definiert oder einfach die Schieberegler bedient. Ein wenig überlässt man bei beiden Anwendungen dem Routing Algorithmus das Sagen, besonders, wenn man die Gegend nicht kennt. Da die (Google-Maps) Gummibandfunktion für individuelle Routen-Varianten schwer zu programmieren (s. u.) und an einem kapazitiven Display such schwer zu bewerkstelligen.


So vertraut man bei beiden Apps dem Algorithmus, dass er einen nun dahin führen möge, wo es genehm ist.
Was wir vorschlagen: einfaches Prozedere für Zwischenziele, Gummiband-Funktion für Route, bzw. ein Vorlieben-Check für jede Route: Was wollen wir den heute? Kulinarisch, kulturell interessiert, Offroad, nur Kurven oder einfach schnell und schick nach Hause? Daran sollte man das Routing in einer so aufwändigen Software anpassen können. Eine Gummibandfunktion für die Route ist leider nur per Webserver möglich, das dies sehr viel (Echtzeit-) Rechenpower verschlingt, so Calimoto. Sie wird also ein Traum bleiben. Die Via-Punkte bieten eine Alternative. Alles weitere ist aber möglich.

 

Was viele App Macher aber noch nicht verstanden haben: richtige Tourenfahrer wollen einmal schneller und einmal genussvoller zu einem imaginären Ziel kommen: Mal schnell vor der Abenddämmerung einen Platz für die Nacht finden, mal genüsslich eine Zielregion erkunden und dann wieder möglichst effizient und schnell nach Hause kommen. Das alles würde unterschiedliches Routing pro Fahrtabschnitt voraussetzen. Diesen Komfort bieten die wenigsten Apps. Außer, man zerlegt seine Tour in viele kleine Abschnitte, das wäre bisher auch die Empfehlung der Redaktion MR.

 

Es gibt noch einen Nachteil bei der Smartphone Navigation: Die Geräte sind nicht wasserfest und Halterungen auch nicht immer Pisten-tauglich. Der Energieverbrauch eines Handys mit aktivierten GPS ist ebenfalls immens, so dass viele Geräte nach 4- max. 5 Stunden in die Knie gehen. Der Bordnetzanschluss liefert u. U. nicht mal mehr genug Energie um den Akkustand zu bewahren. Der Anschluss an die Batterie ist bei vielen Motorrädern mit CAN-Bus problematisch, KFZ Steckdosen sind oft nicht wasserfest oder der Micro USB (USB-C) Anschluss ist nicht wirklich Outdoor- oder Allwetter-geeignet. Hier kommt Einspruch vom Calimoto Team, die vor allem mit iPhone 7, Samsung Galaxy S8 oder A5 (2017) und auch Modellen wie Motorola G3 gute Erfahrungen gemacht haben. Auch die Bedienung mit Handschuhen klappte an unseren Mobiltelefonen nicht immer. Wer hat Erfahrungen mit smarter Navigation auf dem Motorrad?

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Kommentar von Papavonvier | 05.10.2017

Danke für den Test.
Was die genannten Nachteile angeht, widerspreche ich. - Das Telefon haben wir doch fast alle eh ständig dabei. Warum also nicht auch als Navi nutzen?
Mit den i-Geräten praktiziere ich das seit der ersten Version Navigon damals. Im Gegensatz zu damals kann man heute auf sehr ausgereifte Halterungen zugreifen. Und einen Ladestrom von 2100mA bekommt sogar meine alte Monster hin. Wobei der Ladestrom von der entsprend nachgerüsteten Boardsteckdose kommt.

Meine Erfahrung mit der Cruiser app:
Dieses "Bitte wenden!" nervt. Oftmals komme ich an Straßen an, die gesperrt sind. Folge ich der Umleitung, will Cruiser mich immer wieder zum wenden bewegen. Bis eine komplette Neuberechnung stattgefunden hat, habe ich meist zwei KM hinter mir.

Antwort von Markus Golletz

Hallo Papavonvier!

vielen Dank für Deine Anmerkungen. Calimoto hat auch widersprochen. Unsere drei Testtelefone wurden immer sehr heiß. Ähnliches kenne ich aber auch von viel genutzten Garmin Geräten: Dort wird der Akku in der Halterung nicht mehr annähernd voll. Aber das ist sicher ein anderes Thema. 

Bei den Halterungen gibt es mittlerweile viele Auswahl. Lediglich Regenschutz und dichte Stecker sind noch ein Thema. Wir lassen Deinen Beitrag gerne so stehen und schwächen unser Statement damit gerne etwas ab.
Zu Cruiser App: Ich glaube für solche Feinheiten brauchen die Entwickler noch etwas Zeit. Mit den i-Geräten hast du noch eine Erfahrungen sammeln können mit der Crusier App? Die Calimoto  iOS Version soll jedoch in kürze erscheinen. 

Grüße,

Markus

Kommentar von Papavonvier | 07.10.2017

Ja. Die Cruiser App habe ich nach Erscheinen gekauft.
Was mit besonders gefällt ist die Rundtourplanung. Ich glaube allerdings, die Strecken unterscheiden sich wenig von „Schöne Route“ anderer Anbieter.

Zur Halterung:
Auch mangels Alternativen habe ich von ein paar Jahren Quadlock gekauft. Da wird eine durchsichtige Hülle für das entsprechende Telefon geliefert. Dann ist das Regendicht. Hält - getestet - auch bei einem Sturz auf der Rennstrecke das Telefon fest in der Halterung.
Ich selbst lasse die obere Hülle immer weg. Hat noch keinem meiner Telefone geschadet.

Antwort von Markus Golletz

Hallo Papavonvier,

danke für den Tipp, wir haben gleich eine Quad Lock Halterung geordert. Es soll gerade auch eine verbesserte (?) Motorrad Klemm-Halterung geben. Demnächst als Kurztest bei uns.
Ciao

Markus

Kommentar von Bastlwastl | 30.10.2017

hallo

hier eine aktuelle antwort von navigon zum thema Software auf mehreren geräten nutzen . bzw.wenn ein gerät gewechselt wird .
zitat Navigon support !
"Sie können die NAVIGON-App und jegliche In-Apps (Zusatzpakete) jederzeit auf einem anderen Smartphone oder Tablet mit demselben Betriebssystem nutzen und auf bis zu fünf Geräten unter Ihrem Store-Konto gleichzeitig installieren.
Wenn Sie die NAVIGON-App und In-Apps auf einem Gerät mit einem anderen Betriebssystem verwenden möchten, erwerben Sie diese bitte bei dem entsprechenden App-Anbieter neu."

hoffe die antwort hilft einigen weiter . ist ja doch ein wichtiger punkt in sachen
Handy ,Tablet und co.

mfg

Letzte Änderung: 20.10.2017
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