Ein Schuh und seine Geschichte

Scarpa, Italien, keine Membrane
Scarpa, Italien, keine Membrane

 

Viele Schuhe haben wir im Motorrad-Alltag schon durchgebracht. Hier ein paar Portraits von gebrauchten Exemplaren:

 

Scarpa Wanderstiefel
Jahr und Modell: unbekannt
Bemerkung: Standen lange im Schrank, sind richtige Old-School Wanderschuhe.
Standort: Ligurien
Ausfälle: keine
Einsatzgebiet: Ligurischer Grenzkamm, leichte Endurotouren in Ligurien

 

Ich benutze sie nur, wenn ich vor Ort sind. Sie machen durch ihr äußeres auf die Handwerkskunst aufmerksam, die in ihnen steckt. Keine Membran, nur Pures, seht langlebig, vollnarbig, zwiegenähte Leder. im Komfort muss man Einbußen hinnehmen: Wasserdichtigkeit und Komfort sind nicht auf der Höhe der Zeit. Dafür halten die Nähte bestimmt noch ein Jahrzehnt und die Vibram Sohle wird auch von einem einfachen Schusterbetrieb erneuert werden können.

Für den Einsatzzweck: Motorradfahren in trockenen Regionen und natürlich auch mal ein anständiger Fußmarsch, bekommt der Stiefel gute Noten. 

 

Scarpa Wanderstiefel 2
Jahr und Modell: unbekannt, vergleichbar mit R-evolution GTX wmn
Bemerkung: Gekauft in der Schuhstadt Pieve di Teco, Vibramsohle, Gore-Tex Verarbeitung
Ausfälle: ihm kann anscheinend nichts etwas anhaben. Cordura und Rauhleder, leicht angeschubbert auf Innenseite
Einsatzgebiet: läuft schon mindestens 10 Jahre, fährt auch Motorrad

 

Mysteriös, aber wahr: Obwohl der Scarpa Leichtwanderschuh nicht so aussieht, macht er alles mit. Bisher ohne Ausfälle. Auch der Schalthebel macht ihm nichts aus, die Sohle ist noch in Ordnung, Dichtigkeit und Tragekomfort sind okay. Sehr schön auch der relativ kleine Ort in dem wir ihn kauften, in Pieve di Teco wird das Schuhmacher-Handwerk noch gepflegt. Daher die gute Auswahl. Scarpa stellt sehr traditionell Schuhe in Italien unter dem Oberbegriff Montebelluna her. Dort lässt auch Lowa anspruchsvolle Modelle fertigen.

 

 

Keen Sandalen
Jahr und Modell: Clearwater CNX und Newport H2
Bemerkung: lange und intensiv im Einsatz
Ausfälle: bisher wenige bei intensiven Gebrauch:  Der Clearwater musste nach Jahren einmal genäht werden
Einsatzgebiet: 3 Jahreszeiten-Sandale, alles, nur nicht Motorradfahren

 

Unglaublich, was diese Sandalen so mitgemacht haben. Ihr herausragendes Kennzeichen: die Keen typisch hochgezogene Zehenkappe und die Messerschnitt Wassersohle, die unfassbaren Halt vermittelt, sogar am senkrechten Fels. Da das Fußklima nicht besser sein könnte, sind und waren die beiden Sandalen (CNX ist leichter) sozusagen 'immer-an' Schuhe, die überall und immer, außer auf dem Motorrad, getragen wurden. Der CNX musste nach Jahren einmal genäht werden, die Sohle zeigt auch etwas Abrieb und der Newport H2, der etwas fester ist, zeigt nun auch leichte Schubberspuren an den Riemchen, ist aber voll funktionstüchtig.

 

Lowa Camino GTX
Jahr und Modell: 2014 (Test)
Bemerkung: lange und intensiv im Einsatz, ein Hund verbiss sich darin 2015
Ausfälle: Kaum. Hundebiss auf dem Grenzkamm, nun undicht (2017)
Einsatzgebiet: Motorradfahren und Wandern

 

Er ist sehr bequem, wurde viele auf dem Motorrad getragen: Westalpen, Italien, viele Regenfahrten. Nach 3 Jahren intensiven Gebrauchs zeigt seine Sohle motorradtypische Abnutzungsspuren am Innenriss, die Bänder sollten erneuert werde und die Gore-Tex Haut ist an den Schuhspitzen nicht mehr dicht. Schuld daran könnte ein Hirtenschutzhund haben, der sich 2015 auf dem Ligurischen Grenzkamm darin verbiss. Langsam geht der Schuh in Atltersteilzeit. Sein Geld war er aber wert.

 

Hanwag Yukon, Atlas, Ancash GTX
Jahr und Modell: 2014
Bemerkung: Robust wenig Nähte, Schalthebelverstärkung aufgeklebt
Ausfälle: keine
Einsatzgebiet: Motorradfahren, harte Tour Trekking

 

Eine ganze Reihe vollleder Schuhe gibt es von Hanwag, die für Motorradfahrer interessant sein könnten. Zu den Vorteilen von Yukon, Atlas und Ancash gehört, das sie sehr hoch geschnitten sind und kaum überflüssige (Zier-) Nähte haben, die auf den Motorradfußrasten meist eine Schwachstelle darstellen. Alle Modelle sind noch leicht genug, um damit bequem zu gehen. Um die Haltbarkeit an der Schuhspitze (Schalthebel) zu verbessern, kleben wir gerne ein Stück Gummi (Motorradschlauch) als Schalthebelverstärkung auf. Dadurch hält der Schuh vorne länger. Defekte im Laufe der Zeit sind an Motorradschuhen dann verbrannte Nähte an der Schuh-Innenseite und eine innen abgenutzte Sohle. Von daher ist es wichtig bei Schuhkauf zu fragen, ob diese kostengünstig erneuerbar ist. Für Yukon, Atlas (jetzt Alverstone) und Ancash GTX jedenfalls Bestnoten von uns.


BMW Sneaker Ride
Jahr und Modell: 2015
Bemerkung: etwas zu groß gekauft, überwiegend Wasserfest
Ausfälle: Reißverschlüsse, Nähte vorne
Einsatzgebiet: BMW Lifestyle, Motorradfahren bedingt

 

Dank seines seitlichen RV's sind die Sneaker leicht an- und auszuziehen. Die Schnürung wird kaum bedient. BMW hätte nur bessere Reißverschlüsse verwenden sollen, denn der RV klemmt öfter, die Nähte sind unten aufgegangen und auch eine Schuh-Naht vorne, seitlich nahe dem Schalthebelkontakt hat ebenfalls aufgegeben. Sei's drum, man kann den Schuh reparieren und noch hält er durch.

 

Meindl Wanderstiefel
Jahr und Modell: ca. 2008
Bemerkung: von Globetrotter, dicht, gute Passform
Ausfälle: Sohle löst sich vorne mehrfach geklebt, Haken ausgerissen
Einsatzgebiet: alles! Lange im Einsatz, fuhr viel Motorrad

 

Der Schuh wurde leider etwas zu klein gekauft. Meindl hatte aber in diesen Baujahren ein besonderes Patent auf die Passform. Beim Anziehen war der Schuh etwas eng, nach wenigen Minuten schmiegte sich der Innenschuh aber komfortabel um den Fuß. Der Schuh machten in den ersten Jahren alles mit, von Wanderungen, Kletterübungen bis Motorradfahren. Durch starke Belastung riss mal ein Haken aus, den der Schuhmacher wieder einsetzte. In den letzten Jahren stand der Schuh mehr rum und das machte ihm anscheinend den Garaus: Die Sohle löste sich von vorne und auch mehrmaliges Kleben (Mcnett, Pattex, Schuster) brachten ihn nur kurzfristig wieder in Form. Sollte es das nun gewesen sein?

 

 

Gaerne Balance oiled
Jahr und Modell: vor 2010
Bemerkung: unverwüstliche Bauart, zwiegenäht
Ausfälle: keine, allerdings ist die Membrane nicht ganz dicht 
Einsatzgebiet: Trial und Enduro

 

Die flache Sole und das geölte Leder sind typisch, der Stiefel hat niht so viele Protektoren wie ein Endurostiefel. Kritiker bemängelten die Membrane. Ich erwarte von einem Trialstiefel allerdings keine vollständige Wasserdichtigkeit. Der Stiefel lässt sich gut tragen und ist ein Kompromiss für Menschen, die sonst ungern Stiefel tragen. Allerdings drückt er beim Gehen ein wenig am Knöchel, das kann aber ein individueller Mangel sein. Das Familienunternehmen Gaerne (Wir waren selbst 2 mal dort zu besuch) macht aber ganze und vertrauenswürdige Arbeit. Ein toller Stiefel, made in Italy, Montebelluna.

 

Salewa Evo GTX und Bison Trek
Jahr und Modell: vor 2011
Bemerkung: Stabile Stiefel mit einem kleinen Fehler, verschiedenen Leisten verfügbar!
Ausfälle: Schuhspitze durch Wärme verformt
Einsatzgebiet: Motorradtour und Wandern

 

Beides Top Modele von Salewa, nur etwas festere von beiden, der Evo GTX verformte sich am Schalthebel bei einem Süditalien-Aufenthalt, so das man ihn einfach nicht mehr tragen kann. Dort wo der Schalthebel bei 35°C drückte, ist eine Mulde entstanden, die kein Schuster mehr zurückdrücken kann. Das tut weh am großen Zeh und ist sehr Schade für den Schuh. Ursache ist eine thermoplastisch verformbare, innenliegende Schuhkappe und generell die Schalthebel-Problematik: Motorradstiefel haben an dieser Stelle immer eine Verstärkung und die Schuhspitze kann anscheinend mehr Temperatur ab. Sonst ist der 'Satter-Lederwaren' (Sa Le Wa) Schuh top verarbeitet. Wirklich Schade. Die Empfehlung zum biken muss man da leider zurücknehmen. 
Der Evo GTX hat überlebt, war allerdings auch nicht in Süditalien unterwegs. Beide Schuhe sind so nicht mehr im Handel.

 

Hanwag Saponi GTX
Jahr und Modell: 2012
Bemerkung: War in Mexiko und fuhr im Sommer viel Motorrad, breite Sohle
Ausfälle: keine, Sohle löst sich langsam an der Spitze und an der Ferse
Einsatzgebiet: kleine Sommertour, Wandern, 

 

Der Saponi von Hanwag hat viel mitgemacht. Grund seiner Anschaffung war ein Mexiko Rucksack Trip. Der Schuh ist leichter als andere Trekking Schuhe, hat eine breite Sohle und verarbeitet neben Rauleder viel Cordura. Der GTX Innenschuh ist, wie bei Hanwag üblich, auch nach Jahren noch absolut dicht. Ganz die Sicherheit wie ein Vollederschuh bietet der Saponi nicht, aber er scheint ein Dauerläufer zu sein. Auch der Motorrad-Schalthebel konnte ihm bisher nichts anhaben. Die sich langsam unspektakulär lösenden Sohle und die leichten Schwächen bei Nässe (siehe Test) sind kleine Schönheitsfehler. Der Schuh ist gelegentlich noch als Restposten zu bekommen - Schade.

 

Hanwag Badile Low
Jahr und Modell: vor 2010
Bemerkung: flacher Bergschuh, robust & Kleidsam
Ausfälle: keine. leider zu eng gekauft, fällt klein aus
Einsatzgebiet: Wandern, urban, Nachfolgemodelle wie Rock Approach GTX hier

 

Der Schuh ist auch noch 2017 im Gebrauch, wird selten auf dem Motorrad, eher für den Alltag gebraucht. Leider fällt seine Größe eng  aus, so dass er nicht für lange getragen wird. Seine Verarbeitung ist tadellos. Unterwegs war er mehrmals in Italien/Ligurien und auf Mittelgebirgstouren. Bis heute dicht.

Der Test von damals bitte hierlang.

 

Wird subito fortgesetzt!

Letzte Änderung: 14.12.2017
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