Ted Simon: Mit dem Mp3-Roller durch England

Auch wenn der Titel vielleicht impliziert, eine letzte Fahrt zu sein, so sieht Ted Simon & Jupiter das keinesfalls. Denn: “Das Alter hat es bisher gut mit mir gemeint“ und „gewöhnlich mache ich mir selten Gedanken über das Ende aller Dinge.“

Ein Abenteuer kann man überall erleben“

‚Jupiters Heimkehr‘ ist eine Fahrt mit einem Motorroller durch England. Eine Fahrt zu bekannten Orten und zu alten Freunden. Als Fahrzeug wählte Ted Simon diesmal einen Piaggio 3-Rad-Roller – mehr ein Transportmittel als ein Motorrad – sagt er selber.

 

„Es war ein MP3, halb Roller, halb Motorrad, gebaut vom Vespa-Hersteller Piaggio. Das war es, dachte ich, dieses Gefährt würde all den trinkfesten Schaulustigen in den Pubs der alten Heimat die Zungen lösen. Vor meinem inneren Auge sah ich ein reizvolles, wenn auch etwas wunderlich anmutendes Bild von mir als einem eleganten Gentleman in den besten Jahren. Bekleidet mit Ziegenlederhandschuhen und Seidenschal, würde ich einer rustikalen Gaststätte entgegenrollen, in der mitteilsame Einheimische mit schäumenden Pints fasziniert auf meine Erscheinung reagieren würden.“

 

Ted schreibt nicht über Banalitäten, schreibt über das Leben, schreibt sehr persönlich, ist ein Meister der erzählenden Reportage. Deswegen wird auch so ein Buch mit einem vergleichsweise wenig abenteuerlich anmutenden Titel bei Ted Simon nie langweilig. In einem Interview mit Peter More antwortet Ted auf die Frage, kann man auch in England ein Abenteuer erleben: „Ein Abenteuer kann man überall erleben“.

 

Die Reise mit dem Dreirad-Roller, den ihm ein Freund ersteigerte, führt Ted quer durchs Land bis nach Belfast, wo er alte Freunde und vertraute Orte besucht. Dabei kommt er an abgelegene Orte, meidet aber auch nicht große Industriezentren und trifft dabei auf allerhand Charaktere. Das Buch ist gespickt mit kleinen Anekdoten über Land & Leute und so gelingt es dem über 80-jährigen einen Blick auf England zu werfen, der nicht ausschließlich durch die Motoradbrille geprägt ist.

 

Fazit

Es kommt, wie immer auf die eigene Einstellung und die Bereitschaft an, sich auf Fremdes einzulassen. Ted Simon ist unserer Meinung nach kein guter Fotograf, aber ein grandioser Journalist und Beobachter. Nur die beiden Landkarten im Einband des Buches scheinen nicht rechtzeitig fertig geworden zu sein, dort ist nur ein Strich zwischen London und Glasgow zu sehen ... Kurzum, wieder ein Jupiter Buch, das zwar nicht von der weiten Welt erzählt (die er Autor kennt) aber einen intimen Blick auf seine alte Heimat England wirft.

 

Stationen der Reise

Englische Riviera, Wasserstraßen der britischen Kanalsystems und die Wicklow Mountains (Irland).

Lebensstationen von Ted Simon, Jahrgang 1931

1973: Jupiters Fahrt (Weltreise)

1980: Umzug von London nach Kalifornien

2001: Ted Simon wiederholt  seine Fahrt von 1973. 'Jupiters Träume' entsteht

2009: Im Alter von 78 fährt Ted Simon mit dem Dreiradroller durch England: Jupiters Heimkehr entsteht

Bonus

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Letzte Änderung: 16.02.2017
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