Zu Besuch im Land der Motoren

Tour zu den Motorradwerken Italiens 2016, 2013 und 2009



In Norditalien liegen fast alle Produktionsstätten des italienischen Motoradbaus. Im 'Land der Motoren' (oder 'Silicon Valley') kommt man in Kontakt mit viel Leidenschaft, Herzblut und unkonventionellen Lösungen. Stolz und Lokalkolorit führen zu einer hohen Fertigungstiefe; die meisten Zulieferer kommen aus Italien. 2016 gibt es ein paar Änderungen, denn auch der Anteil von Zulieferern aus China steigt. Trotzdem werden die Motorräder in Italien gebaut.
Die Landkarte ist gepflastert davon, zwischendrin immer wieder auch noch eine Automobile Traumfabrik wie Ferrari oder Lamborghini und Maserati. 2009 machten wir uns das erste Mal auf, diesen Herstellungsorten einen Besuch abzustatten, 2013 war die Zeit reif, ein Update einzuholen. Dabei besuchten wir u.a. TM-Racing in Pesaro, Fantic, Umberto Borile und die legendären Vertemati Brüder. Im Juli 2016 fahren wir mit einer 650er SWM Enduro und einer 1200 Ducati Monster von Zupin (Chiemsee) zur heutigen SWM Produktionsstätte in Biandronno bei Varese und ziehen einen historischen Vergleich. Auf dem Weg besuchen wir weitere Zuliefer- und Motorrad-Zubehör Betriebe.

 

Hier zum Blog, bzw. der englischen Version von 2009:

[BLOG: Achtung, ggf. von unten nach oben lesen!]

 

Die vorherigen Werksbesuche von Markus Golletz und Jörg Jeske führten im Juli 2013 und zu Ostern 2009 (siehe Blog weiter unten) zu den Werken von Moto Guzzi, Husqvarna, Cagiva, Gilera, Vertemati, MV Agusta, Moto Morini, Ducati, NCR, Aprilia, Bimota, TM-Racing, Umberto Borile, Yamaha Italia und Benelli. Viel Spaß beim aktuellen Blog! 


Der »Italienische-Motorradwerke-Blog« als RSS-Feed  tl_files/templatepicts/feed.gif

 

Tagebuch / BLOG 2016



01.10.2014 12:01 von Markus Golletz

Rally Caponord, Ducati Scrambler und Morini

Morini in Mailand und Aprilias neue Caponord Rally

Caponord 1200 Rally
Aprilia Caponord 1200 Rally

Auf der Intermot 2014 halten sich italienische Hersteller heuer etwas zurück: Einen Monat später findet in Mailand die 100ste Ausgabe der größten Motorrad Messe der Welt statt: die EICMA.

 

Die Aprilia Caponord 1200 wurde nun mit einem Zubehörsatz für die Endurotour aufgewertet. Unterschiede zum Serienmodell (ohne Rally) sind nun Givi-Koffer, LED-Zusatzscheinwerfer, vergrößertes Windschild, Motorschutzbügel, sowie ein aufgepepptes Fahrwerk: vorne ein 19 Zoll Vorderrad und der leicht vergrößerte Tank (nun 24 Liter) sind nicht einfach mit einem Zubehörpaket zu bewerkstelligen. Bei Vollausstattung gibte es in der Rally (neben serienmäßigen ABS) eine Traktionskontrolle und drei Fahrmodi, sowie das jeweils dazu adaptiv abgestimmte Fahrwerks-Setup (ADD). Je nach Beladung wird dabei automatisch die Federvorspannung angepasst. Man darf darauf gespannt sein und kann den großvolumigen Zweizylinder-Tourer auf der Intermot 2014 am Piaggio-Aprilia Stand C50/F59 in Halle 7 begutachten. Ab Januar 2015 soll die Rally mit Ride-by-Wire Befeuerung erhältlich sein.


Die Praxisbegutachtung auf der Intermot ergibt ein schlüssiges Bild. Das Motorrad ist in seiner Klasse vom Gewicht her nicht adipös, von der Farbgestaltung italienisch schick und vom Wiedererkennungswert ein Stein in der Brandung: Der schöne V2-Zylinder Motor ist gut zu erkennen, die Aluminiumschwinge zeigt italiensiches Design und auch das Koffer-System der Rally ist ansprechend gestaltet. Die vorerst schlechte Nachricht: Vor April 2015 wird sich bei den Händlern kein Prachtexemplar anfinden.

Das könnte viele interessieren: eine Retro Duc für unter 9000€ mit dem luftgekühlten 800 ccm V2: Der Ducati Scrambler:



Moto Morini ist 2014 nach Mailand umgezogen. Bei der MR Motorradwerketour 2013 berichteten wir noch aus den 'heiligen Hallen' von Franco Motori in Casalecchio di Reno (Bologna), die mittlerweile für den kleinen Hersteller zu groß gewordenen sind.

Infos



17.03.2014 11:47 von Markus Golletz

Werksbesuch bei Brembo in Stezzano

Werksbesuch bei Brembo und Marchesini im März 2014. Alles dazu lesen Sie hier. In Kürze dazu auch der Brembo Bremsbelags-Test.

tl_files/picts/04_motorradequipment/Brembo/Brembo_Werksbesuch2014 (2).JPG



05.03.2014 14:29 von Markus Golletz

Motorräder aus Italien 17 erschienen

Motorräder aus Italien 17 (MO)
MO Mototorräder aus Italien 17

Frisch am Kiosk gibt es nun das MO Sonderheft 'Motoräder aus Italien' Moto Guzzi Fans weden sich freuen, denn neben Beiträgen, die diesem Blog entsprungen sind gibt es so ziehmlich alles, was Guzzisten Herzen höher schlagen lässt. Von uns mit dabei sind die Werksbesuche bei Fantic Motor, Beta Motor, den Vertemati Brüdern, dem Moto Market Dominici und TM Racing
Viel Spaß bei der Lektüre!
Markus Golletz & Jörg Jeske

 

 



05.12.2013 14:17 von Markus Golletz

Vertemati's Zweizylindermotor ist fertig

Vertemati Factory Infect 1000 V2

Vertemati Factory Infect 1000 V2

Vertematis erstes Zweizylindermotorrad ist fertig. Sicher nicht für Jedermanns Geldbeutel gedacht haben die alternden Gebrüder Alvaro und Guido Vertemati mit personeller Unterstützung von Studenten der polytechnischen Universität Mailand eine 'Rarität' auf die Felgen gestellt.

 

Nichts ist wie bei einem Serienbike, denn schon die Felgen sind aus Carbon, wie auch der Tank, Kotflügel oder Verkleidungsteile. Auch wenn der Rahmen wir Aluminiumguss aussieht, wird man hier getäuscht: alles ist im Bearbeitungszentrum aus dem Vollen gefräst, genauso wie Motorteile und Motorgehäuse. Titan wird als Werkstoff bevorzugt. Erstmalig liegen alle Zeichnungen und Details als 3D CAD-Zeichnungen und Animationen vor, so das im Prinzip alles maschinengerecht für eine Serienproduktion bereit wäre. Anhand der nun von Vertemati und moto.it veröffentlichten Bilder könnte man sagen, das alles, bis auf den letzten Schliff fertig sei.

 

Bei 145 kg Gewicht muss man über die Leistung des Stirnradgetriebenen 1000 V2 keine großen Worte verlieren. Jeweils eine Nockenwelle, angelehnt an Hondas Unicam-Format reichen dem modernen Motor ausreichend Vortrieb zu entwickeln.

 

Weitere Varianten sind denkbar: eine kleinere Supersport Schwester, eine Superbike-Straßenversion wird sogar schon genauer geplant. Die Vertematis würden später sogar noch eine Enduro bauen, bei der eine Mischung aus Titanrohr und Aluminium-Rahmen verwendet werden soll. Der Motor ist so ausgelegt, das durch Vergrößerung der Bohrung auch Varianten von 1100 oder gar 1200 ccm entstehen könnten.

 

Bei unserem Besuch im Juni 2013 haben wir die Entwicklungsstätte der Vertemati Brüder in Triuggio (Brianza) genauer betrachten können, hier können natürlich keine Serienmotorräder gebaut werden und so ist die Vorstellung der Infect auch als Ausschreibung für eine Serienproduktion zu verstehen. Derzeit sind die Motorräder für Jedermann einfach nicht bezahlbar. Man möchte also derzeit Interessenten von dem kühnen Projekt faszinieren und man hat schon funktionstüchtige Prototypen vorzuweisen. Roberto Roncalli, Geschäftsmann und Mäzen seines Zeichens, ist in diesem Projekt bisher der Unterstützer der Vertemati Brüder. Neuen Antrieb bekam die Hinterhofwerkstatt der Gebrüder durch junges Blut von der polytechnischen Universität Mailand in Gestalt von:Maurizio Amatruda, Federico Belli, Timothy Macchia und Luca Menon. Sie sind für die CAD Konstruktion des Projekts zuständig.

 

tl_files/picts/News/Motorraeder/Vertemati/Vertemati13 (1).JPG

 

  • Link zum Moto.it-Artikel (samt ital. Interview)


11.10.2013 11:38 von Markus Golletz

Motorräder aus Italien 2013

Am Kiosk: MO-Sonderheft 2013
Am Kiosk: MO-Sonderheft 2013

Das Mo Sonderheft Motorräder aus Italien, Ausgabe 16 ist da. Die MR-Werksbesuche bei MV Agusta, Moto Guzzi, Moto Morini, Umberto Borile und Gaerne sind darin auf 17 Seiten abgebildet, dazu ein Interview mit Bernhard Gobmeier dem Rennchef von Ducati. Auch sonst ist das Themenheft nicht zu verachten!

Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht:

Die Redaktion Motorradreisefuehrer.de



23.09.2013 13:49 von Markus Golletz

Sonderheft Motorräder aus Italien

Anflug vom Monte Grappa ins Land der Motorräder
Anflug vom Monte Grappa ins Land der Motorräder

Im MO Sonderheft Motorräder aus Italien 2013 erscheinen noch im Herbst umfangreiche Reportagen und Berichte von dieser Reise zu Italienischen Motorradwerken. Der genaue Erscheinungstermin wird noch bekannt gegeben!



14.07.2013 00:37 von Markus Golletz

MV Agusta - der Schlussakkord

Als wir beim Pförtner des MV-Werkes in Schiranna stehen, fährt ein schwarzer BMW Z4 vor. Entsprechend elegant steigt Alessia aus und begrüßt uns bei MV Agusta, wir sollen ihr folgen. Während der Pförtner noch mit Papieren beschäftigt ist, brausen wir hinter ihr über das ehrwürdige Gelände am Vareser See.  Der Pförtner ruft uns noch hinterher, doch das Zauberwort heißt Alessia und schon können wir passieren.

Alessias Büro liegt direkt neben dem von Giovanni Castiglioni: Sohn des verstorbenen Claudio, Nachfolger und ebenfalls Motorradmäzen in Italien.

tl_files/picts/News/Motorradwerke/Motorradwerke13/Mv13.JPG

 

Hatte MV Interesse am Husqvarnawerk? Alessia verneint. Oder sagte sie eher „noch nicht“? Jedenfalls scheint die nagelneue von BMW neu gebaute Werkshalle akut trotz enorm gesteigerter Absatzzahlen von MV nicht von Interesse zu sein. 92% Zuwachs attestiert Motociclismo MV, die Zahlen lauteten ungefähr 4000 Stück in 2011, knapp 8000 in 2012 und 2013 könnten es noch mehr werden. Boomen tut es auch auf dem US Markt, für den die meisten der zur Auslieferung fertigen Modelle bestimmt sind. Gerüchten zufolge macht sich MV fit für die Börse, um mehr Kapital aufzunehmen. Aber das ist bisher nur ein unbestätigtes Gerücht...

Die Produktion gestaltet sich modern und trotz nur 145 Beschäftigten ständig im Absatz gesteigert. Brutales sind auch billiger geworden, günstigstes Modell ist die F3 675 Brutale, die mit den z. Z. wegen hohen Yen Kurs teuren Japanern neuerdings auch preislich konkurrieren kann. 

Betriebsrundgang: wir sehen die mechanische Bearbeitung von Zylinderköpfen, die komplizierten Bohrungen für radiale Ventile, die Vermessung der Teile und die Montage von Rahmen und Motor.

Die Fertigungstiefe ist hoch, außer Gussteilen und Standards wie Gabeln oder Federbeinen wird viel selbst hergestellt. Die Motoren sind allerdings im Laufe der Zeit dank Fertigungsoptimierungen leichter herzustellen. Auch die Rahmen kommen (nicht von Verlicchi) sondern aus der Nachbarschaft. Die neue MV Rivale sehen wir hingegen nicht. Deren Produktion wird gerade vorbereitet und beginnt anscheinend erst im Herbst 2013.

Eine Berufsausbildung ist in Italien nicht so ohne weiteres üblich, unsere Stichprobe ergibt aber, das viele (alle?) der in der Montage/Fertigung beschäftigten zumindest mehrjährige Erfahrungen und/oder eine schulische Metall-Grundausbildung absolviert haben. Um die Kollegen am anderen Ende des Sees ist man besogt: Bei MV und Husqvarna bediente man sich jahrelang dem selben Pool von Mitarbeitern, die mal hier und mal da arbeiteten. Nun werden fast 250 von Ihnen bei Husqvarna arbeitslos.

 

tl_files/picts/News/Motorradwerke/Motorradwerke13/Mv13 (1).JPG

 

Trotz Alessias Anruf bei Husqvarna werden wir von der neuen Pförtnerin nicht eingelassen. Sie ist zwar freundlich und telefoniert für uns, doch weswegen auch immer hat niemand für uns Zeit. Im Showroom dürfen wir nicht fotografieren und wir werden von der Empore stumm von zwei Mitarbeitern beobachtet. Informationen gibt es auch keine. Vorn auf dem Parkplatz stehen teure Autos mit Österreichischem und Münchner Kennzeichen... Ein Motorradfahrer kommt zum Werkstor gefahren und verschwindet bald wieder. Er hatte auch bei Husqvarna gearbeitet und ist nun arbeitslos. Eine seltsame Stimmung umschleicht uns, vor 4 Jahren herrschte hier noch Aufbruchstimmung, nun nur noch ein Showroom und ein bisschen Ersatzteilfertigung? Immerhin soll dieser Ort zu einer 'Niederlassung' für Husqvarna in Italien werden - die Motorräder des Jahrgangs 2013 kommen dann aus Österreich. Das Angebot in Österreich zu arbeiten hat kaum ein ehemaliger Husqvarna-Malocher angenommen.

Fragen über Fragen. Warum hat nur niemand Interesse an einer intakten Belegschaft und einer mit BMW Geldern gebauten neuen Mototorradfabrik? (Fortsetzung folgt).

tl_files/picts/News/Motorradwerke/Motorradwerke13/Husqv13.JPG



09.07.2013 14:09 von Markus Golletz

Vertemati's neuer Motor

Die Vertemati Brüder sind nicht mehr die Jüngsten. Das manifestiert sich auch auf der angestaubten Homepage. Vor 4 Jahren hatten Sie uns abblitzen lassen, nun sind wir anscheinend willkommen. Die Mailkommunikation klappte sehr gut und empfangen werden wir im Geburtshaus und der anliegenden Werkstatt in Triuggio bei Milano directamente. Interessanterweise schicken Guido und Alvaro Vertemati seine neuen Gehilfen vor. 4 Jungs, frisch von der Uni, präsentieren uns, dass es in der Motorenentwicklung der Vertemati’s auch anders geht.

 

tl_files/picts/News/Motorradwerke/Motorradwerke13/Vertemati13 (1).JPG

Mit Computer, CAD Zeichnungen und jeder Menge High-Tech. Guido gesellt sich dazu und wir bewundern einen neuen Motor, der ungemein klein baut, 2-Zylinder hat und bei dem alles, was den Liter Hubraum leistungsfähig macht aus dem Vollen gefräst ist. Sogar der Rahmen oder das Motorgehäuse, das aus nur einem einzigen Stück bestecht. Die Vertematis sind ja traditionell Meister des herausnehmbaren Kasettengetriebes, das auch hier seinen Platz finden wird. Fotos sind von diesem Motor trotzdem unerwünscht, denn er wird für einen Privatier und Mäzen exklusiv gebaut. Vielleicht fällt eine Kleinst-Serie dabei ab. Zu sehen kriegen wir nur altes Eisen: besser: Kleinserien der bisher verkauften Einzylinder Modelle. Die Vertematis zeigen, was sie eigentlich können: Motoren bauen, und zwar von Kindesbeinen an. Alles weitere, was Vermarktung, Serienfertigung, wie damals bei VOR oder auch was Werbung angeht scheint bisher nicht der Gebrüder‘s Metier. Zu schwedischen Zeiten hatten die Gebrüder Erfahrungen als italienischer Husaberg-Importeuer gemacht, doch das ist lange her. Den Einzylindermotor, den Sie vor 4 Jahren für Benelli konstruiert hatten, ging nie in Serie, auch wenn er in Pesaro oder auf der EICMA in den Showräumen gezeigt wurde: Guidos kurzer Kommentar: Die Chinesen halt. Wie es weiter geht? Die Welt darf gespannt sein auf den neuen (und ersten?) Vertemati Zweizylinder-Renner, wenn er denn je gebaut wird. Gut aussehen tut er ja, leicht ist er auch und reichlich mit Edlem und Carbon geziert und fast aus dem Vollen hergestellt. Man wird ihn in der italienischen Presse bald zu sehen bekommen, doch vorerst wird es beim Träumen bleiben: Über Preise haben wir nicht geredet …

 

tl_files/picts/News/Motorradwerke/Motorradwerke13/Vertemati13 (2).JPG

Schön jedenfalls zu sehen, das die Vertematis generationsübergreifend arbeiten können: Hier steht ein Alter mit Kittel und kurzen Hosen an der Drehbank, dort kommt eine Frau mit Haushaltsschürze und serviert etwas, mittendrin die Mitzwanziger, die anscheinend gut am Computer und im Design sind. Organisiert wirkt das alles weniger, typisch italienisch sind eher die gewachsenen Strukturen eines Kleinbetriebs.



08.07.2013 22:06 von Markus Golletz

Beta, Moto Guzzi & Ducati 2013

Zwischen Florenz, Bologna und Milano

Es ist nicht so einfach am Ball zu bleiben, wenn sich die Ereignisse überschlagen. Deswegen hier die aktuellen News, direkt aus Milano. Wir wohnen hier im Atelier eines Freundes, und unternehmen von hier aus unsere Werksbesuche. Zuvor waren wir auf Besuch zwichen Florenz (Beta) und Bologna (Ducati, Moto Morini).

tl_files/picts/News/Motorradwerke/Motorradwerke13/Gran_PAsso.JPG

Moto Morini: Nach den letzten Meldungen auf MR gab es wilde Spekulationen, ob bei Moto Morini überhaupt noch Motorräder gebaut werden, oder ob hier nur noch 'Reste' abverkauft werden. Von uns aus gibt es eine Entwarnung: Überaus freundlich werden wir von Elisabetta Capotosti und Adriane Intoci empfangen. Doch es herrscht überwiegend Stille in der derzeit gratis zur Verfügung gestellten Fabrikanlage von Franco Motori. 1,5 Motorräder werden zur Zeit werktags gebaut, die Bestellungen gehen per Internet (Marketing) ein. Motorenbauer Franco Lambertini ist längst gegangen (der nun 70 Jährige wendet sich anderen Projekten zu (!). Die auf sein Zeichenbrett zurückzuführende Konstruktion der Corsaro 1200 Veloce wird nun von alten Mitarbeitern unter der Führung der Mailänder Bankierfamilie Capotosti modellgepflegt und vermarktet. Gran Passo, Scrambler 1200, Corsaro 1200 Veloce sind derzeit im Angebot und können auch 'auf Probe' gekauft werden. Zum 75. Moto Morini-Geburtstag kommt nun die lang angekündigte Rebello Giubileo auf den Markt. Auch sie wird es bei MotoMorini Rent oder Longrent für kurzoder lang zu kaufen/mieten geben.

Wir konnten einen Runde mit den bärenstarken 1200er Granpasso's drehen und uns von der Modellpflege überzeugen. Bei einem Bike diesen Temperaments würden Deutsche Biker nur ein wenig Regelelektronik für Bremsen und Schlupf vermissen. Aber auch das könnte schon in Arbeit sein.

tl_files/picts/News/Motorradwerke/Motorradwerke13/Morini_13.JPG

Ducati: Hier sieht es wegen der nicht vorhandenen aktuellen Rennerfolge vordergründig düster aus, doch genaugenomen ist Ducati auch nach der Audi-Übernahme gut aufgestellt. Über neue Modelle (gerade gibt es eine Menge) und über Rennsport wird wenig gesprochen, trotzdem ist das Ducati Werk DER Technologieträger von allen von uns besuchten Werken. Schließlich produziert man genausoviel Motorräder wie die gesamte Piaggio Gruppe (Derbi, Moto Guzzi, Aprilia, Laverda ...) zusammen. Das Roller-Geschäft natürlich ausgenommen.Trotzdem: die Stimmung könnte besser sein. Über Valentino redet man nicht gerne und grundsätzlich geht es dem Unternehmen wegen Multistrada, Monster und Hypermotard gar nicht schlecht. Uns wird ein Interview mit Bernhard Gobmeier, Ducatis Rennchef (Ducati Corse), angeboten, das in der MO zu lesen sein wird.

tl_files/picts/News/Motorradwerke/Motorradwerke13/Ducati13 (2).JPG

Betamotor: Vorher hatten wir das Vergnügen in der Toskana und vor Ort mit Betamotor Export Manager Frank Schroeder zu sprechen. Auch dort verzeichnet man trotz Krise satte Zuwächse. Der Grund sind eine gesunde Firmenpolitik und fast konservative, aber grundrobuste Vergaser-Enduros, die sich nach und nach auch in Deutschland durchsetzen. Auch Ersatzteilverfügbarkeit und Liefergeschwindigkeit (Express ankreuzen!) sind Grund für den Erfolg, aber auch die Geschehnisse um Husqvarna: Beta springt mit den neu entwickelten Zweitaktern in die Bresche (die Husqvarna hinterlassen hatte) und verkauft 2000 Motorräder dieser Art. Unsere Meinung ist, das Betamotor zu den meist unerschätzten Marken in Deutschland gehört. 

tl_files/picts/News/Motorradwerke/Motorradwerke13/Beta2.jpg

Moto Guzzi: Schauen wir uns diesmal gleich doppelt an: Daniele empfängt uns im Piaggio-Building in Milano Downtown, dort gibt es Infos satt: Für die Werksführung ist alles vorbereitet und es macht auf uns den Eindruck, als ob er kein Blatt vor den Mund nimmt: Wir werden ziemlich viele unfertige Motorräder sehen, denn derzeit besteht ein selbstverschuldetes Zuliefererproblem. An einigen Modellen fehlen Elektrikteile, bei anderen hapert es am Zylinderkopf. Der gesamte Lagerbestand ist abverkauft, so dass schon etwas Eile besteht. Im Showroom und im  Vorzimmer wird die neue Capo Nord ausgestellt und erklärt: Sie hat ein elektronisch einstellbares Fahrwerk wie die Multistrada S und macht einen guten Eindruck auf uns. Das Aprilia in Deutschland keiner starken Marke ist, liegt für viele immer noch an der Ersatzteil Misere. An fehlenden Rennerfolgen kann es jedenfalls nicht liegen, denn die RSV4 scheint derzeit das perfekte Superbike. Dennoch fehlt es Piaggio/Aprilia an legendären Fahrern, so Daniele Torresan. Mehr als diese zwei Modelle werden gerade nicht ausgestellt, derweil beantwortet Daniele unsere Fragen nach den Produktionszahlen: Piaggio verkauft nämlich mit all seinen Marken (Moto Guzzi, Aprilia, Vespa, Gilera, Derbi oder das auf Eis gelegte Laverda) genauso viele Motorräder wie Ducati. Das eigentliche Geschäft, erfahren wir beinahe im Nebensatz, sind die Roller die fast mit Faktor 10 in die Rechnung eingehen. 

Werksrundgang in Mandello: California Custom und Cali Touring könnten die neuen Cashcows von Moto Guzzi werden. Besonders gut in USA und Deutschland verkauft, gibt es für die Traditionsmarke mit 7000 Einheiten 2012 zunächst einmal Entwarnung. Tja wenn da nicht die temporären Lieferschwierigkeiten einiger Zulieferer wären. Der Fehler kann auch in der Planung von Moto Guzzi liegen, aber das ist noch nicht raus. Das Werk mit 130 Beschäftigten befindet sich derzeit in Kurzarbeit, hofft aber in Kürze wieder mit Nevada, Griso, V 12, Stelvio & Co voll durchstarten zu können. Um Gerüchten entgegenzuwirken: alle Guzzis kamen und kommen ausschließlich aus Mandello - dort wo der Adler kreist ...

tl_files/picts/News/Motorradwerke/Motorradwerke13/Guzzi_13 (1).JPG

Wie es weitergeht? Das alles hier wird noch viel ausführlicher. Vor allem im Sonderheft der MO Italienische Motorräder, das im September erscheint. Morgen sind wir bei MV / Cagiva und Giovanni Castiglioni. Vielleicht reicht es auch noch auf eine Runde zu Husqvarna am Lago di Biandronno, wo man die (Rest-) Belegschaft treffen könnte. Die ist zu Recht derzeit nicht gut zu sprechen auf den Deal zwischen BMW, Pierer und KTM. Ich reise mit einer KTM 690, trotzdem wäre ein Gespräch mit dem Betriebsrat anscheinend sehr interessant...

tl_files/picts/News/Motorradwerke/Motorradwerke13/Lago_Como.JPG



26.06.2013 18:08 von Markus Golletz

Borile, TM, Fantic & bis Bologna

Die südlichen Motorradwerke

Wir haben es geschafft, fast ohne Ausfälle (außer Dainese) alles zu sehen, was wir uns vorgenommen hatten. 

Borile: Wer kennt schon die kleine Motorradschmiede von Umberto? Umberto Borile baut seit 1988 professionell und in Handarbeit Motorräder. In Eugena Vo ist sein Hauptquartier und unser Besuch bei Ihm hat uns sehr beeindruckt. In Italien vergeht kaum eine Ausgabe von Motorradzeitschriften, ohne das ein Bike von Ihm vorgestellt wird. Wir konnten die Multiuso und den Caferacer ausprobieren und einen ausführlichen Blick in Umbertos künstlerische Werkstatt werfen. Später auch noch einmal den Scrambler in Milano bewundern. 

tl_files/picts/News/Motorradwerke/Motorradwerke13/Borile1.jpg

Erstes Bild von der Borile Enduro (mit 350 Ducati Einzylinder!)

TM-Racing: Beeindruckendes Motorradwerk mit 35-jähriger Geschichte! Hier wird alles nur Erdenkliche noch selbst hergestellt: Federbeine, Gabeln, Felgen, etc. Bei TM kommt man in den Genuss von individuell handgebauten Production Racern, von der Stange ist fast nichts. Auffällig sind die eigens gefertigten und per Fräse veredelten Teile. Federungskomponenten können individuell zusammengestellt werden. In Deutschland macht Mikes Bike Shop den Vertrieb für TM (Fortsetzung folgt).

 

tl_files/picts/News/Motorradwerke/Motorradwerke13/TM_Dominici.jpg

 

Fantic: Wer hätte das gedacht: Der Kaffeemaschienen-Produzent Frederico Fregnan kaufte 2003 die Marke Fantic, die in den '80er Jahren mit den Caballero Enduros Furore machte. Elektra Kaffeemaschinen, die Marken SWM und RG gleich mit dazu. In Deutschland gibt es leider derzeit keinen Vertrieb der Marke, Gespräche mit Zupin soll es aber gegeben haben. Vorserienmodelle für 2014 konnten wir bereits sehen: 250 2T, 300 2T und 250 4T und die Fantic TR 125 Six Days. Markenzeichen sind der rote Kupplungsdeckel und der Aufschrift 'Fantic Scuderia'. Alle 2014er Modelle sind nun nach dem 25.7.2013 veröffentlicht worden. Es werden edle Teile aus Norditalien verwendet, die Produktionstiefe ist allerdings gleich null. Wir wären gespannt auf einen Test, doch ohne Generalimporteuer dürfte das alles die Deutsche Motorpresse nicht interessieren.

tl_files/picts/News/Motorradwerke/Motorradwerke13/Fantic2.jpg

 

Bei Ducati waren wir auch noch. Dort ist man auf fehlende Rennerfolge angesprochen missgestimmt. Das Audi geführte Unternehmen wirkt auf uns, die wir bisher nur kleine Motorradfirmen angeschaut haben aber wie das VW-Werk in Wolfsburg. Hier ist auch richtig was los, was Führungen angeht. Ein hingucker ist auch das Ducati-Museum, das einzige seiner Art, das direkt im Werk verankert ist. Ducati lebt Rennen, ohne die enge Anbindung daran ist die rote Marke kaum zu denken. Wünschen wir ihnen in Zukunft wieder mehr Erfolge bei SBK und Moto-GP!

Ach ja, und Spaß haben wir auch noch dabei: denn langsam hält der Italienische Sommer, was man sich von ihm landläufig verspricht ... Die Fahrt auf der SS 304 Adriatica von Venedig nach Pesaro bei all dem LKW Verkehr ist weiß Gott kein Zuckerschlecken, wir wurden aber durch den Besuch bei TM-Racing und einem Sprung in die Adria dafür entschädigt... Was es morgen noch gibt: Der Besuch bei Beta und Moto Morini, die beide Überraschungen zu Tage brachten.

 

tl_files/picts/News/Motorradwerke/Motorradwerke13/Nastro.jpg

Hier können Sie ein Kommentar hinterlassen

Letzte Änderung: 18.04.2017
LETZTE NEWS   Alle News als RSS-Feed

19.08.2017 10:30

Sommer & Herbst Underwear

Stadler Sommerunterwäsche und Craft Comfort Active.

Weiterlesen …

14.08.2017 18:42

Italo Africa Twin Rally

Italien: Africa Twin CRF 1000 Rally in limitierter Auflage erhältlich.

Weiterlesen …

09.08.2017 16:51

Koso Instrumente

Wasser- und Öltemperatur nachrüsten. Wie geht das?

Weiterlesen …

04.08.2017 13:00

Stanley Brushless Schrauber

Weniger Reibung in der Maschine. 50% mehr Leistung, längere Standzeit: Sanley Fatmax Brushless

Weiterlesen …

30.07.2017 12:24

Airpaq Rucksäcke aus Autoschrott

Gepäcktransport: Upcycling Rucksack aus alten Airbags und Gurtbändern.

Weiterlesen …