31.12.2016 15:48 von Markus Golletz

Ligurischer Grenzkamm 2017

Interview mit einem Streckenposten

Vial del Sale oder Ligurische
Vial del Sale oder Ligurische: Abfahrt nach Limone

 

2013/2014 wurde der nördliche Ligurische Grenzkamm (#LGKS) aufwändig aus Mitteln des Alcotra Projekts und der EU instand gesetzt. Seitdem fahren Motorisierte auf einer glattgewalzten Piste, zahlen eine Maut und werden an zwei Kontrollstellen abgefertigt. Der südliche Teil des Ligurischen Grenzkamms oder der ‚Via del Sale‘, wie die Einheimischen sagen, bleibt davon unberührt. Nur 34 km von rund 68 km sind reglementiert. Auf dieser Strecke wurde die Fahrbahn aufwändig entschärft und erneuert. MotorradAbenteuer machte auf dem Grenzkamm ein Interview mit dem Kassierer und Kontrollposten Gianni Morchio und fragte beim Tourismusbüro (Matteo Eula) von Limone Piemonte nach.

 

Von offizieller Stelle verlautete dabei, dass die Maut lediglich für den normalen Straßenerhalt und Lohnkosten ausgegeben wird. Im November 2016 haben starke Regenfälle im Val Tanaro schwere Schäden verursacht. Die Bewohner von Upega, Monesi und Piaggia mussten evakuiert werden. Ziemlich sicher ist man bei der Reparatur auf EU-Mittel angewiesen. Genaueres ist noch nicht bekannt Der Region und den örtlichen Kommunen ist der Erhalt und ein guter Zustand der touristische Attraktion sehr wichtig geworden.

 

In der kommunalen Diskussion wird darüber geredet, den zweiten motorradfreien Tag, der erst 2015 eingeführt wurde, wieder rückgängig zu machen. An der Maut werde aber prinzipiell festgehalten. Eine Entscheidung wird für 2017 erwartet.

 

Interview September 2016

 

Motorradreisefuehrer: Gianni, wie läuft eine Via del Sale-Saison hier oben ab und was haben wir für 2017 zu erwarten? Es gab ja bei der Reglementierung schon ein paar Modifikationen.

 

Gianni Morchio: Ich hoffe, dass die Maut und die bisherige Reglung auf der ‚Via del Sale‘ noch eine Weile anhält. Was noch passieren wird, kann ich auch nicht genau vorhersagen. Was als sicher gilt, ist die Vorverlegung des Kontrollpunktes von hier (Valle Upega) an die 7 km entfernte Kreuzung am Monte Saccarello. Wir sollen dort wenigstens eine bessere Holzhütte für diese Kontrollstelle bekommen. Vielleicht geht das alles noch 5 Jahre so weiter, das ist meine Meinung.

 

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Motorradreisefuehrer: Ein paar Getränkevorräte und Broschüren zum Grenzkamm und den Forts kann man bei euch ja bereits bekommen, aber alles andere sieht auch nach einem Jahr (wir waren auch 2015 hier) noch recht provisorisch aus.

Wenn die Maut wirklich funktionieren sollte, dann müsste die Straße auch regelmäßig ausgebessert werden.

Gianni: Meine persönliche Meinung ist, dass wenn diese Maut mal ausnahmsweise funktionieren sollte, dann müsste die Straße auch regelmäßig ausgebessert werden. In Italien passiert aber schnell folgendes: Wenn dabei – wie durch unsere Arbeit – Geld in die Kassen kommt, entstehen auch ganz schnell Begehrlichkeiten von anderen Seiten. Alle wollen dann ein Stück vom Kuchen abbekommen. Man kennt das ja, dann fließen die Gelder in verschiedenste Taschen, werden aber nicht für den Unterhalt der Grenzkammstraße ausgegeben. Und die müsste nach den alljährlichen Winterschäden mindestens alle zwei Jahre, besser jährlich instand gehalten werden. Sonst ist der Belag bald wieder nur noch für 4x4-Fahrzeuge zu befahren. Mindestens fünf Gemeinden in Frankreich und Italien sind an dem Projekt beteiligt, da sind schnelle Entscheidungen nicht unbedingt zu erwarten.

 

Motorradreisefuehrer: Wurden die Fahrzeugkontingente in der letzte Saison öfter ausgeschöpft und zu welcher Fahrzeuggruppe werden eigentlich die Quads gerechnet?

 

Gianni: Quads zählen zum Motorräder-Kontingent. Die richten deutlich mehr Schäden als Autos an, aber zum Glück kamen bis jetzt nicht allzu viele. Bei dem Auto-Kontingent gab es im Sommer schon mal Engpässe. Die Kapazitätsgrenze für Autos wird öfter erreicht, 40 Fahrzeuge pro Richtung sind dann nicht viel, vor allem im August und an Wochenenden, weil öfters auch für mehr als 10 Fahrzeugen vorbestellt wird. Viele Italiener bestellen vor. Die Kapazität für Motorräder wurde bisher nur einmal ausgeschöpft, da gab es eine einzige Vorbestellung für 130 Motorräder, dann ging natürlich nichts mehr. Sonst kommen Motorräder eigentlich immer durch.

 

Gianni Morchio

 

Motorradreisefuehrer: Gibt es Ausnahmegenehmigungen für Fahrten?

 

Gianni: Ausnahmegenehmigungen für Fahrten an den Motor-freien Tagen Montag und Dienstag sollte es eigentlich nicht geben. Es gab eine Ausnahme, weil eine Gruppe schon vor Festlegung des Ruhetags vorbestellt hatte. Montags und dienstags sind im Sommer wirklich viele Fahrräder (kostenfrei) hier unterwegs. Sonst nicht. Da greift die Reglementierung schon.

 

Motorradreisefuehrer: Wollte auch mal jemand nicht bezahlen?

 

Gianni: Ja das gab es. Es gab mal welche, die wollten das überhaupt nicht einsehen. Die Maut sei nicht berechtigt, meinten sie. Sie haben es dann eingesehen, wenn die Maut in die Straßenpflege fließt.

 

Motorradreisefuehrer: Wie ist der Zustand der Straße?

 

Gianni: Nicht mehr so gut wie im letzten Jahr. Im Winter verändert sich immer einiges. Dieses Frühjahr gab es nur eine Routine-Inspektion.

 

Motorradreisefuehrer: Wieviele Autos, Motorräder und wie viele deutsche Motorradfahrer kommen hier in der Saison vorbei?

 

tl_files/picts/News/Ligurische/LGKS 2016/Tafel 2016.JPG

 

Gianni: Schau auf die Ticketnummerierung. Die Straße wird ja von beiden Kontrollstellen aus angefahren: 5000 Fahrzeuge waren das im Jahr bestimmt, davon ungefähr 3500 Motorräder. Davon wiederum sind rund 50 % Italiener und 50 % Ausländer. Von den Ausländern sind die Deutschen mit 80 % (1400 Motorräder) die häufigste Gruppe, gefolgt von Schweizern, Spaniern und wenigen Franzosen.

 

Motorradreisefuehrer: Wie läuft das mit der Vorbestellung?

 

Gianni: Das geht zur Saison ganz einfach online. Wenn du eine Bestätigung hast, darfst du fahren. Dafür bin ich hier.

 

Motorradreisefuehrer: Wie lautet Deine Empfehlung?

 

Gianni: Vorbestellen oder z. B. die Augustwochenenden meiden. Ein angepasster Fahrstil ist auch wünschenswert. Wie gesagt, ab nächsten Juli stehe ich etwas weiter vorne an der Abfahrt nach Monesi. Der andere Kontrollposten wird dort bei den Skiliften oberhalb von Limone Piemonte bleiben.

 

Motorradreisefuehrer: Vielen Dank Gianni. 

 

 

 

Faktencheck für den Ligurischen Grenzkamm (Nord)

  • Genehmigungen gibt es online oder bei den Kontrollposten: Località Cabanaira (Comune di Limone Piemonte) und Le Navette (an der Kreuzung mit Upega - Comune di Briga Alta) bzw. durch Überweisung an eines der folgenden Bankkonten:
  • Beneficiario Comune di Limone Piemonte
    IBAN IT 46 W 06906 46410 000000015818
  • oder
  • Beneficiario Comune di Briga Alta
    IBAN IT 86 O 08450 46100 000000831449
  • Zur Saison auch online
  • ‚Öffnungszeiten‘ Grenzkamm: Anfang Juli bis 15. September. Die Kontrollposten sind zwischen 8 bis 20 Uhr besetzt. Letzter 'Einlass' ist gegen 18 Uhr, ab Mitte September um 16 Uhr. Davor/ danach sind die Schranken geschlossen. Das Ticket wird meist auch bei der Ausfahrt kontrolliert. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 20 km/h begrenzt, eine Übernachtung ist genaugenommen nur am Rifugio Don Barbera gestattet.

 

Historie der Reglementierung

2017: Vorverlegung des südlichen Kontrollpostens
2016: Montags und dienstags gesperrt für Motorfahrzeuge
2015: nur Montag gesperrt für Motorfahrzeuge.
2014: Reglementierung auf 140 Autos // 80 Motorräder oder Quads

 

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Kommentar von Peter Fischer | 11.01.2017

Hallo!
Bei einer Tour auf der ligurischen Grenzkammstraße im Dezember ist mir
einiges aufgefallen was für Eure Leser interessant sein könnte:

Nach schweren Unwettern ist die Abfahrt vom Monte Saccarello in Richtung
Monesi di Triora/ Colle di Nava unterbrochen. Die Strasse am Skilift von
Monesi ist abgebrochen (siehe Foto) in einer Spitzkehre geht es auf einmal 3
Meter abwärts!!

 

 

Monesi di Triora ist evakuiert da es keine Wasser und Stromversorgung gibt.
Weiterhin ist die Strasse SP 1 unterbrochen. Am Ortseingang von Monesi ist eine Straßensperre der Polizei.

Weiterhin ist die Strasse SP 2 von San Bernardo di Mendatica in Richtung Colle Carezzo auf einer Länge von 50 Metern abgebrochen. Kein Durchkommen mit leichten Enduros, außerdem Straßensperre gleich nach San Bernardo.

Die Nordseite des Monte Saccarello, französisches Gebiet, ist ebenfalls von einem Erdrutsch betroffen. Mit leichten Enduros ok.

Die Reparatur wird sicherlich einige Monate, oder Jahre (wir sind in Italien), in Anspruch nehmen.

Reiseendurofahrer die in 2017 die ligurische Grenzkammstraße befahren wollen, werden vermutlich in Richtung Upega fahren müssen um weiter nach Süden in Richtung Colle de Melosa / Pigna zu gelangen.

Viele Grüße

Peter | peocito.jimdo.com

Letzte Änderung: 01.01.1970
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