Rimango – »Seien wir realistisch und tun wir das Unmögliche.«

Warum leben Menschen heute ganz bewusst in diesem abgelegenen und schwer erreichbaren Gebirgstal, wo sie doch in der Stadt einfacher und leichter leben könnten?

 

Die Antworten liefert der Fotograf Jörg Waste mit seinen eindrücklichen Schwarz-Weiß Fotografien. Er liefert quasi ein Update auf Michele Pellegrinos Fotografien, die die öffentliche Wahrnehmung des Piemonts in den 1970-1990er-Jahren stark prägten.

 

Thema des Buches ist das neu entdeckte Selbstbewusstsein der Talbewohner, die das Leben in dem ehemals stark entvölkerten Mairatal aktiv anpackt und sich gegenüber der Stadt nicht mehr minderwertig fühlt. So machen die Impressionen aus dem zweisprachigen Buch in Wort und Bild anschaulich deutlich, wie kurz es greift, unsere moderne Welt ausschließlich aus der Sicht der Großstädte und Metropolen zu sehen.

 

»Ziegen auf der Weide, Hunde, Kinder, Hunger nach frischem Grün im Frühjahr ... Weiden zwischen den Felsen, neben Thymian und Lavendel. Sommer heißt Arbeit, immer nur Arbeit! Rotes und gelbes Laub, Kastanien im Herbst, im Winter ein Feuer im Holzofen des Hauses und das schwarze Pferd draußen im Schnee. Nachts sind die Sterne ganz nah ... Wir bleiben, um den Berg nicht den Wölfen zu überlassen, weder denen mit zwei noch denen mit vier Pfoten.« Jors del Puy aus San Damiano Macra


Unter schönen Momenten wird im Buch auch Kritik abgebildet. Die Ursachen der Landflucht liegen in den Piemonteschischen Tälern auch in sich selbst begründet: Es fehlt an Bergschulen, die ‚Hände genauso wertschätzen wie das Gehirn‘, die nicht ausschließlich auf Themen verweisen, die mit den Lebenswelten der Städte zu tun haben.

 

Bergbewohner sind keine Alpinisten

Autor Giorgio Alifredi erklärt uns auch den Unterschied zwischen denen die Bleiben und denen die für den Urlaub kommen. Für die Bergbewohner sind die einsamen und nicht immer nur wirtlichen Täler der Westalpen ein Zuhause, ein ‚Lebensgefährte‘, wie er schreibt. Wenn unzählige Naturfreunde und Freizeitsportler kommen um die Berge und die unberührte Natur des Mairatals als ’faszinierende Begleitung des Wochenendes‘ erleben Wildnis, müssen sich deren Bewohner auch mal durchschlagen und die ‚dunklen Seiten‘, die oft verborgen bleiben erleben. Doch das Leben auch dort muss sich transformieren, ohne an Charakteristischem zu verlieren. Kinder die zu Wort kommen schätzen die Ruhe, die Natur und die darin liegenden Möglichkeiten, loben aber auch Freiwilligenprojekte wie WWOOF, die Leben, Austausch und Erfahrungen in die Berge bringen.

 

Sommer heißt Arbeit
Das Maira-Tal in den Cottischen Alpen zählt zu den Tälern der Südwestalpen, die in den vergangenen 120 Jahren mehr als 80 Prozent ihrer Bevölkerung verloren haben. Doch dieses Tal ist anders: Bereits in den 1970er-Jahren ließen sich hier die ersten Rückkehrer aus der Stadt nieder, und diese Neueinwanderung versiegt - im Gegensatz zu anderen Tälern - bis heute nicht.

 

Ein lesenswertes, zweisprachiges Bilderbuch, aufgeblättert als authentischer Bilderbogen und von Kennern geschrieben und illustriert.

Letzte Änderung: 01.01.1970
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