Vollformat für die Reise: EOS 6d + Speedlite 320EX

Canon hat seine Spiegelreflexkamera-Reihe (DSLR) nach der Göttin des Lichts und der Morgenröte benannt, eine banalere technische Deutung findet man hier. Unsere erste Vollformat Kamera im Test begeistert durch die Möglichkeit auch bei Dunkelheit ohne Blitz zu fotografieren. Das macht sie für Reportagen und und unverfälschte Stimmungsbilder interessant.


Die Canon 6d zirkelt in eine bisher offen gelassene Lücke: Sie ist eine günstige Vollformat-Kamera mit einigen Features der Consumer- und der Professionellen Baureihe. Für rund 1630 EUR gibt es sogar WiFi und GPS dazu.

 

Zwei Monate gingen wir mit der relativ neuen Canon EOS 6d auf Motorradreise und haben sie auf Herz und Nieren getestet. Für uns überraschendste Ergebnisse sind die sehr hohe Lichtempfindlichkeit und die Robustheit der Kamera. Weder Vibrationen noch ein Schauer konnten ihr etwas anhaben, dafür kann man bei fast völliger Dunkelheit noch verwertbare Bilder abliefern. Unter 2000 EUR ist man da mit einem halbwegs brauchbaren Objektiv nicht unterwegs, weswegen man auf die 6d gut aufpassen sollte. Mit ihrem nur 755g schwerem Gehäuse (+ Objektivgewicht) hat man nun fast alle Möglichkeiten der Profis, einfach bessere, ambitionierte Fotos machen zu können. Bei einer Auflösung von 20,2 Mp können mit den Bildern später riesen Postergrößen realisiert werden oder eben eine Reisereportage in einem Magazin bestritten werden. Vorausgesetzt, man nutzt die vielen Möglichkeiten der EOS 6d.

 

Handling & Bedienung

Für uns ein Hauptkriterium: neben technischen Daten zählt das, was man aus einer DSLR herausholen kann und wie unkompliziert das von der Hand geht. Canon war seinerzeit Trendsetter bei ergonomisch ausgeklügelten digitalen Spiegelreflexkameras. Auch heute sitzen Direkt-Bedienungselemente, wo man sie intuitiv vermutet. Letzte Änderungen sind ein neue Bildvergrößerungslogik und ein relativ leichtes Gehäuse. Anstelle der bisher üblichen CF Card steckt nun eine schnelle SD Karte, sonst ist alles an gewohnter Stelle. Sensorreinigung und Bildstabilisierung (über das Objektiv) sind bei Canon DSLRs Standard, wer eine bestimmte Menge an hochwertigen Zubehör besitzt, kann sich bei CPS anmelden und bekommt dadurch jährlich eine Kamera Wartung gratis. Die EOS 6d liegt gut und sicher in der Hand (je nach Objektiv) und passt samt Kameratasche in die meisten Tankrucksäcke.

Vergleich der Konkurenten

 

Nikon D610

Nikon D800/D810

Canon 6D

Auflösung

24

36

20,2

Anzahl AF-Felder

39

51

11

Motivprogramme

19

nein

2

WiFi

nein

Zubehör

Ja, Fernsteuerungs-App

GPS

Zubehör

Zubehör

ja

Eingebauter Blitz

Ja, LZ 12

Ja, LZ 12

Nein

Krit. ISO Wert

6400

6400

12800

Kartenspeicher

2x SD

SD/CompactFlash

SD Karte

Serienbildrate

5

4, 6 mit Batt-Griff

4

Straßenpreis [8/2014]

1500 €

2200 €/3000 €

1450 €

 

Fotografieren & Bildqualität

 

Das Programmwahlrad lässt sich nun nur noch drehen, wenn ein zentraler Knopf gedrückt wird, das erspart böse Überraschungen. Im Statusdisplay wird neuerdings nicht mehr die eingestellte Bildgröße angezeigt, was für Hobby-Fotografen ein kleiner Verlust ist. Um die Kamera preislich zwischen EOS 7d und 5d Mark II/III zu platzieren, bekam sie zwar den Vollformatsensor der großen Schwester, leider aber nicht deren Autofokus-System. Hier muss man mit immerhin einen 11 Punkte AF (inkl. einem Kreuzsensor) vorlieb nehmen, der durch den Wegfall des Jogdial nun über das Daumenwahlrad bedient wird. Ein kleiner Nachteil gegenüber der 7d, wie wir findet. Im Vergleich zu APS-C Sensorgrößebekommt beim Vollformat die akkurate Scharfstellung eine größere Bedeutung, weil in Abhängigkeit von der Objektiv-Lichtstärke mit einer geringeren Tiefenschärfe gearbeitet werden kann.

 

Ihr Geld wert ist die EOS 6d in jedem Fall, was ihre available light Qualitäten angeht. War bei der 7d 3200 ISO meist grenzwertig, entstehen mit der 6d bei 4-fach höherer Empfindlichkeit (12800 ISO) noch durchaus verwertbare Bilder. Vor allem das Bildrauschen und chromatische Aberrationen halten sich unter extremen Bedingungen im vertretbaren Rahmen. Testbilder folgen.


Bilder, die mit so einer Kamera gelingen sind Abendstimmungen, auch ohne Stativ, kurze Verschlusszeiten bei vorbeifahrenden Motorrädern, auch bei schlechten Bedingungen oder Bilder am Lagerfeuer.

 

Motivprogramme gelten für Profis als verpönt, doch was tun, wenn ein Schnappschuss sich anbahnt? Bei einer Kompakten sieht das so aus: Cam herauskramen, ggf. Objektivdeckel entfernen, Startknopf drücken und warten – warten, bis das Objektiv ausgefahren ist, Programmwahlrad bedienen, versuchen auf dem Display den Bildausschnitt festzulegen … um dann festzustellen, dass der Augenblick längst vorüber ist.

 

Bei einer Canon EOS ist die Anschaltzeit hingegen gleich Null, das Objektiv ist fest installiert, nur die Cam wiegt etwas mehr. Jetzt kommen wir an den Punkt mit den Motivprogrammen bzw. einer Schnappschuss-Einstellung: die bietet die EOS 6d schon, andere professionelle Kameras eben nicht. Außerdem haben die meisten EOS digital-Cam‘s 2-bis 3 selbstkonfigurierbare ‚C‘ wie Custom-Speicherplätze, die Motivprogramme zumindest teilweise ersetzen. Sonst beginnt auch bei ihnen das ‚Gefummel‘ mit den genauen Einstellungen. Das mag im Studio gute Ergebnisse liefern, bei nicht wiederkehrenden Momenten aber auch mal ärgerlich sein. Die EOS 6d hat hingegen 2 Custom-Speicher und zumindest die Motivprogramme HDR, Mehrfachbelichtung und ohne Stativ bei Dunkelheit. Auch ein GPS ist neuerdings an Bord, das Bilder mit einem Geotag versieht. Diese Funktion ist wie die WiFi-Remote Funktion allerdings etwas Energie-intensiv. Zwei Versionen der 6d sind auf dem Markt, die N-Version ist ohne den GPS-Logger und WiFi, die ‚WG‘ mit.

 

Ein Segen für die Outdoorfotografie ist das EOS Remote, das von Android- und iPhones (der neueren Generation) eine Fernsteuerung der Kamera ermöglicht. Nach der etwas fummeligen Einrichtung funktioniert die Steuerung sogar mit live Capture zuverlässig.

 

In Kombination mit dem EOS Speedlite 320EX,einem aktuellen Systemblitz mit Videoleuchte hat man ein adäquates Paket für die Motorrad Abenteuerreise parat. Der Blitz leuchtet die allermeisten Situationen im Nahbereich sehr gut aus und gefällt auch durch seine gleichmäßig scheinende LED Leuchte. Der 320EX kann mittels eines Auslösers auch die Kamera bedienen, wenn dort unter Drive diese Funktion aktiviert ist. Leider löst dann der Blitz nicht aus, wie er es zum Beispiel bei der 7d machen würde.

 

Plus

  • Leichtes Handling
  • sehr gute Bildqualität, verwertbare Aufnahmen bis 12800 ISO
  • sinnvolleMotivprogramme trotz prof. Anspruch:
     Ohne Stativ bei Dunkelheit: 4 Bilder werden zusammengerechnet; Mehrfachbelichtungen, HDR
  • Staub- und Wasserschutz (kein IPX aber wie EOS-1N, Staub, Feuchtigkeit)
  • arretiertes Programmwahlrad
  • GPS und WLAN

 

Minus

  • Relativ langsame Bildfolge 3 im Leise-, 4,5 im Normalmodus
  • keine drahtlose Blitzsteuerung, wie EOS 7d, kein eingebauter Blitz
  • HDR, Mehrfachbelichtungen und Portrait bei Dunkelheit nur bei relativ langsamer Bildfrequenz von 4,5 Frames /S. (Stativ)
  • Bildgröße (L,M, RAW) wird im Statusdisplay nicht mehr angezeigt
  • EOS Remote funktioniert nur mit aktuellen Android Versionen (ab 2.3.3) oder iOS 5.0
  • Umständlichere Autofokusfeld Wahl als Vorgängermodelle (kein Jogdial), vergleichsweise wenig Komfort beim Scharfstellen, z.B. kein Hybrid-CMOS mit dualem AF-System
  • Verständlicherweise erhöhter Akkuverbrauch bei GPS und WiFi Nutzung


Preis: 1650 € (ohne Objektiv)

 

Zubehör Test: Speedlite 320EX  

 

Dieses Speedlite ist ein aktueller Blitz für kurze und mittlere Reichweiten und hat (derzeit) wegen der Blitzsteuerung von externen Blitzen eine etwas bessere Kompatibilität zur EOS 7d, als zur 6d. Neben einer 75 Lux LED-Videoleuchte (bei 4.500 - 6.500 K) befindet sich an seiner Seite ein Fernauslöserknopf, mit dem zahlreiche Modelle der EOS Reihe bis etwa zu einer Entfernung von 9 Metern vor der Kamera fern ausgelöst werden können. Vorher muss man die Drahtlosfunktion der Kamera aktivieren (Drive, Timer/Fernauslöser). In 2,3 Sekunden ist der Blitz meist startklar, Blitzserien gelingen, wenn man die entsprechenden Einstellungen trifft. Bei zu langer Blitzfolge ist auch der 320EX (oder die Kamera) irgendwann mal K.O.

Um diese kabellose Fernauslösefunktion zu nutzen, muss man sich zwingend vor der Kamera aufhalten - wir konnten dann in Innenräumen rund 9m Distanz nutzen. Danach wird es mit der Leitzahl 32 auch etwas knapp. Werksseitig ist nach Druck des Auslösers am Blitz aber immer eine 2-sekündige Verzögerung bis zur Auslösung eingestellt.

Wir erzielten mit dem 320EX ähnlich gute Ergebnisse, wie mit dem 430EXII, der eine höhere Leitzahl und ein Statusdisplay besitzt. Auf eine Batterieanzeige wird bei beiden Modellen seltsamerweise verzichtet.

 

Letzte Änderung: 04.02.2017
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