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Lokale Testumgebung
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Franken & Rhön, ein Wintermärchen

Eine kleine Winter-Testfahrt führte von Hannover/Hildesheim, damals noch mit dem DB Autozug, nach München und von dort aus wieder zurück über Ober- und Unterfranken und Rhön nach Hannover. Beladen mit ein paar Testutensilien ging es bei bis zu -5°C über Stock und Stein (und Schnee und Eis) zu einem Winter-Motorradtreffen und dann über die Autobahn zurück nach Hannover.


Freitag Mitternacht: Mit der CCM 404 stehe ich beladen am Terminal des Autozugs und beobachte, wie keine 40 km vom Basecamp entfernt, Benzintropfen auf dem heißen Krümmer des Motorrads tropfen. Der freundliche DB-Mitarbeiter hilft mit Klebeband aus und ich lege einen provisorischen Verband an.

Stunden später komme ich entspannt in München Ost an: Die Temperaturen sind passabel und auf der Autobahnfahrt Richtung München sind nur Schneereste und Nebel zu sehen. Getestet wird der neue Scottoiler (eSystem), ein Holux Track-Logger, ein Paar Daytona Trans Open Stiefel und Held & Ziener Winterhandschuhe. Das Cockpit der CCM sieht etwas rallyemäßig aus: Nicht genug, dass die Originalinstrumente schon wie eine Quarzuhr aus den 1970er Jahren aussehen, am Lenker kleben nun auch noch ein GPS, die Anzeige des Scottoilers und eben der GPS-Track-Logger – futuristisch und etwas overdressed!

Blauer Himmel, extrem cooles Wetter bei -5°C


Alles funktioniert jedenfalls sehr gut und mittlerweile habe ich auch die Bedienung des Scottoilers heraus. Man kann nämlich unterwegs die Tropfmenge steuern. Der Datenlogger verrichtet unauffällig seine Arbeit, zeigt brav die Geschwindigkeit und Höhe an und wie ich später sehen werde, ist auch der Track perfekt geschrieben. Konzentriere ich mich doch auf das Wesentliche: Das Motorradfahren!

Ich biege auf Nebenstraßen ab (endlich!) die Schneemassen nehmen zu und die Temperatur fällt ab. Das kleine Motorrad rollt auf Metzeler Karoo und so komme ich auch ganz gut über die festgefahrene Schneedecke. Der Gepäcksack (Ortlieb) ist mit Rok-Straps von Touratech befestigt. Eigentlich war ich da immer skeptisch, aber nun schlägt die Skepsis in Begeisterung um: Die (teuren) Spanngurte sind eine Kombination aus Gummi, Gurtband und Fastex-Schnellverschluss-Schnallen und die geben eine optimale Befestigung ab. Die Schnallen gehen nicht von alleine auf und das Gummiband sorgt dafür, dass sich das Gepäck quasi von selbst nachspannt, wenn mal was verrutscht.

Gegen die Kälte an den Fingern helfen die Ziener Skihandschuhe, die mit einem eingebauten Fäustlingsüberzug noch eine Nummer wärmer gestellt werden können.

Inzwischen bin ich in Pottenstein und im Wiesenttal angekommen und muss durch die Bärental-Schlucht hinauf zum Treffensplatz. A…kalt hier, überall hängen Eiszapfen aber ich bin trotz 220 km noch nicht durch gefroren. Dann das wärmende Lagerfeuer, Freunde – alles ist in Ordnung.

 

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Abreise ist nach einer Nacht im Zelt am folgenden Tag. Die Überraschung des Tages sind morgendliche Tiefsttemperaturen unter dem Nullpunkt aber ein strahlend blauer Himmel. Ich fahre durch den Naturpark Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst, immer an der Wiesent entlang, durch das malerische Tüchersfeld mit seinen Felstürmen (wie in der Sächsischen Schweiz!) und dann hinauf nach Gößweinstein. Bamberg lasse ich leider links liegen, denn der Zwischenstopp soll die fränkische Rhön sein – zum Skifahren. Und dafür ist das Wetter heute optimal! Inzwischen habe ich zu den Held Freezer-Handschuhen gewechselt, die es auch ohne Fäustlinge auf eine wahre Eskimo-Höchstleistung bringen. Die Sonne entschädigt und so ist auch später das Skilaufen am Kreuzberg ein wahres Vergnügen.

Unterwegs ohne Heizgriffe bei stattlichen Minustemperaturen, brr!

Am Montag dann die Horrornachricht: Draußen sind es minus 6°C! Und mir steht noch die längste Etappe bevor und das ohne Heizgriffe. Ich ziehe alles an was ich habe, mache mir warme Gedanken und dann geht es los über die Bundesstraße bis zur Autobahn. Nach 150 Km Zwangspause: die Ausrüstung ist perfekt, aber mir ist einfach Sau kalt. Die Etappen werden kürzer, sind nur noch 100 kam lang, doch dann komme ich wieder an den Redaktionsräumen an und bin froh, dass ich mir an Ausrüstung das Richtige herausgesucht habe. Vielen Dank auch dem DB Autozug, ohne den wäre die Fahrt durch den winterlichen Kühlschrank Deutschland um einiges länger geworden.

Letzte Änderung: 20.07.2018