Im Test: Salewa Sierra Leone 2 und Schlafsack Diadem Pro 600

Outdoor-Klassiker im Test: Mit Sack und Pack

Von Salewa war mein erster Schlafsack. Damals hatte ich keine Ahnung, was man so kaufen sollte. Salewa „Iceland“ hieß er und gefüllt war er mit Holofill. Als Motorradfahrer war das damals erste Wahl, zu einer Zeit, in der man nie wusste, ob man trocken ans Ziel kommt. Mittlerweile ist die Ausrüstung besser geworden und eine qualitativ hochwertige Daunenfüllung ist vom Schlafkomfort von Holofill (oder ähnlichen Dupont-Produkten) nicht mehr zu toppen.

Auch die Sierra Leone-Zelte von Salewa haben sich in diesem Test als sehr motorradtauglich erwiesen.
Es war auch Salewa, die in den 1970er-Jahren ein Iglu-Zelt namens ‚Sierra Leone‘ auf den Markt brachten, das bis heute anderen Kuppelzelten Pate steht. Hierzu einige Details zur Firmen- und Produktentwicklung.

Im Juli 1935 lässt der Münchener Josef Liebhart die »Salewa Lederwarenfabrik GmbH« im Handelsregister eintragen. Zuvor stand Liebhart der »Salewa Einkaufsgenossenschaft für Sattler und Tapezierer« vor. Deren Arbeiter, die SAttler- (SA) und LEderWAren (LEWA) herstellten, hatten während des 1. Weltkriegs Gurtzeug für Zugpferde sowie Tornister und Patronentaschen zu liefern. Heute, über 70 Jahre später, zählt der Mitarbeiterkreis 650 Personen. Produziert werden hochwertige Bergsport- und Camping-Artikel. Die Herstellungsstätten liegen in Rumänien und Fernost.

Entwicklungsgeschichte der Sierra Leone Kuppelzelte

Bis 1955 gab es bei Zelten ausschließlich Konstruktionen die auf geraden Stangen basierten. Die klassische „Hundehütten-Form“ war angesagt oder das Tipi-Rundboden Zelt.
Der Amerikaner Bill Moss benutzte erstmalig 1955 eine gebogene Aluminiumstange zum Zeltbau, spannte eine Zeltplane darüber und so entstand das erste Rundbogenzelt. 1974 entwickelte der Outdoor-Ausstatter ‚The North Face’ zusammen mit R. Buckminster Fuller die erste komplexe geodätische Zeltstangenanordnung. Der Expeditions-Klassiker, das „VE 24“ (damals noch ohne Apside) war geboren. (Bei geodätischen Zeltgestängen kommen mindestens 4 Bögen zum Einsatz die sich an mehreren Stellen kreuzen. Es entsteht eine optimale Halbkugelform, die schwere Lasten (Wind, Schnee) aushält.)
1977 brachte Salewa den Vorläufer des Sierra Leone auf den Markt, das Sierra, ohne Apside, aber das erste aus zwei Bögen geformte Kuppelzelt. Seit 1983 gibt es das Sierra Leone in seiner jetzigen Form, zwei Hauptbögen, eine Firststange, zwei Apsiden.

Seit 1986 werden die Nähte abgeklebt, bis dahin mussten sie von Hand mit Nahtdichter abgedichtet werden. 1989 wurden Clips eingeführt, die das Innenzelt mit dem Gestänge verbinden. Vorher wurden Klettstreifen verarbeitet. Das Sierra Leone wurde von 1983 bis heute einigen Modifizierungen unterzogen: Das alte Sierra Leone war ca. 15% kleiner, die Wassersäule war nur etwa halb so hoch wie heute, statt der PU-Beschichtung war das Zelt mit Aluminium bedampft. Sein Preis 1983: 598 DM, Der Preis heute: 299 Euro. Das Gewicht stieg von 3 auf 3,8 kg. Die Gründe liegen in der Größe, an der besseren Beschichtung und am größeren Gestängedurchmesser.
Die letzte Entwicklungsstufe bei Salewa-Zelten (2004-2006) sind verklebte statt genähte Zelte und Zelte mit Solarenergie-System für die Eigenbeleuchtung.

Test: Sierra Leone 2

Äußerste Stabilität, Komfort durch zwei Eingänge, Apsiden und verschließbare Lüfter, dazu ein Material mit hoher Reißfestigkeit und Wassersäule. Auch beim großzügig dimensionierten Gestänge wurde hochfestes T9 Aluminium verwendet. Für das Gewicht geht bekommt man so eine Heavy duty Gegenleistung. Mitgeliefert werden Zelthimmeltasche und eloxierte Aluminiumheringe. Der Zelt & Zeltsack sind komprimierbar, was Platz spart.

Der Zelt-Aufbau ist denkbar einfach und geht auch alleine im Nu von statten; Footprint auslegen, Innenzelt ausrollen, Kreuzgestänge einlochen, Klipps einhängen und das Außenzelt überwerfen, dann abspannen. Beim Sierra Leone 2 ist das komplette Gestänge mit einem Gelenkkreuz verbunden, so dass man selbst mit den 3 Stangen nichts falsch machen kann. Das Sierra Leone ist der optimale Motorradbegleiter, für Touren, bei denen auch mal mit starkem Wind und Wetter gerechnet werden muss. Auch nach 2 Jahren ist das Zelt noch gut in Schuss.

Test: Sierra Leone Ultra

Das Sierra Leone Ultra ist eine nur geringfügig kleinere, aber wesentliche leichtere Kopie des großen Bruders Sierra Leone 2. Wer's trägt wird den Gewichtsunterschied zu schätzen wissen. 2,8 Kilo leicht & extrem regenfest bietet es genug Platz für zwei Personen mit Wandergepäck. Im Vergleich zum ‚großen’ Sierra Leone sind die zwei Eingänge und zwei Lüfter geblieben, an Höhe und die Grundfläche hat es geringfügig eingebüßt. Alle Materialien sind hochwertig verarbeitet, das Gestänge ist von hoher Stabilität und Qualität. Es ist bestens geeignet für die Motorradtour bei der man öfter den Ort wechselt oder wenn man seine Behausung unterwegs auch mal für einen Wandertrip benutzen möchte.

Test: Diadem Pro 600

Last but not least komme ich noch einmal auf den kuscheligen Daunenschlafsack Diadem Pro 600 zu sprechen. Er ist komfortabel zwischen + 10 bis - 6°C und dabei nicht einmal sonderlich Feuchtigkeits-empfindlich. Dank des wasserdichten und atmungsaktiven Powertex-Außenmaterials ist er auch für Treckingtouren mit Übernachtungen unter freiem Himmel konzipiert. Robustes Ripstop-Nylon und eine Füllung mit 600 Gramm hochwertiger 90/10 Gänsedaune, berücksichtigt sogar konstruktiv das menschliche Kälteempfinden: an empfindlichen Körperstellen wurden mehr Daunen in die V-Kammern gefüllt. Ein Thermokragen, der sich selbständig um den Hals schließt und eine dicke doppelte Abdeckleiste sorgen dafür, dass es bei richtiger Kälte auch richtig warm bleibt und das der Reißverschluss nicht verklemmt. Der Diadem Pro 600 ist deswegen besten für den 3 Jahreszeiten-Einsatz konzipiert, vom Packmaß gut komprimierbar und relativ unempfindlich auf der Motorradtour.
Markus Golletz

Preise & Infos

Salewa Sierra Leone 2
Innenzelt: 155 x 235 x 108 cm (L x B x H), Gewicht max.: 3,74 kg Gewicht min: 3,32 kg, 14 Heringe, hochwertiges 10,2 mm Gestänge, Außenzelt Poyester PU, Innenzelt Nylon, Preis: 299,95 EUR


Salewa Sierra Leone Ultra

Innenzelt: 145 x 220 x 100 cm (L x B x H), Gewicht ohne Footprint max. : 2,88 kg, Gewicht min (kg): 2,58, 12 Heringe, 8,5 mm, Gestänge aus 7001 T6 Aluminium, Preis: 369.– EUR
Inzwischen ist ein neues Sierra Leone Ultra erhältlich. Es ist geringfügig schwerer und hat einen anderen Eingang mit größeren Apsis bekommen. Preise liegen bei 400 EUR.


Salewa Schlafsack Diadem Pro
Mumienschnitt, V-Kammern, Füllung: 600 g 90/10 Gänsedaune, 700 cuin Fillpower, Materialien: Außen Ripstop-Nylon mit Powertex – Lamination, innen Polyester, Mit RV rechts oder links erhältlich, empfehlenswert bis 2 m Körpergröße, Preis: UVP 299.– EUR





Letzte Änderung: 01.01.1970
LETZTE NEWS   Alle News als RSS-Feed

21.05.2019 09:48

Garmin Overlander

Ein neuer Garmin, nicht nur für 4x4. Ein 'All-Terrain-Navi'

Weiterlesen …

08.05.2019 22:22

Bremskraft­verbesserer

Wie man Endurobremsen nachhaltig verbessern kann.

Weiterlesen …

06.05.2019 13:48

Mofessor Kettenöler von Berotec

Ein bezahlbarer Kettenöler made in Ba-Wü.

Weiterlesen …

23.04.2019 23:06

Kulturelle Landpartie 2019 | Wendland Elbe

Kulturelle Landpartie 2019 im Wendland: Lohnenswerte Motorradrunde und Gorleben Tag.

Weiterlesen …

16.04.2019 09:28

Nordisk & MSR Leichtgewichte

Stabile Zweierzelte für die 2019er Saison.

Weiterlesen …