Sachbericht Starkregen-Ereignisse im Royatal und an der Ahr

Ahrtal, September 2021
Ahrtal, September 2021

 

D as Projekt ist weitestgehend abgeschlossen. Die Bearbeitung und besonders die Präsentation in Corona-Zeiten war dennoch schwieriger als gedacht. Besonder im Royatal fehlte es an Zeit und Übersetzungskompetenz. Was mir leider nicht gelang, ist eine Vernetzung der Betroffenen und der aktiven in beiden Regionen. Vielleicht gelingt mir das aber noch punktuell.
 

Die Projektziele konnte ich bei der Durchführung ganz gut konkretisieren (siehe Webseite neustart.motorradreisefuehrer.de). Im Zentrum stehen die narrativen Interviews und die mediale Aufarbeitung der Geschehnisse in den beiden Regionen.

 

Im Zeitraum von September 2021 bis Ende Dezember habe ich zwei Reisen in die Katastrophengebiete unternehmen können. Ziele waren das Royatal und die benachbarten ligurischen Gebiete sowie der Aufenthalt im Ahrtal. Als Vergleich dienten zahlreiche und regelmäßige, aber zeitlich zurückliegende Aufenthalte in die Regionen des französischen und italienischen Royatals. 

Für die Bearbeitung, Entwicklung und Ausarbeitung der bilateralen Webseite werde ich noch etwas Zeit benötigen. Ursachen dafür sind die Corona bedingten Einschränkungen, die auch dieses Neustart Kultur Projekt in seiner Endphase im Dezember 2021 einschränken, bzw. Publikation und Publikum erschweren. Ich hoffe, dass sich zum Projekt noch weitere Verwertungsmöglichkeiten für die journalistisch-bildorientierte Bearbeitung eröffnen.

 

 

Zu den Seealpen um das Royatal liegen auch zurückligende Erfahrungen vor, so dass ich einen guten Vorher-Nachher Vergleich machen konnte.

 

Tatsächlich gehen die Bauarbeiten im Royatal nun schneller voran, auch schneller als in den betroffenen ligurischen Tälern. Im Vergleich zu Juni 2021 waren im Oktober im Royatal schon einige Brücken kurz vor der Fertigstellung, die Tourismussaison brachte gute Umsätze an der Küste des Departments, doch in das Royatal trauen sich noch nicht so viele Menschen. Der Weg dorthin ist mühselig und war bis in den Sommer noch mit Restriktionen (Konvoi fahren, Anreise nur über Sospel, Einbahnregelungen und Corona-Auflagen, PCR-Tests) verbunden und deswegen für viele normalen Touristen eher unattraktiv.

 


Video Ahr

 

Ein geplantes Interview mit Cèdric Herrou kam nicht zustande. Ich habe ihn zwar am Camp Saorgin bei Breil-sur-Roya getroffen, doch ergab sich wegen seiner bevorstehenden Buchvorstellung kein Interviewtermin, so dass ich mir anders und zwar mit einem zuvor von Brut.Media.fr geführten Interview und dessen Übersetzung behelfen musste. Durch Emmaüs Roya bin ich aber in der Lage, meine Interview Fragen größtenteils durch schon bestehendes, öffentliches Material zu beantworten.

 

Zur Zeit (im neuen Jahr 2022) ist die Situation an der Ahr immer noch angespannt, Bauarbeiten und Bautrocknungen laufen auf Hochtouren. Wird es gelingen, genügend Übergangsunterkünfte bereitzustellen (Mobile Homes gibt es an mehreren Stelen) und dann auch den Winter zu überstehen, wo witterungsbedingt viele Bauarbeiten zum Erliegen komme? Wird es Auskommen, Bleibe oder Unterstüzungsmöglichkeiten für diejenigen geben, die vieles verloren haben? Umzüge und Abwanderungen werden befürchtet, für die Politik bleibt der Wiederaufbau ein Rennen gegen die Zeit. Oft spielen hier Abwägungen zwischen Umweltverträglichkeit und Prävention eine Rolle.

 

Bisher lässt sich feststellen, dass es wenig direkte Konsequenzen aus dem Erlebten in den Flutgebieten gibt. Die befragten Personen waren bis auf Weiteres mit Ihrer Zukunft und der Regulierung der Schäden beschäftigt. Das ist zunächst einmal nachvollziehbar. Von den doch zufällig vom Starkregen Betroffenen ist nicht zwangsläufig die stärksten Reaktionen in Bezug auf die Klimakrise zu erwarten: Es geht vielen nun um eine Bleibe, den Wiederaufbau und einen neuen Anfang, der in den meisten Fällen nicht unbedingt bescheidener, aber zeitgemäßer, modern und klimaverträglicher vonstattengehen soll. Nach den Konsequenzen für ein klimarelevanteres Handeln habe ich bisher nur Jürgen Küppers und den Campingplatzbesitzer der 'Burgwiese' Mayschoß, Guido Kurzbach, fragen können, die diese Einschätzungen weitgehend teilen. In Italien und Frankreich waren eher andere Ziele primär. In Italien, ob es überhaupt eine relevante staatliche Hilfe gibt und wann die Schäden an der Infrastruktur repariert werden können. Im französischen Teil des Royatals ging vieles schneller, ein Ergebnis das noch weiter untersucht werden müsste. Bezüglich Flucht und Migration und ob es ein verändertes Verkehrskonzept im Royatal geben könnte, besteht ebenso noch Forschungsbedarf.

 

Als nicht zielführend und als keine wirkliche Problembekämpfung erachte ich die die Diskussion um eine gesetzlich vorgeschriebene ‚Elementarversicherung‘. Wichtiger wären die Professionalisierung einer Alarmkette, Umweltverträglichkeitsprüfungen auf modernem Standard, sowie ein bedachter Umgang mit Neubauflächen und weiterer Versiegelung sind besonders im Ahrtal. Im Royatal kann ich solche Überlegungen nicht anstellen, dort kamen zwar weniger Menschen ums Leben, die Schäden an Infrastruktur und Häusern waren hingegen immens.

 


Video Roya

 

Um trotz steigendem Besiedlungsdruck die Klimakrise in den Griff zu bekommen, müssen sich die Einstellungen zu vielen Statussymbolen gesamtgesellschaftlich ändern. Weniger Flächenverbrauch durch Einfamilienhäuser auf der grünen Wiese, wie in NRW, Abschied vom ewigen Wachstum, vom überdimensionierten Alltagsfahrzeug, stattdessen mehr Solidarität und Nachbarschaft sind in den Seealpen wie im Ahrtal von wichtiger Bedeutung. Eine Politik- und Mentalitätswende ist dafür von Nöten. Die erste Beobachtung zeigen, das von Flut betroffene alles tun, um wieder ansatzweise dorthin zu kommen, wo sie einmal waren. Die Rahmenbedingung dafür liefert der Gesetzgeber weswegen die Bekämpfung oder das Arrangement mit den Folgen der Klimakrise zum einen in dem Lebensstil des Einzelnen und zu einem großen Teil in den anzupassenden gesetzlichen Rahmenbedingungen liegt.

 

Der Präsentationstermin war der 15.12. (im Medienhaus Hannover) und lag damit gut 2 Wochen vor Projektende. Es gab eine 1,5 stündige Projektvorstellung samt Bilder-Vernissage (15- 20 Bilder). Dazu ausgewählte Ton- und Videodokumente, die demnächst online gehen. Die Ergebnisse und weitere Informationen zur Vertiefung werden über die Webseite Neustart_Flut zur Verfügung gestellt.
Als weitere Veröffentlichung wird es eine Radiosendung auf dem Internetsender Radio Linden geben, außerdem wird noch ein Kurzinterview auf Hannovers Lokalsender H1 zustande kommen.

 

Stand: Januar 2022

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Letzte Änderung: 05.01.2022