25.10.2021 von Markus Golletz | Royatal, Text

Cédric Herrou

Céderic Herou | Change ton monde
Céderic Herou | Change ton monde

 

Menschenwürde: Ändere DEINE Welt

 

Cédric erinnert an José Bové, den Revoluzzer und Bauner-Anführer ('Die Welt ist keine Ware'), der zu Beginn der 1990er Jahren in Frankreich Furore machte und später Präsidentschaftsanwärter wurde.

 

Dennoch ist Cédric's Metier ein anderes. Cédric ist seit 2015 im italienisch-französischen Grenzgebiet nicht nur als Landwirt, sondern wegen seines Engagement für Migranten in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. 1979 in Nizza geborene Franzose begann Mitte der 10er Jahre gestrandete Flüchtlinge mit auf seinen Bio-Hof zu nehmen und sie für bevorstehende Strapazen in der Bürokratie der 'Grand Nation' aufzubauen. Das sprach sich schnell herum, andere unterstützen ihn, wie möglicherweise Delia Buonomo, die in Ventimiglia in ihrer Bar ‚Hobbit‘ Flüchtlingen Unterkunft, Essen und Hilfe gewährte. Die Bar hatte im Oktober 2021 geschlossen.

 

»Per onorare il dono dell'esistenza che fa il movimento la sua condizione naturale« ist bei Delia in Ventimiglia zu lesen: Das Geschenk der Existenz zu ehren ist ihre natürliche Bedingung der Bewegung.
 

Die Staatsanwaltschaft führte daraufhin Prozesse gegen ihn, die Cédric letztlich auch bekannt machen. Im Laufe der Jahren soll er an die 2000 Migrant:innen geholfen haben — kostenlos und unverbindlich — daher liefen alle Anklagen letztinstanzlich ins Leere. 'Schlepperei' oder 'Beihilfe zur illegalen Einwanderung' konnten ihm nicht nachgewiesen werden, er wurde letztlich freigesprochen. Das alles passierte, eingebettet in eine (homogene europäische) Flüchtlingspolitik, die selbst die staatliche Seenotrettungsinitiativen (wie Mare Nostrum 2014) aus Angst vor 'Flüchtlingsströmen' gänzlich eingestellt hat und diese Aufgabe nun NGO's überlässt. Aus politischen Motiven wird diese Arbeit für Menschenwürde und Seenotrettung oft von staatlicher Seite behindert. Illegale Pushbacks von Flüchtlingen an der italienisch-französischen Grenze hat es immer wieder gegeben und ein Ende der verfehlten Flüchtlingspolitik ist noch nicht in Sicht.

 

»Gegen den Zynismus des täglich gesetzwidrigen Staates«

Herrou ist nicht nur wegen seiner Anklagen im gebeutelten Roya-Tal bekannt geworden, auch wegen seines Engagements für Umwelt und Natur. Bei Ausräumungsarbeiten nach der Starkregen-Katastrophe halfen viele Flüchtlinge mit und so wurde sein bescheidener Bio-Bauernhof zur Institution im Tal.

Ich habe kurz mit ihm im Oktober '21 gesprochen und über Emmaüs Roya ein Interview mit ihm angefragt, das wir im November führen wollen und hier vorstellen werden. Falls Sie noch Vorschläge für Fragen haben, schreiben sie uns eine Mail.

 

Nichtstaatliche Aufwärmstation für Migranten an der Straße zwischen Menton und Grimaldi.

 

Kürzlich ist ein Buch von Cédric Herrou erschienen (Change ton monde), auf das wir im Interview zu sprechen kommen möchten. Interviewtermine sind rar, seit dem Cédric sich mit Emmaüs Roya zusammengetan hat und im Sinne der Behörden seine Arbeit institutionalisiert hat. Ab dem 13.11. ist Cédric unterwegs, sein Buch auf Veranstaltungen in Frankreich vorzustellen:

 

 

Weitere Infos:

Zurück

Letzte Änderung: 25.11.2021