20.11.2021 von Markus Golletz | Bilder, Royatal

Ein Winzer aus der Ardèche

Hagel und Starkregen am 22. Juni vernichten den Weinberg

Unwetter am 22. Juni 2021
Unwetter am 22. Juni 2021

 

 

In der Ardèche (nicht nur) auf dem Weingut Mas d'Intras bei Valvigneres kam es zu am 22. Juni 2021 zu ungewöhnlich starken Hagel. Die Ernte des Biowein-Winzers wurde zu großen Teilen nachhaltig zerstört. Er schickte uns ein paar Fotos mit Erläuterungen, die wir hier veröffentlichen.
 

Denis Robert: "Klimawandel ja, unglückliche Zufälle haben wir mittlerweile zu oft! Frost im Winter, im Frühjahr, Hagel, Trockenheit..."

Interview folgt!

 

 

Interview mit dem Winzer Denis ROBERT

 

Denis Robert ist Biowinzer in der Region Ardèche und zusammen mit Sebastian Pradal Inhaber des Weingutes Mas d’Intras.

Vor Jahren schon haben die beiden auf biologische Weinproduktion umgestellt, angebaut werden die Rebsorten Carignan, Grenache; Syrah und einige andere. Vermarktet werden die Weine auch in Deutschland bei Alfons Ziegler in der Pfalz. Mas d’Intras pflanzt Grünflächen zwischen den Weinreben, benutzt keine Chemischen Pflanzenschutzmittel und vermarktet den Wein größtenteils selber. Auf der Rhone und am Rhein wird der Wein mit Lastschiffen anstatt mit dem Lkw transportiert und teilweise mit dem Lastenrad ausgefahren.

 

Ich fragte ihn nach den Vorkommnissen eines starken Hagelschlages um den 21. Juni des Sommers 2021. Ein Zyklon von vielleicht 40 km Länge und 3 km Breite hatte eine verwüstete Weinbaulandschaft in der Gegend von Valvignères hinterlassen. Die Presse berichtete über 200 Feuerwehreinsätze und 8000 Haushalte ohne Strom. In Deutschland war so ein Ereignis kaum eine Zeile wert, vielleicht weil es noch kurz vor dem Starkregen an der Ahr, in NRW und RLP passierte.

 

 

Markus Golletz (MG): Wie kam es zu dem Hagelschlag mit den Konsequenzen für euren Weinbau?

Denis ROBERT (DR): Wir haben am Ende nur weniger als die halbe Ernte retten können. Nur 9% sind unbeschadet, wir durften 40% aus der Region hinzukaufen und müssen weniger Sozialabgaben zahlen, das ist das Angebot der Regierung und der Präfektur.

Ich selbst war in der Nacht zum 21. Juni 2021 nicht da, meine Frau rief mich an. Sie hatte 6 Stunden nach dem Hagel Fotos gemacht auf dem noch 2,5 cm große Hagelkörner zu sehen waren. Das Unwetter hatte eine Breite von vielleicht 3 km und war über 35 km lang. Die Zerstörungen sind sehr regional, aber heftig.

 

Als ich über Alba-la-Romaine anreiste, habe ich erstmal alle Lagen besichtigt und was zu sehen war, war schlimm. Andere Wege waren noch versperrt. Viele alte Weinstöcke sind an der Rinde vom Hagel geschält worden, einige junge Pflanzen, die unter 3 Jahren, sind zerstört. Es war am Anfang für Sebastian und mich sehr destruktiv, aber dann haben wir gehofft und setzen auf die Selbstheilungskräfte der Natur. Vielleicht werden wir nächstes Jahr wieder 50% der regulären Ernte einbringen können.

 

Es waren auch einige Betriebsfahrzeuge betroffen, vieles was draußen stand, war zerbeult. Auch das neue Taxi von meinem Bruder. Die Versicherungen haben aber schnell, innerhalb von zwei Wochen reguliert. Viele Flächen waren wie gesandstrahlt, nicht durschlagen, aber oberflächlich abgetragen.

 

MG: Gab es Solidarität von den Nachbarn?

DR: Zunächst erlaubte und die Präfektur, 40% von den anderen Genossenschaften zuzukaufen, damit wir in der Weinproduktion weiter machen konnten. Unser Bio-Maschinenring und benachbarte Winzer waren präsent, viele haben geholfen, die Rebstöcke herunter

 

zuschneiden, alles was in der ersten Zeit geboten war. Mit den 9 % der eigenen Ernte und den 40% der zugekauften Trauben kamen wir auf ein zumindest respektables Ergebnis.

 

MG: Ihr wurdet anscheinend nicht ausreichend vorgewarnt, vermutlich hätte das auch nicht viel genützt. Wie ging es weiter?

DR: Steuerlich und seitens der Sozialabgaben wurden wir entlastet. Vermutlich können wir sogar ein halbwegs normales Ergebnis erzielen. Wir werden auch weitermachen, auch wenn man nun den Klimawandel direkt vor Augen hat. Uns ist das aber nicht neu. Ich würde sagen, das war 50% Schicksal und 50% Klimawandel.

 

MG: Gab es sowas schon vorher einmal?

DR: Ja, mein Vater ist Jahrgang 1929, er hatte das Unwetter von 1956 hier in der Region mitgemacht. Verglichen mit 2012 war das aber nicht so schlimm. Wir beobachten hier mehr Hagel und auch mehr Frost. Auch 1991 (98?), als uns 30% der Ernte durch plötzlichen Frost verloren ging. Die Pflanzen waren darauf nicht eingestellt, viel sind durch Frostsprengung geradezu explodiert. Auch im Winter 2012.

Zu Zeiten meines Vaters gab es keinen Hagelschlag. Neu sind auch die Gewitter im Winter, seit 10 Jahren ist das neu hier in der Gegend.

Unsere Bio Freunde (eine Art Maschinenring zur gemeinsamen Nutzung von Agrarmaterial unter Biobauern. Man hilft sich gegenseitig und tauscht sich aus) hat nun eine biologische Hybrid-Rebsorte gepflanzt (Floreal), die resistenter gegen Trockenheit und Hitze ist. Wir werden das ausprobieren. Wenn es nicht gut schmeckt, machen wir Traubensaft daraus (lacht).

 

MG: Welche Maßnahmen und welche Umstellungen sind allgemein wegen des Klimawandels bei euch zu erwarten, gibt es Konzepte und Vorschläge?

RD: Es gibt Technikgläubige und Mittelständler, die die Weinberge mit Photovoltaik zustellen wollen, das passiert schon in den reicheren Anbaugebieten z. B. der Bourgogne. Ich bin gespannt, ob Naturverbände und der Landschaftsschutz dagegen protestieren wird, diese Dinge sind zumindest umstritten (und lösen das Problem nicht). Wir sind nicht so technikgläubig und ich denke auch, dass diese Maßnahmen die Landschaft verschandeln. Einige Winzer benutzen auch diese Plastiknetze gegen Hagel und Wetterereignisse. Nach einigen Jahren haben sie ausgedient und landen am Ende auf dem Grund des Meeres. Sondermüll.

 
Wir haben andere Ideen, ich glaube mehr, dass die Natur sich selber helfen kann, sich regenerieren, wir müssen sie darin unterstützen und nicht immer mehr Müll erzeugen.

 

Ich halte zum Beispiel Permakultur für eine gute Lösung. Mehr Bäume, die Schatten und kühle generieren, mehr Feuchtigkeit. Was wir hier haben – und auch der Weinbau gehört dazu – ist eine Monokultur. Das haben wir so auch an der Weinbauschule gelernt, wenn du Gewinn machen willst, musst du auf großen Flächen in langen Reihen immer das gleiche anbauen, chemisch Düngen und Schützen, etc. Das machen wir heute anders und einige denken mit uns um. Auch die Insekten sind äußerst wichtig.

 

MG: Wie organisiert ihr eure Weinvermarktung, was kann man da machen?

RD: Wir liefern auf möglichst klimaschonender Weise aus. Ich bin auf Rhone und Rhein unterwegs, wenn wir den Wein zu den Kunden bringen. Alles ist leider sehr kompliziert, die Wege sind nicht mehr so gut gangbar. Wenn wir einfach den Lkw bestellen würden wäre einiges einfacher, billiger und schneller. Aber wir machen das nur noch im Notfall.

 

MG: Wie siehts du die rechtsradikalen Tendenzen in der französischen Politik, haben Le Pen, Zemmour oder Macron was mit biologischer Landwirtschaft (Gegen den Klimawandel) im Sinn?

RD: Ich beschäftige mich nicht so viel mit Politik, aber der Hype um Zemmour ist gefährlich, er ist aber ein (rassistischer) Schwätzer und ich hoffe, dass er bald keine Rolle mehr spielen wird. Ich kann mir diese Monologe nicht anhören. Wir machen uns hier unseren eigenen Kopf und haben mehr die Fakten im Sinn. Es gibt daher eine gewisse Politikverdrossenheit hier.

 

Zurück zum Wein, am Ende haben wir über unsere Ernteausfallversicherung (Beitrag über 10.000€ pro Jahr) die Schäden größtenteils durch den finanzierten Weinzukauf ersetzt. Es gibt aber auch Kollegen die nicht versichert sind, die werden nur mehr abschreiben können über die Sozialversicherung, sind also nicht so gut abgesichert. Wir müssen unseren Konsum bändigen und nachhaltiger handeln.
Ich kenne einen Deutschen, der hier in der Gegend Seminare macht: Peter Kümmel (Verdi Bildungswerk Hessen) ist sehr gut informiert und ab und an vor Ort.

 

MG: Vielen Dank Denis, wir wünschen dir alles Gute!

 

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Letzte Änderung: 25.11.2021