15.02.2019 19:35 von Markus Golletz

2019: Tops und Flops im Mediterranen

Italien, Frankreich, Spanien

Cimolais: nahe dem Campanile di Montanaia / Rif Pordenone
Cimolais: nahe dem Campanile di Montanaia / Rif Pordenone

 

Wer keine Lust mehr auf überhöhte Preise und volle Strände hat, sollte dringend etwas ändern. Es muss nicht immer die Riviera sein oder die ‘Costa-es-was-es-wolle’ am Mittelmeer auch nicht die überfüllte 'Wiesn' im Oktober. Europa ist vielfältig und kennt tatsächlich, selbst zur Hauptsaison, noch lohnenswerte Spots an denen die Touristenströme vorbeigehen.

 

Zudem wird es aufgrund aktueller Entwicklungen, zu viel Andrang oder zu schlechten Manieren der Touristen mancherorts noch teurer, wie man hier in einer Zusammenstellung des FTI Reiseblogs sehen kann. Dazu sind die überbordenden Touristenmassen nicht mehr in allen traditionellen Touristenorten willkommen (vgl. Freie Presse). Für Individualreisende, gerade auf dem Motorrad, gibt es noch Hoffnung. Viele Orte sind unkonventionell zu erreichen oder glänzen durch ihre Naturschönheit. Das zieht längst nicht so viele Menschen an, wie die 'Blogbuster Europas'.

 


Top-Tipp: Monte Grappa / Veneto

 

5 Tops und 5 Flops in Europa

 

1. Appennino Tosco-Romagnolo

Wer kennt schon die Pässe zwischen Toskana und der Emilia? Hier findet man ein hinterländisches Idyll, egal ob man mit dem Motorrad, zu Fuß oder einem anderen Fahrzeug unterwegs ist. Auch die Garfagnana ist eine bezaubernde Gebirgslandschaft, die kaum einer kennt.

 

 

2 .Pyrenäen abseits (Aragon, Pyrenées). Im Isabenatal, jenseits des Pyrenäen Hauptkammes, sieht es aus wie im ewigen Frühling. Wenig Einwohner, entspannte Menschen, da scheint die Welt noch in Ordnung. Zum Endurofahren ein Genuss.

 

 

3. Tagliamento & Meduna Flussdelta:

Eine ursprüngliche Flusslandschaft im Friaul. Dort, wo die Berge auf die Ebene treffen, entfaltet sich das natürliche Flussbett des Tagliamento. Einen Wildfluss nennt man das Heute. In Europa äußerst selten, denn in bewohnten Zonen ging man oft dazu über, Flüsse zu begradigen, Altarme abzutrennen, Deiche zu bauen oder den Bachlauf gar in Beton-Flussbetten zu zwängen. Nicht so am Tagliamento. Schon das Satellitenbild zeigt verschwenderisch den Platzverbrauch eines ausgewachsenen Flusses, mit all seinen Auen, Trockenzonen und Naturschönheiten. Besonders schön im Herbst.

Dem Tagliamento (auch am Oberlauf recht schön) blieb dieses Schicksal bisher erspart. Doch existieren Pläne das zu ändern. Bisher bietet das Flussbett (aus der Luft betrachten!)


Im Flussbett des Tagliamento

 

4. Veneto: Cimolais, Rifugio Pordenone: Mehrere Bachdurchfahrten, dann eine Bachüberquerung zu Fuß zum abgelegenen Rifugio. Hier wird selbst gekocht und es geht spartanisch zu. Die 300 Meter hohe Felsnadel Campanile di Montanaia ist die Sehenswürdigkeit für Wanderer hier. (Bild ganz oben)

 


Villa Maser, Veneto. Palladio Villa

 

5. Übernachten auf Pässen und an Wallfahrtsstätten (Piemont/Ligurien). Kennen Sie den italienischen Westalpen Täler? Piemontesen machen dort Urlaub. Man spricht Italienisch, mitunter Walser-Dialekte und die Täler enden fast alle am Grenzkamm zu Frankreich. Das mag für einige unattraktiv erscheinen, doch in den hohen Bergen gibt es im Sommer viel zu entdecken. Unsere Tipps: Valle Pellice (Rifugio Barbaera Lowrie) oder der Colle del Colombardo mit seinem Santuario on Top (nicht bewirtschaftet).

 


Am Col del Colombardo

 

5 Flops in Europa (nix für Biker)


Die Amalfitana: eigentlich ein Traum am Meer...

 

1. & 2. Amalfitana oder Cinque Terre im Sommer: zu viel los, zu viel Verkehr, es gibt Einbahnregelungen an der Küste (Amalfitana), bzw. sind viele Stellen Cinque Terres kaum mit Fahrzeugen zugänglich. Tatsächlich sind Bahn oder Boot die idealen Verkehrsmittel für Entdeckungstouren in Cinque Terre. Wunderschön, aber fast ganzjährig überlaufen.

 


Camogli: ein zweites Cinque Terre?

 

3. Pont du Gard: das berühmte UNESCO Welterbe am Gardon ist mittlerweile eingezäunt und ein Rummelplatz der Eventindustrie geworden. Der Andrang von 2 Millionen Besuchern jährlich hat dazu beigetragen. Besucherzentrum, Kino, Museum und Restaurants haben sich angesiedelt, umringt wird das Ensemble von Parkplätzen und Rummelbuden. Wer's mag. In den `80er Jahren konnte man dagegen ungehemmt über den ungesicherten Wasserschacht obenauf balancieren, von der Brücke in den Fluss springen, etc. Dafür sucht man sich heute lieber einen einsamen Ort - in der Nähe.

 

4. Die Calanques bei Marseille im Sommer: Kein MTB, keine Übernachtung draußen erlaubt. Ein schöner Ort, bei dem es immer schwieriger (oder teurer wird), ihn zu erleben. Traumhaft die d'en-Vau Bucht und die alte Jugendherberge (La Fontanasse), in der man spartanisch übernachten kann. 'Damals' durfte man noch mit dem Motorrad vorfahren...

 

5. Barcelona im Sommer: Tourist go home! fordern bereits die Anwohner, angesichts steigender Mieten wegen Airbnb-Terror. Vertriebene Einheimische, Wassermangel, Verkehrschaos - bei aller Schönheit - es gibt auch andere Orte, die man im Süden Spaniens besuchen könnte ...

 

 

Oder 6. die Dolomiten, die Sella Ronda, wenn alle dort sein wollen: Nichts geht mehr: Stau beim Motorradfahren, Fahrrad-Pulks, Streckensperrungen. Das Sellajoch wird auch 2019 zeitweise für konventionelle Fahrzeuge geschlossen oder zu einer anderen Zeit auf 200 Fahrzeuge pro Stunde limitiert. Viele Motorradreisenden nutzen schon die Vor- und Nachsaison, doch auch da kann es empfindlich voll werden. Es hat sich herumgesprochen.

 

Viele Orte, die z. B. in Rankings wie dem der New York Times auftauchen, in jedem Reiseführer beschrieben werden, ereilt bei steigenden Touristenzahlen das Schicksal des Überlaufen Seins. Tröstlich ist, das man gerade mit dem Motorrad prädestiniert ist, ganz andere schöne und ebenfalls kulturell wertvolle Orte zu entdecken. 

Lassen wir also die Gedanken selbst kreisen und begeben uns nicht auf die vorgefertigten Wege der Massenveranstalter.

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Kommentar von sarahhaway | 22.03.2019

Sehr informativer Beitrag, dies sind einige der beliebtesten Orte für Touristen und Biker in ganz Europa.

Antwort von Markus Golletz

Hallo Sarah,

ja leider. Aber daher auch kein Wunder. Die Zuwachszahlen im Tourismus sind immer noch astronomisch und die erdrücken dann einige klassische Ziele. Selbst mit seiner Unabhängigkeit mit dem Motorrad bekommt man das leider mit. Ideen sind gefragt!

Lieben Gruß,

Markus

Letzte Änderung: 01.01.1970
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