31.10.2019 11:17 von Markus Golletz

Gastbeitrag: Nach dem Crash im Krankenhaus

Das Kassenschwein

Sedat | Bike | Röntgen
Sedat | Bike | Röntgen

 

Ich fuhr mit meinem Motorrad auf dem Neumayerring in Richtung Eisenbahnstraße in Frankenthal. Auf Höhe der Kneipe „K“ / der Bushaltestellen, hörte ich Reifen quietschen. Ich sah in den Rückspiegel, doch fiel mir nichts Außergewöhnliches auf - lediglich, dass die Passanten sich umschauten. Leider dachte ich nicht weiter darüber nach und setzte meine Fahrt normal fort. Vor mir befand sich ein grauer Wagen, der an der Ampel auf Höhe des Swift Parkhauses, gehalten hatte. Ich verlangsamte ein wenig. Die Ampel wurde grün und das graue Auto fuhr weiter. Ebenso fuhr ich weiter. Meine Geschwindigkeit lag hierbei bei etwa 20, höchstens 30 km/h. Kurz darauf vernahm ich einen heftigen Schlag von Hinten. Es fühlte sich an, als wäre mir ein Panzer aufgefahren - ein unglaublicher Druck. Mein Kopf neigte sich nach vorne und ich sah „Teile“ (wahrscheinlich von meinem Motorrad) fliegen und den Boden unter mir vorbeirasen. Ich kann mich an nichts mehr genau erinnern. Ich sah nur Reifen und wurde auf den Boden gedrückt die Straße entlang geschoben. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit und ich dachte mir nur: warum bremst er nicht?! Ich wollte noch rufen „Halt doch an“, doch ich bekam keine Luft. Ich sah wie der Reifen des Autos immer näher auf mein Gesicht zukam und die Felgen des Vorderrads meines Motorrads direkt vor meinen Augen. Irgendwann hielt das Auto endlich an. Mein Motorrad lag auf mir, auf meinem Brustkorb und erschwerte mir das Atmen.

 

Eine Frau und ein Mann kamen mir zu Hilfe und hoben das Motorrad von mir runter. Ich hatte am ganzen Körper unglaubliche Schmerzen, besonders heftig an der Brust. Ich bekam keine Luft und jeder Atemzug schmerzte. Ich bat die Helfer mir den Helm abzunehmen, da ich glaubte zu ersticken.

 

Schon am Unfallort wurde mir ein Zugang gelegt und ich bekam Schmerzmittel, die zum Glück schnell wirkten. Als ich in die Notaufnahme kam wurde ich sofort behandelt. Ich hatte das Gefühl, dass ich gut versorgt wurde. Danach, allerdings, wurde ich abgestellt. Es hatte sich angefühlt wie eine sehr lange Zeit und es war unglaublich laut. Die ganze Zeit liefen Menschen an mir vorbei. Nach einer Weile wurde ich in einen kleinen Raum gebracht. Dort war es etwas leiser und sehr leer, wie eine Abstellkammer. Die Nacht über konnte ich gar nicht schlafen, hatte aber zum Glück keine Schmerzen. Noch in dem kleinen Raum kam ein Arzt (jung, Glatze) und untersuchte mich. Mein Zopf, das Haargummi, lag ungünstig unter meinem Nacken und ich bat ihn, den Zopf hinter meinem Rücken rauszuziehen. Daraufhin sah er mich nur blöd an und entgegnete „Das macht der Pfleger“. Kurz danach kam der Pfleger und verstand mich sofort. Nach dieser kurzen Untersuchung wurde ich wieder alleine gelassen.

 

Verkehrstote nach Ländern
Straßenverkehrssicherheit in der EU
ineraktiver Unfallatlas Deutschland

 

Nach einer Weile kam eine Frau, die sich mir vorstellte und mir mitteilte, dass sie mich auf eine Station bringen werde. Ich dachte mir nur, dass es schlimmer nicht werden könne. Ich kam auf die Notfallstation – eine Zwischenstation für Patienten, die auf ihre Operation warten. In dem Zimmer lagen bereits zwei andere Männer. Schon unten hatte ich Migräne ähnliche Kopfschmerzen, diese wurden immer schlimmer. Ich lag in der Mitte, zwischen den beiden anderen Patienten. Die Pflegekraft unterhielt sich angeregt mit den Patienten und lachte laut. Eine nette Pflegerin, doch für mich war das sehr schwer zu ertragen, da mein Kopf so schmerzte. Ich bat die Pflegekraft etwas leiser zu sprechen, denn jeder Ton fühlte sich an wie ein weiterer Panzerschlag. Leider nahm die Pflegerin das falsch auf und war daraufhin sichtlich genervt. Mein Bettnachbar hatte Verständnis und entschuldigte sich. Ich konnte auch die Augen nicht offen halten. Als meine Tochter kam, legte sie mir ein dunkles T-Shirt auf die Augen, das machte es minimal erträglicher. Über den Vormittag konnte ich dann ein bisschen schlafen.

 

Erst dann erfuhr ich, dass der 21-jährige Fahrer mich noch ca. 20 m vor sich hergeschoben hatte. Über die Zeitung erfuhren wir dann außerdem, dass er unter Drogeneinfluss stand. Ich hatte großes Glück, dass ich „nur“ Knochenbrüche erlitt und meine Lunge nicht gefährlich verletzt wurde. Schlüsselbeinfraktur links, 5 gebrochene Rippen und ein kaputtes Wadenbein, das nachdem mein Fuß abgeschwollen war, operiert werden sollte.

»Ein Motorradfahrer ist an seinem Unfall natürlich selbst schuld.«

Die erste Visite. Die Ärztin betrat den Raum und sagte laut „Guten Morgen! Ich bin… und das sind meine Kollegen. Sie sind heute Motorrad gefahren!“. Verwirrt von der Uninformiertheit der Ärztin entgegnet ich: „Nein, ich wurde gestern hierher gebracht“. Sie hatte es wohl verwechselt, weil ich ja erst am Donnerstag morgen auf Station gebracht wurde. Ich bemerkte in dieser Aussage sofort, dass sie vorurteilbehaftet war. Ein Motorradfahrer ist an seinem Unfall natürlich selbst schuld. Auf meine Frage hin, wann mein Fuß operiert werde, bzw. was noch gemacht werden müsse, sagte die Ärztin: „Dafür haben wir jetzt keine Zeit. Wir reden bei der Visite nicht mit dem Patienten, sondern über den Patienten.“ Auch der Ton, in dem sie mir dies mitteilte, trug dazu bei, dass ich wirklich enttäuscht war. Ich persönlich finde nicht, dass so mit Menschen umgegangen werden sollte. Auch nicht wenn man Arzt ist und viel zu tun hat.

 

Gegen 9 Uhr kam noch einmal eine Visite mit mehreren Ärzten. Auch hier wurde ich nur schnell abgehandelt. Wegen der starken Schmerzmittel hatte ich keine Schmerzen und verneinte die einzige Frage, die mir gestellt wurde, ob ich Schmerzen habe. Meine Fragen konnten wieder nicht beantwortet werden.

 

Im Laufe des Tages kam eine Physiotherapeutin und stellte sich mir richtig vor. Sie half mir meinen Arm zu verlegen und zeigte mir eine Atemübung, damit die Lunge nicht kollabiert. Ich merkte, dass sie sich Zeit für mich nahm. Sie konnte mir etwas zu meinen Verletzungen sagen und erklärte mir den Rucksackverband. Generell hatte ich das Gefühl, dass die Physiotherapeuten sich mehr Zeit nahmen und mich als Patienten auch gut behandelten.

 

 

Bis zu meiner Operation, die am 22. Hätte stattfinden sollen, lag ich auf Station 1. Meine Frau kam jeden Tag mehrmals um mir Essen zu bringen und mich zu pflegen. Krankenhaus-Essen hat keinen besonders guten Ruf und so war es auch in diesem Krankenhaus nicht gerade gut. Manches war leider wirklich ungenießbar. Ich bin sehr froh, dass meine Frau die Pflege für mich übernahm und die Pflegekräfte so ein wenig entlastete. Doch konnte sie natürlich nicht immer da sein und da ich körperlich eingeschränkt bin, kann ich kaum etwas selbst machen. Ich bin auf die Hilfe von den Pflegerinnen angewiesen. Sie waren meistens überarbeitet und genervt, wenn man die Klingel betätigte. Ich musste mich jedes Mal überwinden die Klingel tatsächlich zu betätigen. Die Umgangsform der Pflegekräfte mit den Patienten ist nicht immer vorbildlich und es ist auch verständlich, dass man bei der Bezahlung und Überlastung schneller genervt ist, aber teilweise war deren Verhalten wirklich grenzwertig. Wenn ich die Klingel drückte, kam die Pflegerin an die Zimmertür und schaltete sofort das große Licht an. Auf Station 1 lag ich am Fenster, ganz hinten im Zimmer. Statt zu mir zu kommen wurde von der Tür aus nach hinten gerufen „Was gibt`s?!“. Da man sieht welcher Patient die Klingel drückte, hätte sie ja auch direkt zu mir kommen können und nicht die anderen Patienten aufwecken.

 

Für die Notfallstation, auf der ich mich befinde, gibt es keinerlei Vorschriften. Es gibt keine Besuchszeiten und es gibt keine Beschränkung, wie viele Personen ins Zimmer kommen. Zu Beginn hatte mein Zimmergenosse Besuch von vielleicht 20 Leuten, die sich bis fast 23 Uhr lauthals unterhielten. Am nächsten Tag hatte er wieder großen Besuch, wieder bis spät am Abend. Auch mein anderer Zimmergenosse hatte Besuch von mehreren Leuten. Das Zimmer war voll und der Besuch saß bis vor meinem Bett. Ich klingelte um die Pflegerin zu rufen, weil ich die Lautstärke einfach nicht mehr aushalten konnte. Sie kam an die Tür und ich streckte meinen rechten gesunden Arm, um auf ich aufmerksam zu machen. Ich fragte die Krankenschwester ob sie mich rausfahren könnte - auf den Flur, in ein anderes Zimmer oder sonst wo hin. Das konnte sie natürlich nicht und sie konnte auch nicht den Besuch wegschicken. Es gäbe keine Regelung und niemanden, der das überwache, aber da wir ja erwachsene Männer wären, könnten wir das doch selbst regeln. Ich sagte ihr, dass ich unglaubliche Schmerzen habe und meine Ruhe brauche. Sie sagte mir dann, dass ich ja nicht krank sei, sondern nur einen Unfall hatte. Schon wieder eine Aussage, die aus dem Mund eines Krankenhausmitarbeiters einfach komisch klingt. Die Besucher im Zimmer und die Patienten bekamen das Gespräch mit und verließen den Raum anschließend selbstständig. Ab dem nächsten Tag wurde der Besuch dann draußen empfangen und es war etwas leiser im Zimmer.

 

Am 18. Hatte ich noch immer nicht die Gelegenheit gehabt Antworten auf meine Fragen zu bekommen. Ich wurde noch kein einziges Mal von einem Arzt gefragt, wie es mir geht. Es ist immer keine Zeit, die Ärzte kommen und gehen gleich wieder. Auch die Pflegekräfte sind sehr kurz angebunden. Ich bekomme von niemandem richtige Informationen über das weitere Vorgehen. Ich bin mir sicher, dass die Pflegerinnen und Ärzte ihre Arbeit besten Gewissens erledigen und viel zu tun haben, aber es wäre schön, wenn sie sich auch mal tatsächlich Zeit nehmen würden.

 

Als ich dann endlich darüber informiert wurde, wie meine Behandlung weitergehen sollte, war ich etwas verwundert darüber, dass die Operation erst am 22.8.19 (Donnerstag) stattfinden sollte, war aber zufrieden mit der Antwort. Endlich mal eine richtige Aussage und Aussicht darauf hier rauszukommen.

 

Am 20. kam ein junger Arzt und zeigte mir ein schematisches Bild der Weber-B-Fraktur und erklärte mir ein wenig zum Ablauf. Auch wies er mich drauf hin, dass ich bis abends noch essen dürfe und ab 24 Uhr auch nichts mehr trinken dürfe. Er sagte mir auch, dass der operierende Arzt und der Anästhesist nochmal kommen würden, um mich weiter aufzuklären.

 

 

Mittwoch morgen bei der Visite sagte mir der Arzt nochmal, dass ich am morgigen Tag operiert werden sollte. Am Abend fragte ich die Nachtschwester, wie es denn aussehe, ob nochmal jemand kommen würde, weil ich ja am nächsten Tag operiert werden sollte. Die Pflegerin entgegnete nur, dass ich morgen nicht operiert werden würde, sondern für Freitag (23.8.) auf dem Plan stand. Ich war verwundert aber dachte mir, na gut, dann eben Freitag.

 

Donnerstags kam der Anästhesist und besprach die Narkose mit mir. Er sprach davon, mir eine Narkose über das Rückenmark zu geben, sodass ich ab dem Kopf betäubt sei, aber quasi noch wach. Ich hatte bereits vorher darüber gelesen, dass es bei dieser Art von Narkose zu Komplikationen kommen kann und man im schlimmsten Fall querschnittgelähmt werden könnte. Er sagte mir darauf hin, dass man bei einer Vollnarkose im schlimmsten Fall nicht mehr aufwachen würde. Mir wäre es aber lieber gar nicht mehr aufzuwachen, als querschnittgelähmt zu sein. Er bestand fast darauf, dass er an mir eine Spinalanästhesie durchführe. Erst als ich sehr deutlich Nein sagte, nahm er meine Entscheidung an.

 

Donnerstagnachmittag kam ein Arzt und sagte mir, dass es ihm leid täte, aber die Operation könne am Freitag nicht stattfinden. Wann ich dann operiert werden sollte, konnte er mir nicht sagen, das müsse bei der nächsten Visite entschieden werden.

 

Freitags bei der Visite entschuldigte sich der Arzt und sagte mir, ich sei der erste Patient am Samstag und solle also ab 24 Uhr nichts mehr trinken. Mein Optimismus war weg. Wochenende, schönes Wetter, es ist ja schon fast absehbar, dass es einige Notfälle geben wird, die Vorrang haben.

 

Den Samstag verbrachte ich mit warten. Ich war nüchtern und wartete darauf operiert zu werden. Auf meine Frage, wann ich operiert werden würde, wurde mit immer nur gesagt: bald irgendwann.

 

Gegen 15.30 Uhr am Samstag wurde mir Bescheid gegeben, dass die Operation doch am Sonntag stattfinden würde. Eine genaue Uhrzeit wurde mir nicht gegeben, aber mir wurde versichert, dass ich im Laufe des Tages operiert werden würde. Ich blieb den ganzen Sonntag nüchtern und wartete. Auf mein Fragen wurde mir nur gesagt, ich sei ganz oben auf der Liste. Ich hörte die Hubschrauber starten und landen und mir wurde allmählich klar, dass es noch ewig dauern konnte. Ich wurde aber trotzdem die ganze Zeit hingehalten, ich wäre bald dran.

 

Meine Nerven lagen blank und ich hatte Hunger! Ich erkundigte mich in anderen Krankenhäusern, ob ich mich dorthin verlegen lassen könnte. Lieber einen Termin in ein paar Tagen oder Wochen, als dieses ständige hingehalten werden.

 

Gegen 19 Uhr kam eine Pflegekraft und teilte mir mit, dass die letzte Operation um 19.37 Uhr fertig sei. Plus 15 Minuten, dann sollte sich an der Reihe sein. Ich sagte also, dass ich bis 20 Uhr warten würde. 20 Uhr und noch immer nichts. Ich ließ mich von der Liste streichen. Ein paar Minuten später kam eine andere Pflegekraft und meinte ich wäre der nächste auf der Liste und solle es mir noch einmal überlegen. Wann genau ich dann aber tatsächlich in den OP kommen würde, konnte sie mir nicht sagen. Ich bleib bei meiner Entscheidung und wollte das Krankenhaus am nächsten Tag (Montag) wechseln. Bei der ersten Visite an diesem Montag (26.8.) teilte ich den Ärzten mein Anliegen mit. Ich hatte kein Vertrauen mehr. Mein Fuß war seit 10 Tagen abgeschwollen und hätte operiert werden können. Ich hatte 4 „Termine“ die nicht eingehalten wurden und musste zwei Tage nüchtern bleiben. Bei der Chefarztvisite kam der Chefarzt Dr. Franke direkt auf mich zu. Schon als er das Zimmer betrat „Guten Morgen Herr Billor! Ich mache ihnen ein Angebot. Sie sind in zwei Stunden im OP.“ Ich fragte ihn, ob er mir sein Wort dafür gebe. Vor allen anderen Ärzten versicherte er mir, in zwei Stunden operiert zu werden. 11 Uhr und wieder nichts. Ich rief bei der Patientenfürsprecherin an und schilderte ihr meine Lage. Kurz darauf, gegen 11.30 Uhr wurde ich dann tatsächlich abgeholt und in den Operationsbereichs gefahren. Dort musste ich weitere zwei Stunden warten bis ich endlich operiert wurde. Im Vorbereitungsraum fragte ich, wann genau ich an der Reihe bin. Es gab einen Bildschirm, auf dem alle Namen mit Uhrzeit standen. Die Mitarbeiterin, die mich vorbereitete, sagt mir dann, ich stehe gar nicht auf dieser Liste. Mein Name war nicht auf dem Bildschirm. Darauf wusste ich nichts zu sagen. Ich weiß nicht wie, aber irgendwann wurde ich dann zur Anästhesistin gebracht. Die Anästhesistin wirkte kompetent, behandelte und beriet mich gut. Sie wusste aber auch nicht wann genau ich drankomme. Eine Kollegin kümmerte sich mich anschließend um mich. Da ich über die Infusion schon etwas sediert wurde, bekam ich nicht alles genau mit. Irgendwann wurde mir gesagt ich solle tief einatmen. Nach ein paar Atemzügen war ich weg.

 

Nach der Operation erwachte ich aus der Narkose und eine Frau sagte mir, dass sie mich auf Station 5 bringe. Ich kenne die Unterschiede der Stationen nicht, ich war noch halb narkotisiert und es war mir egal.

 

In dem Zimmer lag bereits ein 82-jähriger Mann, der ziemlich verwirrt war. Das Zimmer war stickig und heiß. Den Tisch stellte man mir auf die linke Seite. Meine ganze linke Seite (Schlüsselbein, Hand, Rippen und Fuß) ist verletzt. Ich kann nur meine rechte Hand bewegen. Ich kann mich auch nicht auf die linke Seite drehen um nach etwas zu greifen, das dort links auf dem Tisch steht. Als die Pflegerinnen ins Zimmer kamen bat ich sie, den Tisch auf die rechte Seite zu stellen. Ich weiß nicht, ob sie mich nicht gehört haben oder nicht hören wollten, jedenfalls gingen sie wieder ohne den Tisch zu verstellen. Meine Frau, die später kam, stellte Bett und Tisch schließlich um.

 

Auf Station 5 war es also nicht viel anders als auf Station 1. überarbeitetes, übermüdetes, nicht motiviertes Personal.

 

Dienstagmorgen kam ein Assistenzarzt zu mir und fragte mich in tadelndem Ton „Herr Billor! Sie haben sich beschwert?!“ Ich erklärte ihm meine Lage und sagte ihm, dass ich seit dem 14. Hier bin und seit dem 22. Auf meine Operation warte. Dass ich total unzufrieden mit der Organisation bin und es schrecklich finde, dass das System hier nur auf dem Profit aus ist. Mittwoch morgen kam der Arzt noch einmal und wir unterhielten uns. Es wurde eine Mail verschickt, in der den Mitarbeitern mitgeteilt wurde, dass ich mich beschwert habe. Ich sagte ihm nochmal, dass ich mich nicht wegen der Ärzte beschwert habe. Ich wurde Tage hingehalten. Musste mehr als zwei Tage nüchtern bleiben, wurde immer wieder vertröstet und wusste auch, dass es für meinen Heilungsprozess nicht gerade gut war, die Operation so lange hinauszuzögern. Er verstand mich und wurde etwas nachsichtiger. Er erzählte mir dann auch, dass er nun 30 Stunden im Dienst sei.

 

Nach dem ich dieses Gespräch mit dem Assistenzarzt geführt hatte, hatte ich das Gefühl, dass alle etwas netter zu mir waren.

 

Von Anfang an hatte ich auch Schmerzen in der linken Hand. Ich wies die Ärzte immer wieder darauf hin. Die Hand wurde geröntgt, man konnte mir aber nicht sagen was nicht stimmte. Lediglich, dass die Abstände zwischen den Knochen wohl nicht ganz stimmen. Es sollten nochmal beide Hände geröntgt werden, um sie miteinander zu vergleichen und ein Spezialist sollte ich die Hand ansehen. Die Handspezialistin hatte wie ihre Kollegen keine Zeit. Sie sah sich meine Hand an und tastete sie ab. Sie konnte nichts dazu sagen und ordnete ein MRT an. Ich wurde noch zweimal runtergefahren. Einmal wurde mein Schlüsselbein und einmal mein Fuß geröntgt. Ein MRT der Hand wurde nicht gemacht. Ein Assistenzarzt kam zu mir und sagte, ich würde irgendwann zum MRT gebracht werden. Dann kam er nochmal und sagte ich könne das MRT auch privat nach meiner Entlassung machen. Einen Termin beim Handspezialisten hatte ich bereits, aber dass er ein MRT machen kann bezweifle ich. Der Assistenzarzt bat mir daraufhin an, einen MRT-Termin in zwei Wochen im Haus zu geben. Später kam er dann noch einmal und entschuldigte sich, aber es sei wohl nicht möglich dort ein MRT machen zu lassen. Ich werde meine Hand nach der Entlassung richtig untersuchen lassen.

 

 

Letztendlich kann ich sagen, dass ich unglaublich froh bin, wieder zu Hause zu sein. Bisher hatte ich eigentlich nur Gutes über das Krankenhaus gehört. Eine renommierte Klinik mit sehr guten Chirurgen. Leider war mein Aufenthalt dort alles andere als angenehm. Das Management war total unorganisiert und die Mitarbeiter größtenteils überarbeitet, unmotiviert und genervt. Die Absprache unter den Ärzten ist nicht gegeben und ich weiß bis heute nicht, wer eigentlich mein Sprunggelenk operiert hat. Die Zimmer waren nicht sauber und die Putzfrauen verwendeten einen Lappen für alles (in einem Rutsch Boden, Türrahmen, Beistelltisch). Es gibt noch so viele weitere Sachen, die mir hier passiert sind/ die ich mitbekommen habe, die mich den Glauben an die Menschheit schon fast vergessen lassen haben. Menschen werden hier nicht wie lebende Wesen behandelt, sondern wie Geldschecks. Ich bin hier zu Hause besser aufgehoben, auch wenn meine Frau/ meine Tochter/ mein Sohn keine ausgebildeten Pflegekräfte sind und ich mit dem Krankenwagen zu meinen Arztterminen transportiert werden muss, einen Toilettenstuhl benutzten muss und die nächsten Wochen nicht richtig duschen kann.

von Sedat Bilor

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Kommentar von Silencer | 31.10.2019

Oh Mann, was für ein Mist und was für eine Odysee! Gut, dass Du es überstanden hast und die Verletzungen wohl heilen. Weiterhin alles Gute!

Antwort von Markus Golletz

Silencer,

doofe Geschichte, aber das scheint oft so zu sein. Trägt nicht gerade zur Genese bei. Ich leite Deine Wünsche an Sedat weiter. Hab gerade noch ein paar Bilder eingefügt ...

Markus

Letzte Änderung: 18.04.2019
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