14.08.2020 18:41 von Markus Golletz

Autoreisezug 2020: Fahrt mit Urlaubs-Express

Urlaubs-Express: Verladung in Villach
Urlaubs-Express: Verladung in Villach

 

Zwischen 600 und 300€ kann man mittlerweile für so eine 1000 km Fahrt mit einem Autozug berappen, allerdings spart sie oft 2 Fahr- oder Urlaubstage. Ich fuhr mit dem Urlaubs-Express und der neuen T7 von Villach nach Düsseldorf:

 

Ankommen: Die Anlagen der Bahn sind oft etwas altbacken, stammen meist aus der DB Autozug und ÖBB Ära (Österreichischen Bundesbahn). doch das tut dem Reisen kein Abbruch, vor allem, wenn man Regenwolken im Rücken hat. Das Verladepersonal ist freundlich und die Einkaufsmöglichkeit in 7 zu-Fuß-Minuten erreichbar. Zu Trinken und ein paar Snacks bekommt man auch im Zug, nur ein Bordrestaurant ist meistens nicht mehr dabei. Bei sommerlichen Temperaturen sollten man also für die kleine Mahlzeit gepackt haben.

 

Nostalgie 5-er Abteile & ein netter Empfang

Die Wagons im heutigen Autozuggeschäft stammen meist von der MSN Group , sind gewartet und in meinem Fall fast etwas nostalgisch. 5er-Abteile mit Klappbetten im Liegewagen. Gemütlich mit großen Scheiben und viel Licht. In Corona Zeiten kann man im Abteil genügend Abstand halten, im Gang jedenfalls, ist eine Maske empfehlenswert.

 

 

Die Vertäuung hat das Personal übernommen (Vorsicht mit hohen Enduros beim an- und abfahren vom Zug), dann geht es auch schon los: mit der Fahrt und mit einem Gewitter, das uns Bikern an Bord allen Recht gibt: Die Entscheidung war die Richtige. Statt 931 km auf der Autobahn, entspannt im Abteil mit vorbeifliegender Landschaft. Zwei andere FahrerInnen mit Tenere 700 und Africa Twin sind an Bord, für Gesprächsstoff ist also gesorgt. Die einen haben sogar nur eine Woche vor Abfahrt gebucht und einen ähnlichen Preis erzielt. Dynamische, auslastungsabhängige Preise sind bei den privaten Zugbetreibern usus. Nicht nur dem Urlaubs-Express sind rechtzeitige Buchungen wichtig, denn nur so kann ein Fahrplan gesichert werden, wie der neue für 2021, der jeweils im Spätsommer online geht. Zugtrassen müssen gemietet, Wagons und Loks müssen rechtzeitig gebucht werden - (Corona-)Hilfen oder Subventionen - wie bei der DB oder ÖBB, sind nicht so einfach zu bekommen. Trotzdem sind es die wenigen privaten Anbieter in Deutschland, die das motorradfreundliche Autozugreisen aufrechterhalten.

 
Entscheidend für die Preise ist zum einen der Komfort (eigenes Abteil oder Liegewagenplatz), weniger der Zeitpunkt der Buchung. Rechtzeitige Buchungen für die ersten Rückfahrten im Fahrplan (bspw. erster Zug von Verona nach Düsseldorf) beginnen ab 89 und 99€ pro Person und Passage. Der Durchschnitt liegt freilich höher.

 

 

Ich baue den Abteils-Tisch auf, breite Karten und ein paar Antipasti aus und unterhalte mich mit den Nachbarn. Corona ist noch nicht vorbei, aber gut, das Motorradreisen schon wieder möglich ist. Zumindest in Mitteleuropa, kann man derzeit nur sagen. Quasi tagesaktuell sollte man sich informieren.

 


Mit dem Motorrad locker 2 Tage unterwegs ... Mit dem Autoreisezug über Nacht

 

Später werden die Betten aufgebaut und wer empfindlich ist, sollte Ohrenstöpsel parat haben. Das Zugpersonal fragt noch einmal nach dem Befinden, dann nickere ich ein und ziemlich pünktlich ist der Zug an seinem Zielbahnhof Düsseldorf.

Unkompliziert verläuft das Ablade-Prozedere, schnell sind alles BikerInnen des Urlaubs-Express wieder startklar.

 

In Italien ab einer Auslastung von 75% rentabel

Eine Übersicht der derzeitigen Autoreisezug-Anbieter haben wir hier zusammengestellt. Dort warten auch aktuelle Informationen, nur eben grobe Richtpreise, weil es eben keine Fixpreise mehr gibt. Die Fahrt mit dem Urlaubs-Express ist in jedem Fall empfehlenswert, doch ausschlaggebend ist der Fahrplan. Daher muss man auch einen Blick auf die Mitbewerber werfen.

 

Wir hoffen sehr, dass das Netz weiter ausgebaut wird. Im Gespräch mit dem Urlaubs-Express Mitarbeitern erfahren wir aber, das Reisen in Corona Zeiten für den Betreiber ein Risiko sind. Glücklicherweise gab es in der Saison 2020 bisher keinen Corona Fall an Bord, also auch keine Probleme mit der Fahrzeugentladung.
Bei den hohen Trassenkosten gerade in Italien benötigen die vergleichsweise kleinen Zug-Charterer eine Auslastung von rund 75% um rentabel arbeiten zu können. Das alles sollte man bei der Zugbuchung zumindest wissen.

 

 

von Markus Golletz

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