14.12.2021 von Markus Golletz

Ausgeraucht - Ausgehaucht?

Elektrischer Motorjournalismus im Test

 

Verschlafen die Alten den Aufbruch in ein neues Mobilitäts-Zeitalter? Bitte. Kritisch sein ist noch erlaubt, aber wie verhält sich der Motorrad Journalismus eigentlich?

 

Peter Unfried, bekannt aus TAZ und Futurzwei hat gerade einen Weckruf veröffentlicht, der zu denken anregt. Auf dem Prüfstand steht der deutsche Motor-Journalismus und der schneidet nicht gut ab. Konservativ, könnte man sagen. Unfried beurteilt die Aussagen der Autotester von FAZ, SZ, Autobild, ADAC und Spiegel. Seinen Zitaten nach sind in vielen Qualitätszeitungen Bremser am Werk, Autoren, die konservativ den Konzernen nach dem wirtschaftlichen Gusto schreiben. Paradox ist, dass dieselben Firmen mittlerweile auf batterie-elektrisch umgeschwenkt haben. Die Redakteure Jürgen Pander, Lukas Weber oder Felix Reck werden hier überführt, hohe Verbräuche, hohen Materialaufwand und eine schlechte Effizienz, ganz im Sinne der SUV-Lobby zu transportieren. Von kritischen Journalismus keine Spur. Auch das sich lustig machen über Kleinwagen Konzepte a là 3-Liter Auto Lupo (‘rollende Verzichtserklärung') gehöre zum Repertoire. SUV-Konzepte würden hingegen auch in elektrisch durchgewinkt.

 
Das mag alles sein. Aber ist das auch in der Motorrad-Presse so? Fakt ist das ‘Ökotests’ und E-Bikes (auch mangels Masse) noch ein Schattendasein führen. Dazu kommt, das e-Bike oder Verbrenner auch ein Generations Ding zu sein scheint.

 

Ich habe mich beim Studieren der EICMA Modelle (oder hier) auch dabei ertappt, ob es denn überhaupt noch einen Sinn macht, einen Verbrenner zu kaufen, wenn doch in 15 Jahren die Straßen ganz anders aussehen werden und man damit a.) nirgends mehr hinfahren darf und b.) es sich auch nicht mehr leisten kann.

 

 

Müsste also der Motorrad Journalismus nicht auch viel kritischer werden, progressiv vom Verbrenner-Kauf abraten und neue, umweltverträgliche Konzepte gar einfordern?

 

Zu hören ist das überall Konzepte in den Schubladen liegen, aber so lange man Motorräder doppelt und nochmal verkaufen kann, wird dieser Markt bedient.

Eine Ténéré 700 ist kein schlechtes Motorrad und auch die Tuareg 660 macht starke Avancen auf Enduro-Reisen, doch sind sich alle klar, wie lange das so noch gut geht?

 

Eine andere Kritik des zitierten Textes ist es, das viele Journalisten auch elektrisch nicht so gut Bescheid wissen. Ich kenne zumindest einen, der den Wandel mitgemacht hat. Clemens Gleich testet zumindest für Heise.de und hat sich ‘weitergebildet’. Unfried lenkt die Aufmerksamkeit auf die Youtuber Stefan Moeller (Nextmove) oder Andreas Hähnel, die derzeit Pionierarbeit lieferten. Wer kennt so etwas für die Motorradbranche?

 

In vielen Motorradzeitschriften kann man einen Aufbruch in eine emissionsfreiere Zukunft noch nicht so gut erkennen, klar, auch mangels Angebot. Aber diese Nachfrage sollte man schaffen. Die Weichen scheinen bei allen Bedenken nun gestellt.

Bei Motorradreisefuehrer.de werden wir e-Bikes als feste Rubrik einführen. Ob als Test, als Podcast über Technik oder als Pedelec. Wir wollen versuchen, mehr E-Fahrzeuge zu testen. Bisher sind es mehrere Pedelecs, eine Zero, ein Kumpan und hoffentlich bald noch mehrere Nischen- und Spezialfahrzeuge.

 

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Kommentar von Daniel | 14.12.2021

Ich war dieses Jahr in verschiedenen Städten mit dem Motorrad in Italien unterwegs. Mir ist aufgefallen, dass in Italien die Hubraumspanne von 125ccm bis ca. 750/800ccm reicht. Die dicken Bomber (GS usw.) sieht man, aber selten. Das Parkraummanagement ist aufgrund der fehlenden Flächen auf Zweiräder ausgelegt. Ebenso die Akzeptanz von Autofahrern. Kein Gemecker, wenn man sich in die Pole schlängelt.

Ich war auch auf der EICMA und habe dort viele Konzepte und eine reichhaltiges Angebot für die o.g. urbanen Verkehr gesehen. Reichweiten um die 150km, entnehmbare und in der Wohnung ladbare Akkus, max. Geschwindigkeiten um die 100Km/h. Und bezahlbar. Für Pendler ideal.
Fragt man auf der Messe, bei wem und wo man es kaufen kann, war der Tenor immer, überall aber nicht in Deutschland. Kein Markt, zu hohe Auflagen, Sonderwürste beim TüV (insbesondere die E-Scooter).

Solange Politik und (Moto-)Presse in Deutschland dieses Thema nicht einmal mit der Zange anfassen und nach mehr Leistung schrei(b)hen (insbesondere das Verlagshaus aus Stuttgart), wird das nichts mit der Akzeptanz.

Dank des neue Bußgeldkataloges bin ich mal auf die "Parkplatzkriege" in den Städten gespannt. Warum nicht wie in Frankreich, Italien, Spanien eine friedliches Koeexisitenz.

Antwort von Markus Golletz

Danke dir Daniel für den selbsterklärenden Kommentar!

Markus

Kommentar von Peter M. | 14.12.2021

Moinsen!
Auto sind ja zumeist "Nutzfahrzeuge". Motorräder hingegen "Spaßfahrzeuge".
Bei Gabelstaplern auf zwei Rädern kommt bei mir kein Spaß auf.
Hybrid Motorräder hingegen wären eine feine Sache. 2x 10 PS zusätzlich Elektrisch am Vorder- und Hinterrad. Bremsenergie- Rekuperation... da reichen dann 125ccm völlig aus!
Auch ein Verbrauch von unter 1l./100km ist möglich.
Da kann dann kein E-Bike mehr mithalten... Elektrofahrzeuge sind nicht Umweltfreundlich... die werden uns nur so verkauft.
UND viele Red. machen mit!
Siehe auch "long way up" Schwindel!

Antwort von Markus Golletz

Moin Peter,

ich bin auch nicht ab sofort der mega überzeugte Elektrik-Fan, aber die Weichen sind nun mal gestellt. Und ich wollte eher aufzeigen, wie wenig sich manche Kollegen darum scheren, es sei denn, es ist zu Geld zu machen.

 

Richtig ernst meine ich aber die Überlegung für alle, die was für länger haben wollen, mittelfristig auf ausgereifte e-Bikes umzusteigen. Lange wird es nicht mehr dauern und wenn BMW, KTM und andere das ernsthaft betreiben, werden auch die Fans mitziehen.

Iiiiiich würde auch am liebsten meine Zweitakt-Ape mit einem Radnabenmotor ausstatten, zusätzlich! Aber das scheint ja in Deutschland noch nicht möglich zu sein, außer man ist Millionär.

 

In Asien geht mehr, zumindest Experimentell und mit recycling: Creative Channel

Letzte Änderung: 18.04.2019
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