02.02.2015 15:10 von Markus Golletz

ROADSTER & FUEL

Sauber geshavter Drei-Tage-Bart

Stylisch: Fuel oder Roadster?
Stylisch: FUEL oder ROADSTER?

Motorrad pur vs. Motorrad & Leidenschaft?


Gleich zwei neue Motorradzeitungen gehen an den Start: Motorradzeitungen? Ja – aber eben pur. Keine Technischen Daten, keine Ingenieur-akribischen Kleinigkeiten bis ins Detail. Stattdessen eher Lifestyle, Emotionen und Leidenschaft. Retrospektiven, Retro Motorräder, aber nicht alles ist etwa ‚rückwärtsgerichtet‘ in Roadster und FUEL. Roadster macht Guido Kupper, der auch mal für die MO schrieb, FUEL ist ein Produkt von Stuttgarter Motorpresse und Rolf Henniges, auch bekannt als #Buchautor. Zwei schwäbische Magazine also?


Am 30.4. gesellte sich ein weiteres Magazin dazu: CRAFTRAD ist eine neue Zeitschrift für Motorradkultur aus Berlin. Die Macher sind Jan Zühlke und Hermann Köpf. Die Anzeigenseite wird mit 7.500€ veranschlagt...

 

Wenn man die Erfolgserwartung, was Werbeeinnahmen angeht voranstellt, vielleicht. Im Lifestyle-Sektor lassen sich ganz andere Werbemöglichkeiten akquirieren. Der Spirit von Glemseck 101 und er Solitude liegt über beiden Magazinen, es wird verstärkt Jethelm und in Jeans gefahren. Sonnenbrillen, Frisur, Outfit, aber auch Geschichten von meist weiblichen Bike-Besitzerinnen spielen verstärkt in FUEL eine Rolle. MOTORRAD Chef Michael Pfeiffer nennt es im Editorial „Kein höher, schneller weiter. Keine Rennen, keine Beschleunigungs-Vergleiche“ und „Alles dreht sich darum, den Augenblick als solchen zu genießen“.

 

Offensiv geht FUEL mit 35.000 in der Erstausgabe für 6,50 € an den Markt. Der Anzeigenmarkt scheint FUEL ad hoc akzeptiert zu haben, das geht aus der Pressemitteilung hervor und das ist auch am Werbeumfang zu merken. Ein Grund mehr, sich als stylige Motorradzeitschrift in diese Richtung zu entwickeln.

 

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FUEL hebt sich von der ‚normalen‘ Motorpresse sehr ab: fast szenisch werden Sachverhalte, Bilder, Emotionen dargestellt. Motorpresse Chef Pfeiffer: Bei FUEL (das Heft hätte auch ROLF heißen können) geht es nicht um harte Fakten und akribisch genaue technische Details ...
So bringt es auch ein FUEL Autor in seinem Bericht von der Szene-Motorradausstellung (wheels and waves) in Biarritz auf den Punkt: Er fühlt sich als Teil einer neuen Bewegung und zwar eine, die das Motorrad als neues Kunstobjekt feiert. In dieser Szene istvieles völlig anders als bisher bekannt — es sind kaum 'Biker' im Publikum.

Roadster & FUEL: Gemeinsamkeiten + Unterschiede

Kein Klapphelm, kein Topcase, kein Navi, stattdessen Café Racer, Scrambler und sauber geshavter Drei-Tage-Bart. Schaut man sich die Roadsters Image Filme an, sieht das zunächst nach einer ähnlichen Ausrichtung aus, auch wenn der Aufritt etwas konservativer herüber kommt. Motorrad als Kunstobjekt (FUEL), New Heritage – Vintage, Classik und Custom Bikes, all das sind die Themen beider Blätter. BMW R nine T, Ducati Scrambler 2015, minimalistisch in den Sonnenschein reiten – und dabei gut aussehen – darum geht es in FUEL und Roadster.

 

 

Bei Roadster (siehe Video auf der Homepage) ist der Weg dann nicht mehr so weit zum „Bad Boy Customs“, wo Mäuschen in Netzstrumpfhosen posieren und leicht bekleidete Damen ‚irgendwie dazugehören‘ (mittlerweile nicht mehr online). Insgesamt, so scheint es, schließt Roadster die Lücke zwischen alt-Herren Tourenmagazin, Custombike Blättern, Bikers News und Tätowierer-Magazin, letztere gibt es bereits beim Herausgeber Huber Verlag.

  

In beiden Magazinen gibt es einen beträchtlichen Anteil an Mode & Lifestyle und beide haben einem vergleichsweise hohen Anteil an Werbung. Unliebsame Advertorials (als redaktionelle Artikel getarnte Werbung) wurden (bisher) noch nicht gesichtet. Allerdings finden auch Artikel über Rasiermesser oder auch edle Uhrenwerbung den Weg in Rolf Henniges FUEL Magazin.

 

Während FUEL zuerst nur über die Motorradonline Seite eine Webpräsens warnahm, ist ab April 2015 Fuel-Online. Roadster reservierte von Anfang an roadser-magazin.de. Nur in einer online Pressemitteilung war zuerste zu lesen, worum es in FUEL gehen soll. FUEL peilt ein vierteljährliches Erscheinen an, Roadster sollte sogar alle 2 Monate regelmäßig am Kiosk liegen. Mittlerweile ist FUEL das 4 mal erscheinen (Dez/2015).

 

»Mit dem Magazin FUEL durfte ich im Herbst 2014 ein Magazin entwickeln, das sich vom Aktuellen abwendet und auf zeitlose Stories setzt, die jeden Motorradfahrer berühren. Es erscheint vierteljährlich und ist ein Gegenpol zur Höher-schneller-weiter-Maxime.« Rolf Henniges

 

Neuer Louis Image Film: Auf der Retro Jever Welle?

 

Fast wie früher …

schreibt Guido Kupper im ersten Roadster Editorial und präsentiert ein Blatt mit einer ähnlichen Ausrichtung wie FUEL, das von der Gestaltung und dem Aufbau aber etwas konservativer, fast vorsichtiger vorgeht. Man wird es auch sicher am Kiosk im Motorrad-Regal finden, bei FUEL ist man sich da nicht so sicher... In Roadster treten wieder verstärkt Jethelmträgern und ohne-Sicherheits-Klamotten-Fahrer auf den Plan und ins Bild. Das wäre vor Jahren noch nicht möglich gewesen, als zig Motorradzeitschriften sich weigerten, auch nur ein Fahrbild mit offen stehenden Klapphelm abzudrucken. Ein Paradigmenwechsel also?

 

Interessant auch, die beiden Magazine (vorerst) auf Kleinanzeigen und Motorradmarkt und damit auf Community und Kundenbindung verzichten.

 

Rubriken

Während FUEL mit ‚Fahrtwind, Stil, Weitblick, Menschen, Lesezeit On the road‘ und ‚Szene‘ auskommt, ist Roadster etwas konventioneller: ‚Bikes, Szene (Kradkultur, Erlebnis), Ratgeber und Technik (hier spielt auch ‚Outfit‘ eine tragende Rolle), Meinung, Schaufenster‘ und ‚Mein bestes Stück‘ gehören zu den ständigen Seiten. Roadster kostet 5,90 € und kam mit der Erstausgabe am 5. Dezember 2014 in den Handel.

 

Nachhaltig genug Stoff für die Zukunft?

Ob eine neue Sparte hiermit gegründet ist? Es sieht ganz danach aus, wenn zwei Verlage unabhängig voneinander ähnliche Magazine konzipieren. 2015 steht also unter dem Stern von Style & Retro wie auch übrigens das Wachsen der Klassik- und Oldtimer-Blätter signalisiert. Nicht dazu passt die Einstellung der deutschen Ausgabe von Classik Biker Mechaniker (ehemals www.classicbikemechaniker.de). Die gibt es nun nur noch im englischen Original. Das ist aber genaugenommen nur ein ähnliches Thema. Custom Bike Titel am Zeitschriftenmarkt sind so alt wie die Branche selbst und sterben nicht aus (s. Bikers News).
FUEL Ausgabe II legt mächtig nach: mit guten Bildern, Exklusiven Motorrädern wie einem Dampflok Motorrad, Blicke hinter die Kulissen wie bei der Vorstellung der Ducati Scrambler und gut beschriebener Szene und Motorradkultur.
Es sieht ganz danach aus als, dass sich viele unter uns überschaubare Technik und ein paar mehr Basics zurückwünschen und - wie Guido Kupper feststellt: man fährt wieder offen!

Markus Golletz

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Kommentar von Peter anonymous | 18.02.2017

Das ist der sog. "Retro-Zuschlag", den man heute für die letzten Gurken bezahlt um zur "Szene" zu gehören. Großstadt-Yuppies kaufen sich für schlappe 13000 Euronen ´nen abgefuckten 2-V-Boxer lassen vom "Klassikveredler" ´ne pastellfarbene Plörre drauf klatschen, dazu 3-Tagebart, Jethelm und die üblich-langweiligen Hipsterklamotten - und schon bist du dabei. Vom Glemseck bis zum Ace-Cafe. Und diese ganze Fake-Kacke wird journalistisch vom Magazin Fuel (inkl. Retro-Zuschlag fürs Heft) perfekt bedient.

Antwort von Markus Golletz

Nana!

Es gibt immer solche und solche, aber man sollte dann nicht gleich die ganze Presselandschaft schlecht machen dabei. Früher konnten Endurofahrer mit Choppern auch nichts anfangen und heute fahren sie vielleicht selber welche. Ich stimme zu, das sich die Preisgestaltung von (retro-) Butter & Brot-Motorrädern auch nicht immer verstehen kann. SWM ist da vielleicht eine Ausnahme, Triumph und BMW sind es sicher nicht.

Letzte Änderung: 18.04.2019
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