10.03.2020 09:07 von Markus Golletz

Corona: Italien macht dicht

Was man bis Ostern für seine Italienaufenthalte wissen muss

Foto: Giorgio Martino, Milano
Foto: Giorgio Martino, Milano

 

Italien macht dicht, Deutschland nun auch. Das Schengener Abkommen was Europäern Freizügigkeit garantiert, ist derzeit de facto außer Kraft.

Doch im Einzelnen:

»Beschränken Sie Reisen in und nach Italien derzeit auf das Notwendige«, ist am 10. März auf der Seite des Auswärtigen Amtes zu lesen. Italiener trifft es gar noch härter. Gestern (am 9.3.) hatte Ministerpräsident Conte das Dekret zur Bekämpfung des Coronavirus von Nord- auf ganz Italien ausgedehnt.

„Es ändert sich nichts. Die Einschränkungen betreffen die Reisen der Italiener. Wir werden jedenfalls die Einreisen nach Italien kontrollieren“, sagt Regierungschef Conte. In Deutschland ist zu lesen, dass die Epidemie / Pandemie erst im Juli 2020 ihren Höhepunkt haben wird. Reisen Ade?

 


Quelle: Süddeutsche Zeitung/ Reuters

Das sogenannte Schengener Abkommen ist weiterhin existent, aber derzeit 21. März) de facto ausgesetzt. Es wird aber zunehmend aus den genannten kollektiven Gesundheits-Gründen empfindlich eingeschränkt.

 


Stand am 8.3. mittlerweile ist ganz Italien eine 'Zona Arrancione' | hier zur Italienischen Livemap | mobil

 

Enit Italien:

 

Bisher stand folgendes auf der ENIT Webseite: "Außerordentliche Präventionsmaßnahmen wie die temporäre Schließung einiger Örtlichkeiten oder die Absage einiger Veranstaltungen sind Vorsichtsmaßnahmen, die nichts mit der Verbreitung des Virus auf dem italienischen Staatsgebiet zu tun haben."

 


Die Maßnahmen vom 10.3. zeigen Wirkung: 3-mal weniger Anstieg. Am Folgetag, am 11.3. steigt die Zahl auf 2076 ...

Doch mittlerweile wird dazu aufgerufen, auch nicht in seine italienische Heimatregion (z. B. nach Süditalien) zurückzukehren, sondern einfach da zu bleiben, wo man ist. ENIT Mitarbeiterinnen wie Christine Frank arbeiten ab morgen im Homeoffice und können einen Italienbesuch, vielleicht erstmals im Leben, derzeit nicht empfehlen. Die Rückkehr-Möglichkeit an den Heimatort für Deutsche und andere Nationalitäten ist in auf jeden Fall gegeben.

 

»Das Verbot gilt für auch Fahrten innerhalb dieser Gebiete, mit Ausnahme nachweisbarer berufsbedingter Fahrten oder in Notsituationen. Auch die Rückkehr an einen Wohnort sowohl innerhalb als auch außerhalb wie die Ausreise dazu nach Deutschland ist weiterhin möglich. Mit Kontrollen und Nachfragen von Sicherheits- und Ordnungskräften muss gerechnet werden.« (Auswärtiges Amt, 10.3.2020)

 

Besonders angespannt und reglementiert ist die Situation in der Lombardei die Regionen Emilia-Romagna, und in der Stadt Vo' Euganeo, sowie der Provinz Padua, sowie neuerdings auch in Südtirol.

 


Vollbild

 

Unis, Schulen und Museen sind geschlossen, das Nachtleben ist auf Wunsch des Premiers zum Erliegen gekommen. Der öffentliche Verkehr wird hingegen aufrecht gehalten, die Italienische Staatsbahn desinfiziert verstärkt und versucht für die Sicherheit ihrer Gäste zu sorgen. Webcams zeigen mittlerweile die Plätze der Europäischen Metropolen als verwaiste Geisterstädte.
In Italien, die zuerst einen Lockdown durchgesetzt haben, auch eine Art Ausgangssperre, wird verstärkt wird an Busbahnhöfen kontrolliert, ob das brandneue Dekret vom 10.3. auch eingehalten wird. Bars und Restaurants schließen früh am Abend (teils 18 Uhr) und können ihren Betrieb nur aufrecht erhalten, wenn ein Abstand zwischen den Personen von einem Meter eingehalten werden kann.
Für Reisende mit der Bahn, Schiffen und Flugzeugen ist u. a. für Deutsche eine sogenannte Aussteigerkarte Pflicht, nähere Infos dazu beim Robert Koch Institut. Laut Enit sollten Touristen aus Deutschland, die individuell reisen, dazu zuerst nicht verpflichtet gewesen sein. Doch das ist nun Geschichte. Fast überall in Europa sind Touristen derzeit nicht erwünscht. Bis wann? Das hängt ganz von unserem Verhalten ab.

 

„Wir müssen alle auf etwas verzichten. Wir werden die Epidemie besiegen, wenn wir noch drastischere Maßnahmen zum Schutz unserer Bürger ergreifen“ (Ministerpräsident Giuseppe Conte)

 

Absagen in der Motorradbranche:

Präsentationen von Ducati Streetfighter V4, Honda SH125i und SH150i oder Dunlop, Michelin und Conti Reifenpräsentationen sind abgesagt bei KTM (Duke 890 R) und Yamaha muss man noch bangen. Auch MotoGP und WorldSBK stehen teilweise auf der Kippe oder werden verschoben. KTM und Yamaha (in Italien) haben ihre Werke bereits geschlossen, bei SWM wird hingegen noch produziert. Detailliertere Infos hier.

 

 

Wie sich das Leben in Italien anfühlt:


Nicht mit La dolce Vita, Chlorgeruch dringt aus dem Postamt, aus der Luke schaut eine Gestalt mit Mundschutz. Alle Geschäfte außer Lebensmittelläden und Apotheken haben geschlossen. Und das auf dem Dorfe in Ligurien. Residenti müssen weitere Fahren bei der Commune anmelden, Kontrollen gibt es auch. Mailand? Fast eine Geisterstadt in diesen Tagen, besonders wenn man Trouble und Lebenslust aus der Normalität kennt. Die Devise die umgeht, ist aber Respekt zu wahren den anderen, besonders den Älteren gegenüber. Die oben abgebildete Dame ist über 80 und steht in Agaggio seit über 50 Jahren hinter der Ladentheke. Regionale Produkte sind hier übrigens selbstverständlich. Nun hat ihre Familie aber beschlossen, dass sie zur Zeit der Coronawelle ein Zimmer oberhalb des Ladens bezieht und nicht mehr im Laden stehen darf. Andere kleine Commestibili bieten an, ältere Leute mit Lebensmitteln zu beliefern. Es ist auch eine Welle der Solidarität und des gegenseitigen Respekts, die sich gerade ausbreitet. [mehr]

 

»Drastische Maßnahmen« Wort des Jahres 2020?

Vorläufiges Fazit:

Trotzdem bleibt die aktuelle Situation für reisende Mitteleuropäer unklar. Mit Italien ist derzeit nicht zu rechnen und nicht zu planen. Es bleibt zu hoffen, das die drastischen Maßnahmen schnell Wirkung zeigen und eine Lockerung eintreten kann. Derzeit raten alle von einem freiwilligen, touristischen Besuch ab (10.3.2020). Die individuelle Lage kann sich aber auch schnell ändern, z. B. wenn es am 'Heimatort' mehr infiziert gibt als am Aufenthaltsort.
Nur eines scheint daher wichtig: Keine Panik! (frei nach Douglas Adams)

 

Infos & Quellen

 

 

Bilder: Giorgio Martino | Milano

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