20.09.2021 von Markus Golletz

Zu Besuch bei Kumpan Electric in Remagen

Kumpan in Remagen
Kumpan in Remagen

 

Elektroroller sollten in der gespaltenen Motorrad-Gemeinde der kleinste gemeinsame Nenner sein. Im Han- und Stadtbereich sind sie eigentlich schon jetzt das Maß aller Dinge: Sie emittieren kaum, sind leicht, wendig, haben wenig Platzverbrauch und lassen sich fast überall kostengünstig aufladen. Auch die viel diskutierte Reichweite ist ausreichend.

 

Kumpan Electric, ein Spross der Firma e-bility GmbH, geht auf das Engagement der Brüder Patrik, Daniel und Philipp Tykesson zurück, die mit einem geringem Startkapital Kumpan in Remagen gründeten. Zuerst wurden chinesische Roller importiert und umgebaut, mittlerweile gibt es eine hohe Fertigungsdichte von 80% Teile, die aus Europa kommen. Bei den Akkus ist man derzeit noch auf den asiatischen Markt angewiesen, aber in Kürze werden wohl auch in Europa und Deutschland etliche Zellenproduktionen eröffnet und somit die Lieferwege verkürzt werden. Das Kumpan 'Kraftpaket 2.0' funktioniert mit Batterie-Management-System (BMS) und Lithium-Ionen Zellen, die nicht so brandgefährdet sind, wie die durchaus leistungsfähigeren Lithium-Polymer-Batterien (Li-NMC), die zum Beispiel die italienische Firma Energica verwendet.

 


Made in Remagen in Handarbeit

 

8 Roller werden pro Tag in Remagen gebaut, der Betrieb zählt ca. 90 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Alle Modelle können individuell zusammengestellt werden und hören auf den Namen 54i: eine Zahl, die auf das Geburtsjahr des Gründervaters hinweist.

 

Wir testen in Kürze den 54i:gnite, den stärksten Kumpan mit 7 kW, drei patentierten Akku-Packs, die an jeder Steckdose geladen werden können und 80 km Reichweite. Interessanterweise haben die kleineren Modelle (gleiches Chassis) höhere Reichweiten, weil sie weniger Leistung haben (3 und 4 kW, Reichweiten zwischen 100 und 135 km laut Werk).

 


Hauptsächlich wird auf Bestellung gearbeitet, die Lieferzeit beträgt derzeit 2 Monate

 

Die Scooter rollen auf 12 Zoll-Rädern und werden von einem Radnabenmotor angetrieben, dessen Software ständig aktualisiert und erweitert wird. So ist es demnächst möglich, die Rekuperation stufenlos einzustellen.

 

Scrooser übernommen

 

Diverse Dreirad-Konzepte (für den städtischen Lieferbetrieb) stehen kurz vor der Veröffentlichung, 2019 hat e-bility auch die Fat-Bike-Sparte von Scrooser übernommen die mit Impuls-E-Antrieb funktioniert. Demnächst sind auch modifizierte E-Fat-Bikes über e-billity erhältlich.

 

Informationen

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Peter M. | 20.09.2021

Moinsen!
Ja, das wir hier inzwischen chinesische Roller nachbauen müssen, weil unsere Industrie es nicht hin bekommt (BMW/KTM) ist schon ein Armutszeugnis.

Die Idee ist auch gut, wenn auch extrem überteuert.
-450€ Topcase
-1.189€ Ersatzakku
-usw.
Ein Chinaroller/Baumarktoller kostete damals 2004 ca. 500€, verbrauchte 2l/100km und wenn er kaputt war, dann kam er halt weg.
Für die 4.000€, die ein Kumpan mindestens kostet, bekommt man ganz viele Chinaroller.
UND wenn die von "Partypeople" umgetreten oder geklaut werden, dann ist der Ärger deutlich geringer...
Btw: Eine alte Schwalbe/Zündapp/Kreidler kostet heute ein Schweinegeld. Alte KUMPAN Roller sind irgendwann nur noch Sondermüll!

Antwort von Markus Golletz

Moin Peter,

 

Die Preise kannte ich noch nicht, aber bitte schau doch mal, was du bei BMW o. ä. bezahlst. Der billige, fossile 'China-Roller' ist längst Geschichte und so hat China bereits 2015 in aus Emissionsgründen die Zweitakter aus den städtischen Ballungsgebiete verbannt und durch Stromer-Roller ersetzt.

 

Nun war es für viele Discounter (und möglicherweise auch für Kumpan Electric) in der Vergangenheit ein Geschäftsmodell 'was-auch-immer' aus China zu importieren, weil man damit einfach ein gutes Geschäft machte. Dabei wurden Löhne/Arbeitsbedingungen/Umweltverschmutzung großzügiger Weise ausgeblendet - von Käufern und Verkäufern.

 

Auch wenn viele von uns ihre alten (oder neuen) Otto-Motoren noch aufbrauchen werden, sollte man die (leicht ersetzbaren) einspurigen City-Fahrzeuge nicht verteufeln.

 

China-Roller waren außer im Preis nie was tolles, den Ärger, den man damit hatte, der wurde meist nicht mit berechnet. Wenn Du sagst, das es Europa bisher geflissentlich verschlafen hat, E-Roller herzustellen, dann sind die zarten Blüten doch jetzt zumindest ein Fortschritt. Piaggio hat die sündhaft teure e-Vespa (Elettrica) im Programm und BMW versucht sich auch an Stromer-Zweirädern - die alle wesentlich teurer sind.

 

Ich bin gespannt auf den Test, auf die Vorzüge und auch auf die Beantwortung der offenen Fragen nach Recycling, Lebenszyklus und Müll.

 

Letzte Änderung: 18.04.2019