29.11.2016 07:16 von Markus Golletz

Motorrad Winterreifen und Anlas Capra X

 

Die Marke ist in Deutschland kaum bekannt, auf der Intermot hat Alpha Technik aber den Vertrieb für das türkische Fabrikat übernommen. Seit dem gibt es eine Menge Händler, die Anlas Motorrad/Roller-, Winter- und Enduroreifen liefern können. Wir haben uns Winter- und Enduroreifen einmal angeschaut. Der Capra X ist ab dieser Woche bei uns im Test.

 

Das Tauglichkeitsdiagramm liest sich vielversprechend, der Fahrkomfort im Gelände soll ähnlich gut wie auf der Straße sein. Das Capra Profil erinnert etwas an den Scorpion Rally von Pirelli, ist aber noch etwas offener gestaltet. Etwas widersprüchlich wird es bei der Lautstärkeentwicklung, die zwar verbessert, aber laut Diagramm hoch sein soll. Das werden wir schnell in der Praxis herausbekommen.
 
Anlas spricht von einer hohen Leistung auf ‚Asphalt, Kies, Schlamm, Sand und Steinen‘, der Hinterreifen sei gar durch Verstärkungen mit Aramiden mehr beständig gegen Risse, Schnitte und Verschleiß – das wäre ein Plus für die harte Gangart. Stabilität, Nassbremsverhalten, Handling und auch die Alltagstauglichkeit stehen dann für uns auf dem Testprotokoll, zu dem wir in SWM Blog gerne berichten wollen. Der Capra X hat die für Enduroreifen übliche M+S (Matsch und Schnee) Kennzeichnung, die einem bei Schnee vor unangenehmen Strafen wegen der situativen Winterreifenpflicht entbindet.

Testbeginn

Nachdem der die Beschichtung abgefahren ist, ist deutlich mehr Griß als bei den Pirelli Skorpion MT 90 zu spüren. Hier wiederum besonders auch bei leichter Feuchtigkeit (Regen gab es noch nicht) und Kälte. Wir sind schon gespannt, wie sich der Grobstoller bei Schnee macht. Der Silica Anteil ist deutlich zu merken. Auf die SWM gehören sonst nur 140/80er Reifen, aber dieser 150/70 passt sich dann sehr gut an und ist nicht breiter, als ein 140 mm Reifen. Das Profil erscheint dann sehr weit an den Flanken hochgezogen. Vom Fahrgefühl haben wir noch keine Nachteile entdeckt. Noch auf den ersten 100 km kann der Capra X auch bei Trockenheit auf der Straße überzeugen. Das Rutschen des Pirellis beim beschleunigen aus der Kurve ist einfach wie weggeblasen. Der Eindruck setzt sich zunächst auch bei feuchter Straße fort. An den großen Profilblöcken sind nach 15 km schon runde Kannten zu erkennen. Ein Anzeichen dafür, das man die Haftung mit hohem Verschleiß erkauft? Dieser Schluss wäre verfrüht.
 

Die neue Reifengeneration ist bei Nässe um längen besser, als alle Reifen, die wir vor 5 Jahren noch gelobt haben. Der neue Capra X gehört dazu.

 

Winter: Im Januar gibt es nun des öfteren Bodenfröste, die der Capra X gut meistert. Wunder kann man auch nicht erwarten, aber auf dem Testmotorrad, der SWM mit 54 PS und ohne Ruckdämpfer im Hinterrad, ist der Fahrbahnkontakt doch sehr direkt. Ich kann mich selten daran erinnern, das ein Reifen so gut mit widrigen Straßenverhältnissen klar kommt wie der Capra X. Bei Reifglätte und Eis ist natürlich absolute Vorsicht geboten. Von der Mischung kommt der Capra X dem auch sehr guten, aber straßenorientierten Conti TrialAttac II sehr nahe.

 

 

Nach gut 600 km sind wir hinten bei 7,5 mm Profiltiefe angekommen. Leider überwiegend auf schnellen, teils reif-glatten Straßen. Im Gelände macht der Reifen einen weichen Eindruck, sorgt aber für gute Traktion auf Feldwegen. Auch mit Frühlingsbeginn 2017 hält sich der Reifen wacker.  Weitere Beritte stehen derzeit noch aus. Die Zeichen stehen auf überfrorenen Sand :o).

25.04.2017: nach rund 1200 km hinten 7,5-9 mm, vorne 7 mm. Kaltes Frühlingswetter, feucht. Der Reifen gibt Sicherheit, kann aber beim scharfen Beschleunigen bei Nässe auch mal durchdrehen. Regen ist halt immer so ein Kriterium. Ich bin aber noch zufrieden. Dass man mit dem Capra X aber einen KTM 690 bändigen könnte, glaube ich jetzt nicht mehr.

Testende Juni 2018. Restprofil hinten: 3,2 mm, LAuflaeitung 4200 km. Mittelrille der Profilblöcke war weg und damit büßte der Reifen auch einen Teil seiner Offorad-Fähigkeiten ein. Urteil: Bei Regen besser, im Gelände etwas schlechter als Conti TKC 80 und ähnliche Reifen wie Metzeler Karoo 3. Haltbarkeit nur mäßig. Dafür erkauft man sich zu anfang den guten Regengrip. Vorderreifen noch gut.

 

tl_files/picts/04_motorradequipment/Reifen/Anlas/Anlas_Capra_X (1).JPG


Bisher lieferbare Größen:

vorne:

  • 130/80 B 17 M/C 65R TL M+S
  • 110/80 B 19 M/C 59Q TL M+S
  • 120/70 B 19 M/C 60T TL M+S
  • 90/90 B 21 M/C 54T TL M+S (Profiltiefe 6,5 mm) Preis: 62,94€



HINTERREIFEN:

  • 140/80 B 17 M/C 69R TL M+S
  • 150/70 B 17 M/C 69Q TL M+S
  • 170/60 B 17 M/C 72T TL M+S
  • 150/70 B 18 M/C 70T TL M+S (Profiltiefe 10 mm) Preis: 114,20 €, bei alpha-Technik
  • weitere Größen: Alphatechnik

 

Welche Winterreifen für Motorräder gibt es eigentlich?

Bei Anlas ist es auch der neue Winter Grip 2 / Plus mit Lamellenprofil, bedingt auch der Capra X. Deutlich größer ist das Angebot an Roller-Winterreifen: Conti hat für Roller den Conti Move 365 im Programm und Heidenau setzt seit Jahren auf die Snowtex Reifen-Technologie. Metzelers „Feelfree Wintec oder Michelins City Grip Winter und IRC Urban Snow Reifen helfen ebenfalls, den Winter mit kleinen Rollerreifen zu überstehen.

 

 

2018: das Alpine-Symbol auf Reifen löste die bisherige situative Winterreifenpflicht, auch für Motorräder, ab. Bisher gibt es dafür aber keinen Prüfzyklus.

 

 

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Kommentar von Griesi | 30.11.2016

Was ist mit den Silica-Winterreifen von Heidenau, gibt es die nicht mehr?

Antwort von Markus Golletz

Hi Grisi,

Meines Wissens gibts es noch Heidenau Silica Reifen, die heißen dann z. B. HEIDENAU K 60 M+S SiO2. Meiner Erfahrung nach, waren die aber sehr weich und dann sind sie, wenn es trocken ist, schnell wegradiert. Silica allein verbessert hauptsächlich den Nassgripp. Richtige Winterreifen, die es aber meist nur für Roller mit geringem Geschwindigkeitsindex gibt, haben auch ein Lamellenprofil, wie bei Auto-Winterreifen. Bisher gab es die aber nnr für Roller. Die Kennzeichnung M+S ist dabei leider nicht sehr aussagekräftig.

Lieben Gruß,

Markus

Letzte Änderung: 18.04.2019
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