13.03.2020 09:35 von Markus Golletz

Nitschke-Funke-Syburger?

Nitschke Funke Syburger?
Nitschke Funke Syburger?

 

Was tun, wenn man aus der Zeitung erfährt, das 'man' verkauft wurde? So geht es derzeit den Motorradzeitungen des Nitschke Verlags (Tourenfahrer, Motorradfahrer, MotorradAbenteuer). Die langjährigen Mitarbeiter wussten zunächst nichts davon. Die Funke Mediengruppe informierte. Auf der Motorradmesse in Dortmund war dazu noch nichts bekannt, beim Syburger Verlag wusste man nur, das der Markt sich gerade neu mischt und formiert, aber die eigenen Blätter sich behaupten und zu den 'Gewinnern' gehören würden. Für viele Mitarbeiter scheint die mittelfristige Zukunft ungewiss. Fehlende Möglichkeiten der mit vielen Freiberuflern arbeitenden Redaktionen, verschärft auch durch die Corona-Krise, tragen ihren Teil dazu bei.

 

Selbst Chefredakteur Herbert Schwarz scheint überrascht:

 

 

Was also passiert mit TF, MR und MA? Dazu hier ein paar spekulative Aussagen. Der Tourenfahrer ist ein sehr konstant existierendes Medium, das sich an ältere Motorradfahrer mit Touren-Ambitionen und Komfortanspruch richtet. Über die Jahre hat sich das etwas verändert, erst mit Erscheinen des dritten Nitschke Motorrad-Titels MotorradAbenteuer (früher: On'Rout: Thomas Trossmann, Enduro Abenteuer: Andreas Reimar, heute: Andreas Hülsmann) wanderten die Reiseartikel mit mehr Abenteuer Charakter ins eben jenes Magazin. Der Motorradfahrer beschäftigte sich ursprünglich schwerpunktmäßig mehr Zweizylindern und der Motorradszene. Dabei fand auch TF Material Verwendung. Insgesamt arbeiten alle drei Titel natürlich synergetisch zusammen.

 

Vielleicht kann man aufgrund zurückliegender Erfahrungen sagen, das die Nitschke Magazine über das Jahr 2020 zunächst erstmal so weitermachen, doch dann kann man mit einer Neuordnung rechnen. Wir hoffen, das möglichst viele Titel überleben, denn die letzten Monate mussten die Motorrad-Printmedien schon ordentlich Federn lassen: Ride On Magazin, Craftrad, Roadster, MCN, der Huber-Verlag, et cetera.

 

In Zeiten, in denen man aus der Presse erfährt, das der Arbeitgeber gerade gewechselt hat und in dem sich der Blätterwald schnell und immer schneller ins Digitale transformiert, ohne, das die Urheber mit ihrem sorgfältig recherchierten Content dafür anständig entlohnt werden, wird man nach besseren Lösungen suchen müssen. Veränderung ist gut, nur solle man als Konsument nicht dem Irrglauben aussuchen, das man sich mit ein paar Klicks im Internet seine Informationen für Reise etc. für immer und ewig gut recherchiert und kostenlos zusammenstellen könnte. Der Unterschied zwischen unabhängig recherchierten Inhalten und Werbebotschaften oder Influencer-Medien ist doch die Ausgewogenheit und der hinterfragende, kritische oder investigative Journalismus, wie ihn nun möglichst unabhängige Redaktionen produzieren können. Klar gibt es gerade viel davon auch gratis, aber seinen wir ehrlich, wie soll das gehen, ohne Werbung oder wahlweise Bezahlschranken?

 

Wir hoffen, das die Vielfalt im Blätterwald bestehen bleibt und vor allem, das auch ein professionelles Enduro-Reisen-Abenteuer Magazin wie die MotorrradAbenteuer überlebt.

 

Aus anonymer Quelle gibt es noch weitere Einschätzungen: das vom Nitschke Verlag die meisten Reporter übernommen werden, das es aber auch im Laufe des Jahres eine Bereinigung des Blätterwald geben könnte. Ein, zwei weitere Magazine würden dann auch aus dem Syburger Korb wegfallen, alles aber vorbehaltlich der kartellrechtlichen Prüfung.

 

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Kommentar von Peter M. | 14.03.2020

Hallo Markus!
Ja, wenn die eigene Firma verkauft wird und man das als Mitarbeiter erst aus den Medien erfährt... das macht keinen Spaß!
Aber von der Funke Medien Gruppe zu Syburger verkauft zu werden, kann ja auch was gutes werden... ;-)
Die Auflagen aller Motorradzeitschriften sind in den letzten 10-15 Jahren massiv eingebrochen. Wer glaubt, das würde sich irgendwann ändern, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.

Die "Corona-Krise" wird das ganze nur noch beschleunigen... Wenn (nach Experten-Meinung) 25% "der Alten" von Corona weg gerafft werden, dann betrifft das natürlich auch ganz viele Motorrad-Fahrer. KTM Fahrer wohl weniger, Honda und Yamaha schon mehr, BMW massiv und Harley... gibt´s denn Harley-Fahrer unter 60?
Die Jungen haben keinen Motorrad-Führerschein, werden auch keinen machen und Motorräder ohne "riding assist" können sie nicht fahren, weil nie gelernt!

Zum letzten Abschnitt deines Beitrags...
"Informationen für Reise etc." nur mit Internet-Recherche...
Ja, das geht, mache ich seit 10 Jahren immer so und das funktioniert.
Motorrad-Zeitschriften (aus dem Motorrad-Einheits-Presseverlag) kaufe ich schon ewig nicht mehr, höchstens das ich mal auf dem MRT ein Paar mitnehme. Die werden da ja stapelweise verschenkt.
Wenn im Winter die bekannten Hersteller BMW, Honda, Yamaha, KTM, Ducati ihre neuesten "Elektronik und Plaste-Motorräder" in Südspanien und Portugal präsentieren, dann sind nicht nur die üblichen Red. dabei, sondern auch diverse Blogger und YouTuber...
Die anschließend produzierten Artikel, Videos und Blogs sind dann auch identisch.
Der Hersteller ist der beste, das neue Motorrad phantastisch und das sollte man, muss man sie unbedingt kaufen!
Kritik Fehlanzeige!
Sich so einen Mist im Internet anzusehen ist schon übel, dafür aber auch noch am Kiosk 5€ zu bezahlen... niemals!
Ein Reiseenduro-Test ohne Reise, ohne Gepäck... in einer geführten Tour hinterm Tourguide wie die Lemminge durch die Gegend eiern... am Abend im Hotel dann auf Spesen feiern und zurück in Deutschland einen einseitigen Artikel absondern...
Brauche ich nicht, muss ich nicht lesen!
Btw: Den mit Abstand miesesten "Enduro-Test" haben sie bei 1000ps.at produziert... mit dem Motorrad faxen gemacht: Wheelie, Stoppie, Burnout bis... irgendwann der Hinterreifen platt war... Unterhaltungswert:100%
Nutzwert: 0%

Antwort von Markus Golletz

Peter,

danke für Deine Analyse und mir geht's ein wenig wir dir, deshalb bin ich auch kein Tourguide oder auch kein Händler, der gegen Profit verkaufen muss und entsprechend seine Beratung auf profitables abstimmen muss.

 

Aber ich biete meine Recherchen umsonst oder seit 20 Jahren zum Dumpingpreis den Verlagen an. Die Form der Veröffentlichung (digital / analog) ist dabei nicht so wesentlich, nur das dahinter auch Überlegungen und Arbeit stecken, die logischerweise entlohnt werden müssen. Wer Journalismus ehrhaft und eben so betreibt, das man unabhängig bleibt, leistet einen Beitrag zur Aufklärung und und am Ende zur Demokratie. Im Internet kursieren viele gut-geredete und gekaufte Informationen, aber eben auch die von echten Journalisten. Von uns Journalisten geben auch viele diese Infos als Teaser oder umsonst ab. Die +Angebote (Paywalls, Bezhalschranken) poppen aber auch überall auf uns sind sicherlich notwendig.

 


Angesichts der Masse und wenn man gut zwischen gekauft oder realistisch unterscheiden kann, kann man auch ganz gut durchkommen. Klar gibt es auch Raubkopien und klar verdienen die Verlage überproportional und die Urheber unterirdische wenig. Darum geht es eher.

 

1000PS.at z. B. gehören zu den abhängigen der Branche, die vieles gutreden weil sie eine Vielzahl von Verkaufsportalen am Start haben, die sie bedienen wollen oder müssen. Trotzdem arbeiten da Journalisten, die eine gewisse Kompetenz haben. Ein ziemlicher Spagat also.

Was ich sagen will: Wenn wir überhaupt noch etwas realistisches, ungesponsortes lesen wollen, müssen wir Wege finden, bei dem diese Journalisten noch eine Verdienstmöglichkeit haben.

Lieben Gruß aus dem Corona-Homeoffice mit kleinen Kindern,

Markus

Letzte Änderung: 18.04.2019
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