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Hanwag Fjäll Extreme 2012

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Kettenöler im MR-Test:

Pumpe oder Unterdruck?

Wenn es wie geschmiert laufen soll ...

Permanente Kettenschmierung bei Motorrädern geht im Sprachgebrauch beinahe synonym mit dem Scottoiler. Diese Marke ist besonders lange am Markt, doch haben sich in den letzten Jahren noch andere Anbieter etabliert. Für Scottoiler gibt es viel Zubehör und eine große Community.

Doch was sind die generellen Vorteile der permanenten Kettenschmierung? In der Praxis sind Motorradketten hoch beansprucht und meist stark Wind und Wetter ausgesetzt. Wer mal ein schlecht geschmiertes Motorrad geschoben hat, weiß wovon die Rede ist: an die Qualitäten der permanenten Kettenschmierung kommt kein Kettenspray heran. Kettenspray klebt oft den Schmutz an der Kette fest, wird zu spät oder mit zu kurzen Ablüftzeiten aufgetragen und hat damit einen eindeutigen Systemnachteil. Bei der permanenten Kettenschmierung werden relativ banale Schmierstoffe verwendet (meinst Motoröl mit Additiven), doch die permanente Schmierung hat den Vorteil, dass das Räderwerk niemals richtig trocken läuft und dass nur wenig Schmutz haften bleibt. Das Abschleudern von Schmutz und etwas Schmierstoff kalkulieren viele Anbieter einfach ein. Die extremste Form der permanenten Kettenschmierung, der Ketten- oder Fettkasten beweist, dass ein gekapseltes System sogar noch mehr kann: Die Ketten von MZ oder Hondas Ecobike Innova sind schmale Ketten ohne O-Ringe und halten trotzdem ewig.

Laut Scottoiler lässt sich die verminderte Reibung durch permanente Kettenschmierung sogar messen und in Spritersparnis umrechnen: Simone Egelhof (Scottoiler) spricht von messbaren 3,6 weniger Spritverbauch. An einem Testmotorrad stellten wir sofort eine verlängerte Reichweite fest: Mit dem Rehoiler lief die CCM 404 DS satte 20 Kilometer länger im Schnitt.

Mitstreiter im Reigen der automatischen Kettenöler sind (nur exemplarisch, es gibt viele mehr) CLS, McCoi und der nicht kommerzielle Rehoiler. Als Exoten haben wir die Graphitschmierung von der Firma Schunk im Programm. Hier sind allerdings noch nicht genügend Testkilometer zusammengefahren. Nur so viel: Bei der Schunk Feststoffschmierung läuft die Kette über verschiedene Kettenschleifer und wird so durch den Abrieb des graphithaltigen Materials geschmiert. O-Ringe nehmen davon keinen Schaden, nur ist der Schutz gegen Rost noch nicht geklärt.

MR testet ausgiebig die Scottoiler Produkte e- und vSystem, den CLS 200µ von Heiko Höbelt und den Rehoiler von Detlef Axon. McCoi taucht nur als Bausatz exemplarisch auf: es ist eines der ausgefeilten Systeme mit Platine, bei dem eine Menge handwerkliches Geschick vorausgesetzt wird.

Funktionsweisen: Pumpe oder Unterdruck?


Wie kommt das Öl möglichst dosiert auf die Kette? Während ältere Systeme entferungsunabhängig und per Unterdruck arbeiteten (Scottoiler vSystems), sind fast alle neueren (und teureren) Öler auf eine Dosierung mit einer elektrischen Pumpe ausgestattet. Die Unterdruck-Öler bekamen ihr Signal direkt aus dem Ansaugstutzen des Motorrades, aus dem Unterdruckschlauch des Vergasers. Das ist eine einfache und zuverlässige Funktionsweise, die allerdings nur Drehzahlabhängig (nicht zwangsläufig Geschwindigkeitsabhängig) und auch im Stand mehr oder weniger ölt. Auch ist die Tropfengröße nicht genau definierbar, was den Öler mit einem anderen Problem konfrontiert: Die Öle ändern temperaturabhängig ihre Viskosität, was bei Unterdrucksystemen zwangsläufig zu einer ungenau kalkulierbaren Ölabgabe führt: sprich: veröltes Hinterrad. Scottoiler hat sich dem Problem angenommen und Öle verschiedener Viskosität entwickelt, sogar einen Durchflussbegrenzer, um den Ölfluss bei warmen Wetter zu reduzieren. Der Anbau bei Einspritzmotorrädern ist vermutlich nicht ohne weiteres möglich.

Heiko Höbelt (CLS) zitiert hier gerne, das von Mitbewerbern verkauften Öle bei Unterdrucksystemen extreme Probleme mit sich bringen (s.u.), was Scottoiler dementiert.
Die aufwändigeren Systeme mit Pumpe (alle anderen außer Scottoiler vSystem) bringen unabhängig von der Viskosität einen genau definierten Tropfen auf die Kette. Unterscheidungen sind, ob die Öler mit oder ohne einer Entfernungsmessung und damit Wegstrecken abhängig ölen.

Scottoiler vSystem

Das alte, mehrfach überarbeitete System besteht im wesentlichen aus einem Öltank, Schläuchen und einer Unterdruckregelung, die das System an- und ausstellt. Gleich bei allen Systemen sind die Schläuche, die in einem flexiblen Hartplastikschlauch (McCoi: Injektionsnadel) am hinteren Kettenrad in der 7-Uhr-Position münden. Dort wird laut Scottoiler die beste Position für die Ölung erwartet. Den Einbau des vSysteme sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn trotz farbiger Einbauanleitung gibt es kleine Fallen. So muss beim vSystem (V) das Reservoir mit der Mündung nach unten zeigend eingebaut werden, beim elektronischen eSystem (E) zeigt sie hingegen nach oben und hat ein Rückschlagventil. V arbeitet unabhängig von Temperatur und Geschwindigkeit und muss deswegen am Reservoir mit einem Handhebel eingestellt werden. Wegen temperaturabhängigen Viskositätsschwankungen stellt Scottoiler, je nach Jahreszeit und Einbauposition drei verschiedene Öle bereit und einen Durchflussbegrenzer minus 15-25% der Ölmenge) als Zubehör bereit. Entscheidend für die emittierte Ölmenge ist aber auch, wo das Ölreservoir angebracht ist und wie warm es wird. Auch wenn man den Regler ganz zurückschiebt, ist V an warmen Tagen nicht das sparsamste System. Es funktioniert aber gut und unauffällig.

Derzeit günstig wird das vSystem in einer im Umfang reduzierten Ausstattung in einer 100 EUR Louis-Edition angeboten. Systeme mit einer elektrisch geregelten Pumpe (eSystem, CLS-Systeme u.a.) sind deutlich teurer, erfordern aber weniger Wartungseinsatz. McCoi verbaut sogar einen Regensensor und der Rehoiler (kein Serienprodukt) lässt sich gar mittels Software programmieren.
Noch etwas: Durch den erwirkten Kraftstoffverbrauch, so Scottoiler, hat man in der über 25-jährigen Firmengeschichte seinen Kunden zwischen 7,4 und 9,8 Millionen Euro an Sprit gespart, so Simone Egelhof.

Scottoiler eSystem

Das elektronische eSystem mit Lenkerdisplay und Pumpe ist eine konsequente Fortentwicklung des vSystems. Im Display kann eine Tropfrate zwischen alle 20-180 Sekunden eingestellt werden. Auch bei E können die unterschiedlichen Scottöle verwendet werden, die aber keinen Einfluss mehr auf den Verbrauch haben. Das System schaltet sich automatisch mittels eines Sensors, der auf Vibrationen reagiert an und aus. Geregelt wird per Lenkerdisplay, in dem man in einem Setup auch Einstellungen für die Tankgröße und die Vibrationssensor-Empfindlichkeit tätigen kann. Im sommerlichen Testzeitraum zeigte sich, dass beide Scottoiler relativ viel Öl auf die Kette bringen. Das richtige Öl und/oder der Durchflussbegrenzer bringen Abhilfe. Auf der Scottoiler Homepage finden sich zahlreiche detaillierte Einbaubeschreibungen. Muss das Öl-Reservoir befüllt werden, lautet der MR Tipp: Handschuhe anziehen und mit einer großen Injektionsspritze & Schlauch den Tank befüllen.

Die verschiedenen Scottöle:

  • „Traditional Scottoil“ (blaue Farbe), Einsatzbereich ca. 0°C bis 30°C.
  • „High Temperature Scottoil“ (rote Farbe), Einsatzbereich ca. 10°C bis über 30°C, (enthält mehr Haftvermittler)
  • Weiter ist ein ‚inoffizielles‘ Winteröl für Temperaturen unter dem Gefrierpunkt lieferbar.
  • Zubehör: Dual Injector Düse für beidseitige Kettenölung

 

CLS-Öler

Heiko Höbelt ist der Erfinder der CLS-Öler. Sicherlich hat er von der Scottoil-Erfahrung profittiert (und umgekehrt), weshalb er zwei ausgereifte Ölsysteme auf den Markt gebracht hat. Seine Öler glänzen durch ausgefeilte Komponenten und beim CLS speed durch eine wegabhängige Dosierung. „Zwischen 10°C und 30°C verändert sich die Viskosität eines normalen Öls um 410 %. Das bedeutet die Ölabgabe schwankt sehr stark mit der Temperatur. Schon von 20°C auf 25 °C verdoppelt sich der Ölfluss,“ sagt Heiko Höblet und deswegen war von vornherein klar, das es von CLS kein Unterdrucksytem ohne Pumpe geben wird. Der CLS-Öler kommt (wenn richtig kalibriert, wie Heiko betont) mit 1 ml /100 km aus. „Das ist etwa 1/4 dessen, was ein Scottoiler mit Unterdruckanschluss verbraucht und immer noch deutlich weniger als das neue eSystem.“

Den CLS 200µ Öler kann man entweder mit einem gerasterten Drehschalter oder durch ein sehr filigranes Tastendisplay bedienen. So ist auch während der Fahrt Kontrolle über den Ölfluss z.B. bei Endurofahrten, Regen und längeren Hochgeschwindigkeitsstrecken gegeben. Nach seiner Meinung ist die Ölung bei Regen nicht so maßgeblich, weil durch den starken Wasserstrahl das Öl quasi immer sofort abgewaschen wird. Durch den Regen ist die Kette wenigstens gut gekühlt. Allerdings ist unmittelbar nach dem Trockenfahren eine intensive Ölung notwendig.

Bei der Ausführung CLS Speed wird die gefahrenen Geschwindigkeit über einen Sensor automatisch erfasst und der Ölfluss geschwindigkeitsabhängig gesteuert. Für sportliche Fahrweise ein Vorteil, da das System starke Schwankungen bei der benötigten Ölmenge selbst ausgleicht.

CLS bietet ohne Aufpreis drei Tankgrößen von 100 ml, 150 ml und 250 ml wahlweise an. Damit hat man eine sehr hohe Reichweite und der mitgelieferte Liter Spezialöl reicht für etwa 100 000 km aus, so Heiko Höbelt. Die Speedsteuerung (CLS speed) ist für Motorräder interessant, die sportlich gefahren werden. Sprich der Geschwindigkeitsbereich stark schwankt. Für Enduros hält Heiko Höbelt die aufwändige Steuerung eher nicht für nötig. Außerdem besteht im Offroadeinsatz die Gefahr, dass man den Sensor abreißt.

‚Rehoiler‘

Detlef Axon aus Rehburg hat den ‚Rehoiler 3.9‘ konzipiert, der als Bausatz und nicht kommerziell angeboten wird. Der Bausatz besteht aus einer Stückliste, einer Anleitung, einer Hochleistungspumpe, allen Kleinteilen und einer Platine samt Box, in der sie verschwindet. Etwas Geschick beim Löten und montieren muss man selber beisteuern. Dabei wird der Öler fast zum Selbstkostenpreis abgegeben.
Detlefs Meinung nach ist die temperaturabhängige Viskositätsänderung das größte Problem aller Kettennöler, deswegen hatten seine ersten, nicht wenig aufwändigen Versuche mit Magnetventilen von der Erkenntnis überzeugt, dass auf eine elektrische Pumpe und eine Streckenmessung nicht zu verzichten ist. Ideal für die Schmierung ist seiner Meinung nach einfaches Kettensägenhaftöl auf Mineralöl-Basis: es hat gute Hafteigenschaften und ist auch für den Winterbetrieb ausgelegt. Das biologische Haftöl ist leider ungeeignet, weil es zum Verharzen der Leitungen und Düsen neigt und Dichtungen angreift.

Der Anbau gestaltet sich einfach, alle Teile besonders die Pumpe, sind sehr robust. Selbst der Schlauch ist ein 5 mm Pneumatikschlauch von großer Stabilität. Die programmierbare Elektronik des Rehoilers (für Updates: Prozessor einschicken oder den offenen Programmcode selbst prompten) bietet einige Raffinessen: Einen Modus, in dem sich der Öler selbst entlüftet, die Möglichkeit Zeit- oder Streckenabhängig zu Ölen und die Möglichkeit manuell die Schmiermenge zu verdoppeln. Das System hat auch einen Notfallmodus in dem es erkennt, dass kein Entfernungssignal mehr kommt. Dann wird in den Zeitmodus geschaltet. Letztendlich ist der Rehoiler sogar frei programmierbar. Das letzte Update der Version 3.9 bescherte dem Rehoiler einen Kurzstreckenmodus: Egal wie lange man fährt, zu Beginn gibt es erst mal einen Pumpenstoß (und damit einen 0,1 ml großen Tropfen). Der Rehoiler verfügt auch über eine lernfähige Reserveanzeige: Wenn nur noch wenig Schmierstoff im Tank vorhanden ist, blinkt die grüne Cockpit LED. Im Lernmodus ‚lernt‘ der Öler, nach wie vielen Pumpimpulsen der Öltank leer ist … das alles ist sehr durchdacht und erspart einen automatischen Regenwetter-Modus: Bei Geländefahrt und bei starkem Regen kann man mit einen Kippschalter einfach die Ölmenge verdoppeln…

Fazit:

Alles Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Technik-Freaks haben unbeschränkte Möglichkeiten sich auszutoben, man kann aber auch für 100 EUR einfach bei Louis ins Regal greifen. Den Einbau sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen (besser: einen Schrauber hinzuziehen). Danach genießt man alle Vorteile der permanenten Kettenschmierung: Saubere Finger, lange Wartungsintervalle, weniger Spritverbrauch.

Preise:

Scottoiler vSystem: 99-139,90 €, eSystem 259,9 €
CLS 200µ 219 EUR, CLS Speed 259 EUR
Rehoiler: ca. 70 EUR (Bausatz)
McCoi Deluxe: 130 EUR (Bausatz)

Kommentare zum Test

Kommentar von Daniel B | 06-09-2010

Hallo zusammen,

ich nutze selber den Rehoiler aus Rehburg und muss sagen dass ich begeistert bin. Der gute Mann steht einem immer zur Seite. Egal ob eMail oder Telefon. Der Preis ist unschlagbar und der Bausatz beinhaltet alles was ich und WIE ich es benötige (zum Beispiel keinen Regensensor). Alles in allem spreche ich hoffentlich nicht nur für mich, dass der Rehoiler ein nahezu unschlagbares Preis/Leistungsverhältnis hat + Selbstaufbau.
Viele Grüße,
Daniel

Kommentar von Franz K | 01-10-2010

Hallo,

Ich habe ebenfalls den Rehoiler an meiner CBR100rr und meiner Frau Ihrer Z750s im Einsatz. Auch wir können nur bestes Berichten. Das Preis/Leistungsverhältnis ist nicht zu toppen. Sicherlich ist ein wenig handwerkliches Geschick erforderlich. Dafür wird man aber mit einer durchdachten und praktikablen Lösung belohnt. Dazu kommt dass Herr Axon immer sehr kurzfristig auf Fragen und Vorschläge reagiert. Spitze weiter so!
Viele Grüße Franz

Kommentar von Arne | 12-04-2011

Moin zusammen,
ich nutze jetzt seit 4 Jahren den CLS200 von Heiko an einer Varadero XL1000. Ölverbrauch ist minimal und die Kette ist auch nach unbefestigten und staubigen Pisten immer gut geölt. Mit dem 150ml Vorrat an Öl komme ich gut 7-10 tkm weit. Die letzte Kette hat 52000km gehalten. Sie hätte sicherlich noch länger gehalten. Die O-Ringe und alles andere war noch tadellos. Nur der TÜV hätte an der Längung und dem etwas stärkerem Spiel nicht seinen Segen gegeben. Deshalb der Tausch. Anstatt Heikos "Spezialöl" geht auch das teilsynthetische Kettensägenöl von Stihl. Dieses hat m.E. die gleichen Eigenschaften. Und da ich es auch für meine Sägen nutze und es eh schon vorhanden ist - bei den benötigten Mengen Quasi Kostenlos :-)
Grüße Arne