Hybridnavigationsgerät TwoNav Aventura im Test

Das Display trocknete wieder und ist wieder voll funktionsfähig
Belanglos: temporärer Wasserschaden nach Gewitterregen ...

Die Schokoladenseiten des Abenteurers

von Markus Golletz ©

 

Mit dem Two Nav Aventura ist seit Juni 2009 ein richtungweisendes GPS-Gerät auf PNA-Basis auf den Markt gekommen. Es stammt von dem in Deutschland noch wenig bekannten, spanischen Hersteller CompeGPS. Herausragend sind seine Qualitäten und die Vollausstattung, die es für On- und Offroad-Touren qualifiziert. Als Clou dazu serviert CompeGPS die Fähigkeit, gescannte Karten (Raster-Karten) mit topografischen oder beliebigen anderen gescannten Karten zu laden. Diese können auch als Layer (halbtransparent) unter digitale Karten gelegt werden. Gut ablesbar unter allen möglichen Bedingungen ist auch das helle, transflektive Touchscreen Display.

 

Inzwischen [2018] ist ein neuer Aventura erschienen. Ein Testgerät ist angefragt.

Die Handhabung: ‚omnifunktionell‘

Überhaupt hat das Aventura ein relativ offenes und durchsichtiges Betriebssystem. Auch bei Bedienung und Handhabung geht CompeGPS besondere Wege: das Aventura ist wahlweise über den Touchscreen, über (motorradfreundliche) Bedienknöpfe, mit einem Stylus oder über ein Joystick zu bedienen. Da bleibt kein Wunsch offen. Das Display kann sogar noch von quer auf hochkant umgeschaltet werden.

Die Speicherkapazität ist über herkömmliche SD-Karten (bis 32 GB) beliebig erweiterbar. Routen und Tracks können direkt in der Kartenanzeige auf dem Gerät geplant und sichtbar geschaltet werden (TRK- und RTE-Dateien werden eingelesen). Damit beherrscht das Aventura auch die Tracknavigation (im Kontextmenü in der Trackverwaltung nach ganz unten herunterscrollen!). Aus den Aufzeichnungen kann Aventura in einem getrennten Layer das Höhenprofil anzeigen. Die Akkus (3000 mAh) halten meist über 10 Stunden, besonders, wenn die Beleuchtung des Displays bei Nichtgebrauch abschaltet (Hold-Taste länger drücken) oder abgedimmt wird. Geladen wird über USB oder mit einem Netzadapter. Zum Anbringen am Motorrad gibt es bei Touratech vibrationsgedämpfte Halterungen. Außerdem sind zahlreich freie und kommerzielle Karten auf dem Markt.

Natürlich gibt es auch Eigenheiten und kleinere Nachteile gegenüber Garmin-, TomTom-, Becker-Geräten: Die Sprachausgabe ist über den (wasserfesten) nicht regulierbaren eingebauten Lautsprecher sehr leise, dafür über Kopfhörer um so lauter. Nicht 100-prozentig klar ist die IPX Elektrogeräte-Kennzeichnung in Punkto Wasserdichtigkeit. Ob IPX 4 oder 7, es wurden in Foren einige Fälle von Wassereinbrüchen bekannt. Das könnte sogar schon bei einem Gewitterschauer passieren. Laut Hersteller sind Schäden auf eine fehlerhafte Einzel-Serie zurückzuführen. Wenn nötig, werden solche Geräte von CompeGPS gegen fehlerfreie Geräte getauscht, so die Firma VarioTek GmbH (dt. Vertrieb).
Die größte Baustelle ist derzeit die umständliche Wegepunkteverwaltung, der eine handhabbare Wegepunktesortierung fehlt. Wegepunkte werden lediglich in Ordnern zu teils langen, unsortierten Listen abgelegt. Es fehlen tatsächlich Sortiermöglichkeiten nach Namen oder nach Nähe zum Aufenthaltsort, ähnlich wie beim Becker Crocodile. Bei CompeGPS bzw. deren Vertrieb VarioTek GmbH hofft man, dass ab der nächsten Software-Version (Version 2.2) dieser Bug behoben sein soll.
Wünschenswert wäre auch ein Zwischenziel-Routing bei laufender Navigation, um kurzfristig auf die eigenen Wünsche und die Routenführung Einfluss zu nehmen.
Die Stromversorgung am Motorradbordnetz ist – wie heutzutage leider klassenüblich – über einen gegen Wasser ungeschützten Mini-USB Anschluss bewerkstelligt.
Die Bedienkonzepte sind zwar umfassend, nur macht die Eingabe von Zielen oder die Benennung von Wegepunkten mit der kleinen Touchscreen-Tastatur Probleme; auch ein Punkt, der abgestellt werden sollte.
Bei Dunkelheit muss man sich bei der Bedienung überwiegend auf Screen und Joystick beschränken, es sei denn, man kann die unbeleuchteten Tasten blind bedienen.
Gibt man zum ersten Mal ein Ziel mit Umlauten im Namen ein, sollte man sich nicht verunsichern lassen. Umlaute werden nicht aufgelöst, sondern einfach mit ‚normalen‘ Buchstaben geschrieben: Beispiel: Koln.

Firm- und Software

Ein Plus an Performance beim Einschalten brachte die neue Firmware der Version 1.3.59. Der (Kalt-) wurde damit auf fast 30 Sekunden (je nach geladenen Karten) verkürzt.
Beim Aventura muss man zwischen zweierlei interner Software unterscheiden: dem Firmware-Update und dem Software-Update. Die Firmware (1.3.54 und 1.3.59) betrifft unter anderem den GPS Empfang, bzw. die Startgeschwindigkeit des Aventura, die durch Updates bisher zweimal verkürzt wurde. Kleinere Softwareupdates gibt es bisweilen einmal pro Monat. Mit diesen Updates werden kleine Verbesserungen vorgenommen, bzw. Fehler beseitigt. Große Versionsupdates gab es bis jetzt erst eines (von V2.0 auf V2.1). Das nächste auf Version 2.2 ist in Arbeit und steht in Kürze bevor. Eine bessere Einbindung von Geocashing wird laut VarioTek erst ab Version 2.3 erwartet. Firmware-Updates werden regelmäßig auf der CompeGPS Seite veröffentlicht.
Der Empfang des SIRF III Satellitenempfängers ist als gut zu bezeichnen, auch wenn es unter den typisch widrigen Verhältnissen (wenn lange ausgeschaltet, wenn mehr als 100 km offline transportiert, bei Stillstand mit geringer Himmelsicht etc.) eine Weile dauern kann. Dabei unterscheidet es sich aber kaum von anderen Geräten. Meist ist innerhalb von 90 Sekunden ein einwandfreier Empfang vorhanden.

 

Karten und Zubehör

Die Kartenverwaltung CompeGPS Land 7.0

Die neue Version der mitgelieferten Kartenverwaltungs-Plattform hat ein ansprechendes Outfit und eine zeitgemäße, funktionelle Oberfläche mit vielen sinnvollen Funktionen. Wer Garmin Software gewöhnt ist, wird sich etwas umgewöhnen müssen.
CompeGPS verwendet routingfähige Vektorkarten von Teleatlas und Rasterkarten aus eigener Produktion. Darüber hinaus gibt es zahlreichen Internetquellen. Auch Kompass, Touratech oder die Swiss TOPO bieten kompatibles Kartenmaterial. Selbst Satellitenbilder können verwendet werden. Touratech bietet das Aventura exklusiv in verschiedenen Ausstattungen an. Dabei gibt es eine detaillierte topografische Karte Deutschland

in 1 : 100 000 (mit Höhenmodell Europa) nur bei Touratech mit dazu. Das Aventura wird dort immer mit der topografischen Karte und wahlweise mit TeleAtlas Karten von Westeuropa oder D-A-CH Karten (routingfähig) angeboten.

CompeGPS Land/Air 7.0 ist kostenpflichtig, kann aber zur Probe auch kostenlos für 30 Tage aktiviert werden. Auf einem neuen Aventura ist entsprechendes Straßenkartenmaterial meist vorinstalliert und kann ohne Registrierung verwendet werden. Eine zweite Registrierung des Kartenmaterials ist auf einem weiteren Gerät möglich (Beispiel: Der Nutzer hat ein Zweitgerät (z.B. dem [Holux-]Sportiva) mit registriertem Straßenkartenmaterial). Im Lieferumfang des Aventura befindet sich beim Kauf ein „Promotional Code“. Mit diesem Code kann der Kunde das Kartenmaterial registrieren, freischalten und kleinere Updates downloaden.

Eine wahre Wonne ist es, mit dem Aventura auf einer 1: 25 000 Wanderkarte zu unterwegs zu sein. Dabei fällt auf, wie viele Details auf digitalen Karten verlustig gegangen sind. Ein reparables Manko (s.u.) bei manchen RMAPS’s [CompeGPS eigenes Rasterkartenformat] sind die fehlenden Zoomstufenunterteilungen, die wiederum fast alle Vektor-Karten bieten.
Für gekaufte (Teleatlas-) Karten werden Freischaltcodes verlangt. Eine gescannte Karte muss vor dem Upload auf das Gerät zuerst georeferenziert und in das richtige Dateiformat gebracht werden.
Auf dem Gerät und in der PC-Software lassen sich die Karten 3D-artig kippen, drehen oder, mit Höhendaten versehen, auch als plastisches Relief anzeigen. Tracks (*.TRK) und Routen (*.RTE) können am PC (auch auf dem Touchscreen) erstellt und auf das Gerät geladen werden. CompeGPS Land unterstützt am Bildschirm allerdings kein Autorouting. CompeGPS Land ist zum Erstellen und Planen gedacht, für die Autorouting-Navigation muss man dann das Programm TwoNav Tablet verwenden. Die Software ist von der Oberfläche nahezu identisch mit der geräteigenen Software.

‚Openstreetmaps-Eigenbau‘ auf dem Aventura

OSM Daten können zwar nicht direkt mit CompeGPS Land 7 geöffnet werden, aber mit diesem direkt aus dem Internet geladen und für das Gerät umgewandelt werden. Unter dem Menü „Karte öffnen“ findet sich ein Link zu Kartenservern, der es ermöglicht, freie Karten zu öffnen.
Angezeigt werden nach Eingabe einer URL Openstreetmaps (OSM), Google Maps oder andere Karten von WMS-Servern. Es können auch Karten-Interpretaionen von den Renderern CycleMap oder Mapnik eingeblendet werden. CompeGPS Land kann aus diesen OSM-Vektor-Karten in einem langwierigem Prozess Rasterkarten im Aventura Format (z.B. RMAP) generieren: Karte aus Internet öffnen > Auswahlwerkzeug > Kontextmenü: Karte erstellen > Format wählen, speichern]. Allerdings werden selbst für kleine Kartenkacheln lange Rechenzeiten fällig (Tage!).

Mit einer komplizierteren, aber schnelleren Methode können selbst freie Rasterkarten mit Zoomstufen (für angepasste Information pro Zoomstufe) erstellt werden. Dazu hier eine Anleitung mit dem MapTileCacher für Experten.

Raster oder Vektorkarte?

Einen ähnlichen Effekt erzielt man, wenn man die Hybridfunktionen des Aventuras benutzt: So können die verschiedenen Ansichten von Raster- und Vektorkarten auf dem Aventura mittels Transparenz und Layertechnik kombiniert werden.
Die Übertragung der freien Karten zum Gerät kann mit dem Programm CompeGPS Land, aber auch mit TTQV oder einem Dateimanager erfolgen. Lesbar sind die Formate ecw, vmap/rmap und imp.
Für den Aventura gibt es eine Vielzahl von kostenlosen Online-Rasterkarten. Zu Rasterkarten umgewandelte OSM-Vektorkarten lassen sich leicht und ohne Registrierung auf TwoNav Geräte übertragen. Mit Vektorkarten sieht es bisher schlecht aus. Es besteht das Problem der Konvertierung in das CompeGPS eigene Format. Es ist bisher noch nicht gelungen, POI’s und die Routingfähigkeit in das Vektorformat (VMAP) zu integrieren. Anders sieht das für OSM Maps bei dem CompeGPS Rasterkartenformat RAMP aus. Es findet sich aber auch eine Menge sehr guter, schon fertiger Rasterkarten im Netz.

 

Der Support

Der Aventura Support funktioniert über verschiedenen Foren oder direkt über CompeGPS, doch wird hier schnell Englisch oder gar Spanisch gesprochen.
Touratech scheint eng mit dem spanischen Hersteller zusammenzuarbeiten, denn auf der Quo Vadis Homepage und im TT-Forum liest man viel von dem GPS-Neuling. Auch Naviboard und VarioTek tragen einiges in Sachen Support bei.

 

 

Fazit:

Mit dem TwoNav Aventura steht ein ausbaufähiges Hybrid-Navigationssytem zur Verfügung, das besonders bei Rasterkarten und im Ungang mit editierbaren Tracks punktet. Autorouting samt Ansagen oder die Eingabe von Zwischenzielen/Wegepunktnavigation sind noch verbesserungswürdig. Geocacher würden sich vielleicht noch eine eingebaute Kamera wünschen. Die Möglichkeiten des Aventuras sind multifunktionell und ausbaufähig. Wer gerne mit Rasterkarten reist ist mit dem Aventura richtig bedient.

Tipps: Shortcuts

  • Screenshots werden durch gedrückt halten der MARK-Taste erstellt und im Ordner /Temp abgelegt.
  • Langes Drücken der Hold-Taste sperrt das Gerät und schaltet den Monitor aus. So hält der Akku noch länger.

 
Minus

  • fehlende Wegepunktsortierung, alphabetisch oder 'zeige nächstgelegene Wegepunkte' noch nicht möglich
  • Buchstabeneingabe auf Touchscreen beinahe nur mit Stylus möglich
  • Karten müssen nach Moduswechsel (On-/Offroad) neu angeschaltet werden (Firmware-Bug?)
  • zeigt die Route nicht im Überblick an, kein Zwischenziel-Routing bei laufender Navigation
  • leise Sprachausgabe über Lautsprecher
  • unbeleuchtete Tasten
  • schwache Straßenkarte mit eckiger Darstellung in manchen Zoomstufen
  • Unklarheit über die Wasserdichtigkeit IPX 4 oder 7, Wasserschäden bekannt (Garantie)
  • gelegentlich Probleme bei der 3D+ Darstellung, sonst flotter Prozessor mit 524 - 625 Mhz
  • gelegentliche Abstürze bei der Anzeige: Ihr Fahrzeug ist momentan nicht für die Endroute zugelassen (nur Reset möglich)



Plus

  • Rasterkartenfähig, multifunktionelle Formate ladbar, Hybridgerät
  • Tracknavigation
  • vielfältige Bedienkonzepte
  • Vektorkarte als Overlay über eine Rasterkarte möglich, Rasterkarten mit Zoomstufen
  • Tourenplanung am Gerät
  • Abstellbare Hintergundbeleuchtung/Bildschirm, starker Akku
  • Temperaturanzeige
  • 3D+ Anzeige
  • Drehbare Bildschirmanzeige (hoch/quer)

Kommentare

Kommentar von Gerd Röhrich | 16.04.2010

Minus Punkte 3/9/10 sind nur aus Unkenntnis der TwoNav Software und Daten erklärbar.
Pluspunkt: Tracknavigation ist falsch. Muss lauten Routennavigation.

Antwort:

Alle Kritikpunkte haben sich wiederholt so zugetragen. Wenn dem nicht so sein soll, muss das am Testgerät gelegen haben. Die meisten, zugegeben kleinen Fehler, werden sich aber mit besserer Firm-/Software in Kürze abstellen lassen.

 

Auf das Aventura können Tracks geladen und angezeigt werden. Das können eine Menge andere Gerät schon mal nicht. Eine Trackback Funktion konnten wir allerdings nicht entdecken. Tracks können auch editiert  oder im Höhenprofil angezeigt werden. Routennavigation ist natürlich möglich.

Letzte Änderung: 26.02.2018
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