Hier findet ihr, nicht immer in chronologischer Reihenfolge, alle Updates zur Befahrung der Ligurischen Grenzkammstraße. Die Redaktion versucht, mindestens einmal im Jahr selbst vor Ort zu sein.

In den Jahren 2013/2014 wurde der nördliche Ligurische Grenzkamm (#LGKS) aufwändig aus Mitteln des Alcotra Projekts und der EU instand gesetzt. Wegen der starken Unwetter von November 2016 musste die LGKS 2017 schon wieder aufwändig repariert werden.

Seit der Grundrenovierung von 2014 findet man aber auf dem nördlichen Teil der LGKS eine glattgewalzte Piste vor. Man zahlt dafür aber eine Maut und wird an zwei Kontrollstellen abgefertigt. Der südliche Teil des Ligurischen Grenzkamms oder der ‚Via del Sale‘, wie die Einheimischen sagen, bleibt davon unberührt. Nur 34 km von rund 68 km sind reglementiert. Auf dieser Strecke wurde die Fahrbahn aufwändig entschärft und erneuert. Motorradreisefuehrer.de machte auf dem Grenzkamm ein Interview mit dem Kassierer und Kontrollposten Gianni Morchio und fragte beim Tourismusbüro (Matteo Eula) von Limone Piemonte nach.

 

Von offizieller Stelle verlautete dabei, dass die Maut lediglich für den normalen Straßenerhalt und Lohnkosten ausgegeben wird. Im November 2016 haben starke Regenfälle im Val Tanaro schwere Schäden verursacht. Die Bewohner von Upega, Monesi und Piaggia mussten evakuiert werden. Ziemlich sicher ist man bei der Reparatur auf EU-Mittel angewiesen. Genaueres ist noch nicht bekannt Der Region und den örtlichen Kommunen ist der Erhalt und ein guter Zustand der touristische Attraktion sehr wichtig geworden.

 

Via del Sale Interview mit Gianni Morchio (Kassierer)

 

 

Motorradreisefuehrer: Gianni, wie läuft eine Via del Sale-Saison hier oben ab und was haben wir für 2017 zu erwarten? Es gab ja bei der Reglementierung schon ein paar Modifikationen.

 

Gianni Morchio: Ich hoffe, dass die Maut und die bisherige Reglung auf der ‚Via del Sale‘ noch eine Weile anhält. Was noch passieren wird, kann ich auch nicht genau vorhersagen. Was als sicher gilt, ist die Vorverlegung des Kontrollpunktes von hier (Valle Upega) an die 7 km entfernte Kreuzung am Monte Saccarello. Wir sollen dort wenigstens eine bessere Holzhütte für diese Kontrollstelle bekommen. Vielleicht geht das alles noch 5 Jahre so weiter, das ist meine Meinung.

 

 

©Markus Golletz | Motorradreisefuehrer.de

 

Motorradreisefuehrer: Ein paar Getränkevorräte und Broschüren zum Grenzkamm und den Forts kann man bei euch ja bereits bekommen, aber alles andere sieht auch nach einem Jahr (wir waren auch 2015 hier) noch recht provisorisch aus.

Wenn die Maut wirklich funktionieren sollte, dann müsste die Straße auch regelmäßig ausgebessert werden.

Gianni: Meine persönliche Meinung ist, dass wenn diese Maut mal ausnahmsweise funktionieren sollte, dann müsste die Straße auch regelmäßig ausgebessert werden. In Italien passiert aber schnell folgendes: Wenn dabei – wie durch unsere Arbeit – Geld in die Kassen kommt, entstehen auch ganz schnell Begehrlichkeiten von anderen Seiten. Alle wollen dann ein Stück vom Kuchen abbekommen. Man kennt das ja, dann fließen die Gelder in verschiedenste Taschen, werden aber nicht für den Unterhalt der Grenzkammstraße ausgegeben. Und die müsste nach den alljährlichen Winterschäden mindestens alle zwei Jahre, besser jährlich instand gehalten werden. Sonst ist der Belag bald wieder nur noch für 4x4-Fahrzeuge zu befahren. Mindestens fünf Gemeinden in Frankreich und Italien sind an dem Projekt beteiligt, da sind schnelle Entscheidungen nicht unbedingt zu erwarten.

 

Motorradreisefuehrer: Wurden die Fahrzeugkontingente in der letzte Saison öfter ausgeschöpft und zu welcher Fahrzeuggruppe werden eigentlich die Quads gerechnet?

 

Gianni: Quads zählen zum Motorräder-Kontingent. Die richten deutlich mehr Schäden als Autos an, aber zum Glück kamen bis jetzt nicht allzu viele. Bei dem Auto-Kontingent gab es im Sommer schon mal Engpässe. Die Kapazitätsgrenze für Autos wird öfter erreicht, 40 Fahrzeuge pro Richtung sind dann nicht viel, vor allem im August und an Wochenenden, weil öfters auch für mehr als 10 Fahrzeugen vorbestellt wird. Viele Italiener bestellen vor. Die Kapazität für Motorräder wurde bisher nur einmal ausgeschöpft, da gab es eine einzige Vorbestellung für 130 Motorräder, dann ging natürlich nichts mehr. Sonst kommen Motorräder eigentlich immer durch.

 

Gianni Morchio

 

Motorradreisefuehrer: Gibt es Ausnahmegenehmigungen für Fahrten?

 

Gianni: Ausnahmegenehmigungen für Fahrten an den Motor-freien Tagen Montag und Dienstag sollte es eigentlich nicht geben. Es gab eine Ausnahme, weil eine Gruppe schon vor Festlegung des Ruhetags vorbestellt hatte. Montags und dienstags sind im Sommer wirklich viele Fahrräder (kostenfrei) hier unterwegs. Sonst nicht. Da greift die Reglementierung schon.

 

Motorradreisefuehrer: Wollte auch mal jemand nicht bezahlen?

 

Gianni: Ja das gab es. Es gab mal welche, die wollten das überhaupt nicht einsehen. Die Maut sei nicht berechtigt, meinten sie. Sie haben es dann eingesehen, wenn die Maut in die Straßenpflege fließt.

Frühjahr 2017: Straße unterbrochen: Bei Rezzo, C. S. Bernardo, Piaggia und am Monte Saccarello

Motorradreisefuehrer: Wie ist der Zustand der Straße?

 

Gianni: Nicht mehr so gut wie 2015. Im Winter verändert sich immer einiges. Dieses Frühjahr gab es nur eine Routine-Inspektion.

 

Motorradreisefuehrer: Wieviele Autos, Motorräder und wie viele deutsche Motorradfahrer kommen hier in der Saison vorbei?

 

 

Gianni: Schau auf die Ticket-Nummerierung. Die Straße wird ja von beiden Kontrollstellen aus angefahren: 5000 Fahrzeuge waren das im Jahr bestimmt, davon ungefähr 3500 Motorräder. Davon wiederum sind rund 50 % Italiener und 50 % Ausländer. Von den Ausländern sind die Deutschen mit 80 % (1400 Motorräder) die häufigste Gruppe, gefolgt von Schweizern, Spaniern und wenigen Franzosen.

 

Motorradreisefuehrer: Wie läuft das mit der Vorbestellung?

 

Gianni: Das geht zur Saison ganz einfach online. Wenn du eine Bestätigung hast, darfst du fahren. Dafür bin ich hier.

 

Motorradreisefuehrer: Wie lautet Deine Empfehlung?

 

Gianni: Vorbestellen oder z. B. die Augustwochenenden meiden. Ein angepasster Fahrstil ist auch wünschenswert. Wie gesagt, ab nächsten Juli stehe ich etwas weiter vorne an der Abfahrt nach Monesi [Anm.: 2017 noch nicht umgesetzt]. Der andere Kontrollposten wird dort bei den Skiliften oberhalb von Limone Piemonte bleiben.

 

Motorradreisefuehrer: Vielen Dank Gianni. 

 


Wie einheimische Motorradfahrer den Grenzkamm feiern LGKS, Monte Beigua (Genua)

 

 

Faktencheck für den Ligurischen Grenzkamm (Nord)

  • Genehmigungen gibt es online oder bei den Kontrollposten: Località Cabanaira (Comune di Limone Piemonte) und Le Navette (an der Kreuzung mit Upega - Comune di Briga Alta) bzw. durch Überweisung an eines der folgenden Bankkonten:
  • Beneficiario Comune di Limone Piemonte
    IBAN IT 46 W 06906 46410 000000015818
  • oder
  • Beneficiario Comune di Briga Alta
    IBAN IT 86 O 08450 46100 000000831449
  • Zur Saison auch online
  • ‚Öffnungszeiten‘ Grenzkamm: Anfang Juli bis 15. September. Die Kontrollposten sind zwischen 8 bis 20 Uhr besetzt. Letzter 'Einlass' ist gegen 18 Uhr, ab Mitte September um 16 Uhr. Davor/ danach sind die Schranken geschlossen. Das Ticket wird meist auch bei der Ausfahrt kontrolliert. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 20 km/h begrenzt, eine Übernachtung ist genaugenommen nur am Rifugio Don Barbera gestattet. Wer in der Region Wandern will, findet auf der Seite Alpi Cuneesi neuerdings einen Online-Reiseführer auf Deutsch.

Die Militär-Forts am Colle di Tenda | www.westalpen.wordpress.com

 

Karte mit Höhenprofil

Schreib einen Kommentar

Kommentar von Franki | 15.09.2017

Hallo,
wir sind am 13.09.2017 hoch zum Fort Central und wollten die normale Nordroute nehmen. Ist lt. dem Mautkassierer derzeit wg. Bauarbeiten gesperrt. Die Mautstelle steht derzeit direkt am Abzweig zum Fort Tounand. Die "Ersatzstrecke" geht bis kurz vorm Fort Tournand und dann scharf nach links die MTB-Strecke weiter. Soll 2 S-förmige Engstellen haben (Hören-Sagen), die mit Großenduros nur schwer zu passieren sein sollen. 2Leichtmotorradfahrer konnten das uns bestätigen.
Wir drehten mit unserer Dicken um und bekamen unsere Maut zurück.
Bauarbeiter, Baufahrzeuge oder ä. waren nicht zu sehen.
Wir hatten trotzdem etwas Spaß, obwohl wir unser Ziel (Col della Boaire) nicht erreichen konnten. Also müssen wir nochmal hin.
Im Netz konnte ich keine Hinweise für die Sperrung finden. Ich weiß auch nicht, wie lange diese ist. Am 13.09. 2017 war die Schranke unten.
Vielleicht kommen ja noch andere Infos von anderen.
Schöne Grüße
Franki

Antwort von Markus Golletz

Hi Franki,

hatte ich auch noch nichts von gehört. Meinst du das Fort Tabourde oder das Castell Tournou? Interessante Umfahrung!

Hier ist aber doch etwas zu lesen. Ich denke mal die Via del Sale macht sowieso demnächst zu: 

http://www.limoneturismo.it/pagina.php?id=76&lang=eng

Kommst du auch aus Hannover?

Lieben Gruß,

Markus

Kommentar von Arne | 10.10.2017

Ich war am 16.09. auf der Via del Sale unterwegs. Bin von La Brigue über den Col Linaire auf die Strecke gefahren. Dann hoch zum Saccarello und dann zur südlichen Mautstation. Hier standen Schilder das die Strecke für Autos gesperrt ist. Der Mautposten sagte mir aber das es mit dem Motorrad kein Problem sei. Also schön die Strecke gefahren und die ganze Strecke genossen. War kaum was los am Samstag. Dann zum Ende kam ich an die Sperrung wo die Strecke runter in das Skigebiet sonst geht. Dort dann der ausgeschilderten Umleitung gefolgt. Bis auf die zwei erwähnten Stellen mit jeweils zwei Kehren die ich mit meiner 990@ im vollen Lenkeinschlag ohne Probleme fahren konnte, war die Umleitung Problemlos auch mit dickeren Zweirädern zu fahren. Ein wenig Erfahrung ist aber schon nötig. Mit Gepäck und Sozia würde ich es wahrscheinlich nicht wagen. Die Umleitung eröffnete ein paar neue Ausblicke und ist eine gar nicht so schlechte Alternative. Die könnten sie so lassen :-) Die Sperre mit der Umleitung war ausgeschildert für den Zeitraum vom 28.08.2017 - 08.10.2017. Ich denke mal nächstes Jahr geht´s wieder über die gewohnte Strecke.
VG Arne

Antwort von Markus Golletz

Hi Arne,

ja vielen Dank für die Infos. Ich hatte die Umleitung in die Karte in den Artikel eingezeichnet, ich hoffe, es stimmt so. Aber dann hat sich das ja bald erstmal erledigt. Ich bin vielleicht noch mal im November in der Gegend, aber dann ist ja da oben gar keine Saison mehr...
Ciao

Markus

Kommentar von Flo | 20.10.2017

Hallo,

wir würden gerne nächstes Wochenende zwischen 26. Oktober und 30. Oktober in die Region fahren. Bezüglich der (Winter)Sperre der via del Sale finde ich viele unterschiedliche Aussagen im Netz. Nun meine Frage: Kann man Teile der Strecke jetzt noch fahren? Ist ein bestimmter Teil komplett gesperrt? Kann man diesen umfahren? Vielen Dank für die Rückmeldung.

Florian

Letzte Änderung: 01.11.2017