Nikon D800: 36 MP für Auflösungs-Fetischisten

Die D800 ist unserer Meinung nach eine professionelle DSLR, für Studio- und Landschaftsfotografie. Mit ein paar Tricks eignet sie sich aber auch für schneller bewegte Objekte. Eingruppieren würden wir sie von der Bildqualität im Bereich von Canon 6d und 5d Mark III, wobei letztere von der Bedienung und vom Kameragehäuse mit der Nikon nicht mithalten können. Mängel im High-ISO Bereich, in der Serienbildrate soll noch 2014 die D810 ausbügeln. Auch ohne Tiefpassfilter konzipiert wird sie zwischen der D800E und der D4S angesiedelt sein.

 

Für Canon Umsteiger vorweg ein paar Tipps: Dass das Nikon-F-Bajonett gegen den Uhrzeigersinn betätigt wird, dürfte sich herumgesprochen haben. Als vorteilhaft finden wir die Bedienmöglichkeiten mit dem vorderen und hinteren Einstellrad. Ein Beispiel: befindet man sich in der Programmautomatik, kann man nach Druck oben links auf den ISO-Taster mit dem hinteren Einstellrad den ISO Wert verändern und mit dem vorderen die ISO Automatik (Program-Shift) variieren. Drehen vorne zeigt dann die zu den ISO-Werten passenden Blenden- und Verschlusszeiten, sehr praktisch. Ansonsten muss sich der an Canon-Gewöhnte umstellen: Knöpfe und Bedienelemente sitzen an anderer Stelle.

 

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39 Punkte AF der neun D 610 und (Mousover) der 51 Punkte AF der D800

 

In den Fachforen wird verglichen, wie sich die D800 gegen die EOS 5D Mark III oder die EOS 6D schlägt. Das Gehäuse der Nikon D800 ist unserer Meinung nach einen Schritt voraus. Vollformat EOS-Kameras von Canon punkten derzeit eher mit ihren available Light Qualitäten, sprich der Lichtempfindlichkeit des Sensors, der bei 12800 ISO noch verwertbare Ergebnisse bringt. Der 36MP FX Sensor der Nikon ist hingegen für 6400 ISO gut, aber auch mehr für die Studio- und Landschaftsfotografie konzipiert. In Sachen Lichtempfindlichkeit bei geringem Rauschen findet in der Vollformatklasse permanent ein Kopf-an-Kopfrennen statt. An der Ergonomie fanden wir an der Nikon das 2. Einstellrad vorne sehr schön, den Auslöser mit integrierten Beleuchtungsschalter oder eben den Lichtmessungs-Schalter. Auch den Spritzwasser- und Staubschutz, den man im Motorradeinsatz langfristig zu schätzen lernt. Ein Lob hat in diesem Zusammenhang auch das AF-S Nikkor 24-120mm bei f4 verdient, das sehr universell und professionell einsetzbar ist. Die Finger verbiegt man sich bei der Belichtungskorrektur-Einstellung, sonst gibt es an der D800 kaum einen Makel – außer, dass sie mit 1000 Gramm + Objektiv für schlanke Handgelenke auf Dauer etwas strapaziös sein kann. Die Video-Aufnahmefunktionen waren bisher nicht im Test, gelingen mit der D800 aber auf Anhieb gut.

 

Im Motorradeinsatz haben wir den programmierbaren Intervallauslöser und den Zeitraffer zu schätzen gelernt. Gratulation auchdafür, das Nikon beim Vollformat nicht auf den eingebauten Aufhellblitz zverzichtet. Im Vergleich zu manchen Canon Kameras lässt sich der Autofokus-ON-Schalter nicht versehentlich beim auspacken bedienen, was dort zu bösen Überraschungen bei der Akku-Standzeit führen konnte. Das f1:4 Nikkor Objektiv ist tadellos und der Blitz von Ausstattung und Handling eine Nuance besser, als Canon-Produkte. Gut gefallen uns die vielen Schalter (Canon: Taster), die gutes haptisches Feedback geben und Fehlbedienung vermeiden. Vermissen werden Canon-Umsteiger allerdings ein Daumenrad oder einen Jogdial, den gibt es bei Nikon bisher nur an den Topmodellen wie der D4S.

Fazit:

Nikons bisher einzige 36 MP FX Kamera eröffnet die Welt der hohen Auflösung und riesigen Bildformate. Das stellt hohe Ansprüche an Objektive, ermöglicht aber später, nun den gelungenen kleinen Bildausschnitt des Fotos zu verwenden. Bei der internen Bearbeitung der jpg's geht Nikon moderat vor, was viele Fotografen loben. Die Kehrseite der Medaille sind riesige Dateigrößen, die über die beiden CF- und SD-Kartenslots geschrieben werden müssen. Die D810 soll zumindest Abhilfe bei den RAW Formaten mit sRAW und Mini RAW bringen. Auch wird ein schnellerer Prozessor (Expeed 4) und ein nochmal verbesserter Autofokus erwartet. Für uns ist die D800 eine Profikamera mit ertklassiger Ergonomie und Haptik, die nicht nur für Studiobelange geschaffen wurde, wie viele schreiben. Denn sein wir doch mal ehrlich, wer braucht auf der Reise schon mal mehr als 4 Bilder pro Sekunde? Trotzdem scheint die D800 keine Schnappschusskamera. Jede Einstellung will gut durchdacht und programmiert sein. Automatiken oder Motivprogramme gibt es nicht, obwohl das wieder ein neuer Trend ist. Speicherplätze von 4 Aufnahmekonfigurationen und 4 Individualfunktionsspeicher helfen ein wenig drüber hinweg. Allerdings kann man nicht wie bei der Canon 7d z. B. gleich die Passenden AF-Felde speichern, die man in der entsprechenden Aufnahmekonfiguration normalerweise benötigt. Bei der 7d geht das sogar separat für Hoch- und Querformat.

Vergleich der Konkurenten

 

D610

D800/D810

Canon EOS 6D

Auflösung

24

36

20,2

Anzahl AF-Felder

39

51

11

Motivprogramme

19

nein

2

WiFi

nein

Zubehör

Ja, Fernsteuerungs-App

GPS

Zubehör

Zubehör

ja

Eingebauter Blitz

Ja, LZ 12

Ja, LZ 12

Nein

Krit. ISO Wert

6400

6400

12800

Kartenspeicher

2x SD

SD/CompactFlash

SD Karte

Serienbildrate

5

4, 6 mit Batt-Griff

4

Straßenpreis [8/2014]

1500 €

2200 €/3000 €

1450 €

 

Der Nikon Speedlight SB-910 ist in seiner Klasse nicht umsonst Chip Testsieger, er bietet bei bester Verarbeitung eine Leitzahl 56, Master-Slave-Funktion und ein Display, das wirklich keine Wünsche offen lässt. Im Gegensatz zur Konkurrenz sind bei SB-910 verschiedene Farbtongläser (Kunststofffilter für Kunstlicht und Leuchtstofflampenlicht), ein Überhitzungsschutz und eine herausklappbare weiße Karte für indirektes Blitzen im Blitz verankert. Die Arretierung macht einen guten Eindruck, 19 Individualfunktionen sind konfigurierbar, die Firmware kann bei Bedarf über die Kamera upgedatet werden. Übrigens machten wir auch mit dem eingebauten Blitz beste Erfahrungen.

 

Plus

  • Magnesium-Gehäuse
  • Sehr guter Autofokus mit 51 Sensoren
  • Spritzwasserschutz
  • Hohe Auflösung
  • Rauschunempfindlich
  • SD und CF Kartenslot
  • Eingebauter Aufhellblitz
  • Eingebauter Intervallauslöser!
  • HDR, GPS, Mehrfachbelichtung
  • Viele Direktzugriff-Taster und Schalter
  • Knöpfe statt Taster, z. B. bei der Belichtungsmessung
  • Intelligent gelegener Beleuchtungsschalter am Auslöser
  • Aufnahme und Individualfunktionen getrennt speicherbar
  • RAW Software Capture NX 2 im Lieferumfang

 

Minus

  • Geringe Serienbildrate (im FX, 1,2-Modus und mit Batterie-Griff erweiterbar
  • lautes Verschlussgeräusch, kein Serienmodus im leisen Modus (Q)
  • Kein AF-A Modus
  • Kein WiFi, kein eingebautes GPS
  • Passable Bilder 'nur' bis 6400 ISO
  • 'schwere Kamera'
  • keine Gruppierung der AF-Felder
  • Keine Tasten für Direktzugriff auf Presets

 

Preise der Testzusammenstellung:

  1. Nikon D 800 Body (2160 EUR, günstiger in GB und CH zu bekommen)
  2. AF-S NIKKOR 24-120mm f/4G ED VR (ab 930 EUR)
  3. Speedlight SB-910 (379 EUR)

Weitere Tests:

Letzte Änderung: 04.02.2017
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