Wechsel-tents: mit dem Forum 42 in Italien

Wechsel Forum 42
Alpin: 4 Eingänge 2 Apsiden: Wechsel Forum 42

 

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ir testeten das Wechsel Zelt auf einer 2-wöchigen Motorradreise nach Norditalien. Für Alleinreisende ist das Forum 4 2 fast überdimensioniert, man könnte in ihm auf dem Mount Everest übernachten. Wer Spaß an Funktionalität hat und die Klasse der Expeditionszelte mag, liegt mit dem Forum 4 2 aber richtig.

 


Steht auch alleine: geodätisches Außenzelt

 

Es wurde mit vielerlei Input aus dem Outdoorseiten.net Forum entwickelt und erschien bei Wechsel-Tents zuletzt in der hochwertigsten Unlimited Produktlinie. Deren Produktmerkmale sind für die etwas härtere Gangart optimiert:

 

  • Von innen bedienbare Apex Lüfter
  • Dyneema Abspannleinen, stufenlos verstellbar
  • Rote Punkte am Zelt weisen auf Einstellmöglichkeiten hin
  • Materialen: Außenzelte: 40 D Nylon silikonisiert, Boden. robustes Oxford Polyester mit 10m Wassersäule, hochwertiger Kompressionssack zum Verpacken. Wechel verwendet keine gesundheitsschädlichen Flammenhemmer
  • Speziell für Zelte entwickelte Reißverschlüsse von YKK (beim Forum 42: Außenzelteingänge sind mit den Reißverschluss-Zippern verbunden, so dass sich der Eingang automatisch rafft)
  • Innen- Außenzelt-Verbund: über Einhängehaken und Gummischlaufe

 

Eine Zeltunterlage ist nicht unbedingt erforderlich, der Boden ist sehr stabil und so kann man auf den meisten Rasenplätzen zusätzliches Gewicht sparen. Gespart wurde am Zelt an nichts, es steht ähnlich stamm wie ein Hilleberg, wenn man alle Optionen und Einstellmöglichkeiten ausnutzt. Regen und Sturm kann dem Geodäten wenig anhaben, Service (Wechsel-Tents sind in Berlin) und Materialien sind gut. Wir fanden, das einzig die Bodenwanne etwas hängt, wenn das Zelt aufgebaut ist, das kann aber auch an noch nicht entdeckten Einstellmöglichkeiten liegen. Im Praxistest hat alles hervorragend funktioniert, einzig, dass das Zelt nur noch in Grün (vormals in Gelb) zu haben ist, ist für eine Expeditionslinie ein kleiner Makel: Man möchte ein Expeditionszelt eigntlich nicht tarnen, sondern offensiv und Signalwirksam positionieren. Die Antwort von Wechsel kam Postwendend: Auch Expeditionszelte werden meistnes auf dem Campingplatz aufgebaut.

 

Da die Vorankündigung zum Zelttest so umfänglich war und die interessante Entstehungsgeschiche von Wechsel-Tents und dem Forum 4 2 Zelt aufzeigt, hier gleich noch einmal:

 


Stabile Spannkraft: Forum beim Trocknen des Bodens

 

Nach den Wünschen der Outdoor-Community Outdoorseiten.net ist das 2-Personen Zelt Forum 4 2 anno 2006/2007 entstanden. Wechsel-Tents hat die Wünsche quasi umgesetzt und professionell bearbeitet. Das Zelt sollte in 4 Jahreszeiten benutzt werden können, robust sein (geodätische Konstrutktion) und nicht über 4 kg wiegen. In jedem Fall ist es mit 9,5 mm Gestänge und einem Boden mit 10-15 Metern Wassersäule sehr expeditionsmäßig ausgelegt. Die Story von Wechsel-Zelte erinnert an die Ortlieb Geschichte und ist ebenso interessant auf der Wechsel-tents.de-Seite zu lesen.

 

 

Das Forum 42 wurde im online Forum outdoorseiten.net entwickelt und 2007 erstmalig auf der Outdoor Messe in Friedrichshafen zu einem Preis von 430€ vorgestellt. Heute kostet es rund 650€, der Zeltboden ist dafür aus einem beständigeren Bodenmaterial gefertigt. Der einst serienmäßige Footprint machte das Zelt um gut 500 Gramm schwerer. Das aktuelle Zelt ist ausschließlich in der Unlimited Line (silikonisiertes Außenzelt, 2000 mm WS) erhältlich.

 

Das Forum 4 2 ist ein ganzjahres-Zelt mit weit heruntergezogenen Überzelt. Wir fragten den Hersteller, wie das Zelt heute produziert wird und ob es sich noch gut verkauft. Viele Jahre sind ins Land gegangen und so antwortet Firmengründer Jörg Schulze mit:

„Natürlich verkauft sich ein hochpreisiges Expeditionszelt im Durchschnitt „seltener“ als ein einsteigerfreundliches Zelt zu einem überschaubaren Preis. Doch über die Jahre gesehen, ist das Forum 4 2 ein Verkaufsschlager.“

 

Der „zeltgewordene Beweis“ dafür ist das Forum 4 2, das wir ab 2005 gemeinsam mit den Nutzern des größten deutschsprachigen Forums für Outdoor-Sport und Reisen (outdoorseiten.net) entwerfen und bis heute produzieren. Nach zehnmonatigem Austausch sind die wichtigsten Produktdetails abgestimmt. Der Name „Forum 4 2“, ausgesprochen „fo(u)r two“, verweist auf die vier Eingänge und die Größe (Zwei-Personen-Zelt). 2007 präsentieren wir das Highlight auf der OutDoor in Friedrichshafen. Fachhandel und Fachpresse sind von unserem Endprodukt und der Art seiner Entstehung begeistert.

 


Viele Spanner und Spezial-Reißverschlüsse haben ihr Gewicht

 

Jörg Schulze lässt uns auch wissen, dass das Zelt bei einem Produzenten in China gefertigt wird. Durch die bereits langjährige Zusammenarbeit wird eine konstante Qualität des Zeltes sichergestellt.

 

Zelte werden im Minimalflächenschnitt konzipiert, um eine gleichmäßige Spannungsverteilung zu gewährleisten. Im Schadens- oder Garantiefall gibt es bei Wechsel fachmännische Reparaturen. Wechsel hat zum Beispiel auch die Innovationen Upside- Down-SR-Schnallen entwickelt, die Außen- und Innenzelt verbinden und sich mit nur einer Hand stramm ziehen lassen. Eine asymmetrische Innenzeltform bietet sehr großen und einer normal gewachsenen Person zugleich Platz und auch ein Titanium Gestänge wurde schon mal in Serie verbaut. Der angenähte Beipackzettel liefert wirklich alle Aufbau- Pflege-, und Reparatur-Informationen, ist fast eine kleine Zeltbibel für alle Eventualitäten. Die Aussenzelteingänge sind an den Ecken mit den Reissverschluß-Zippern verbunden. Beim Öffnen wird der Eingang mit dem Zipper nach oben gezogen und kann so nicht so leicht verschmutzen. In der unlimited Produktlinie werden Stoffe mit hoher Stichdichte verwendet, so das wir hoffen, den beigelegten Nahtdichter nicht verwenden zu müssen. Die Aluminium Heringe (16) sind 16 cm lang und in V-Profil als Pipe-Pegs gefertigt. Die YKK Reißverschlüsse sind speziell für Zelte konzipiert (Verschmutzung, Bedienung).

 


Gut zu beobachten: der Abperleffekt auf Silikon

 

Innovation & Material:

Das Wechsel Forum 4 2 waruwar ursprünglich auchdauch in der Zero G Line erhältlich. Materialien und Gewichte wichen etwas ab. Der leichte Geodät bietet 2 Personen ausreichend Platz und das mit einer hohen Windstabilität und einer ausgezeichneten Belüftung durch die sehr großen Eingangsbereiche. Das Besondere am Forum 4 2 ist, dass die beiden Apsiden aufgrund des durchgehenden Gestängebogens nicht separat abgespannt werden müssen. Somit besitzt es 4 großzügige Eingänge bei denen mindestens einer immer dem Wind abgewandt ist. Vier Innenzelttaschen und eine Netztasche am Innenzelt-Himmel schafft weiteren Stauraum im Zelt. Auch Detaillösungen machen das Zelt besonders, so sind z.B. die Außenzelteingänge mit den Reißverschluss-Zippern verbunden. Beim Öffnen wird der Eingang mit dem Zipper nach oben gezogen und kann so nicht mehr verschmutzen.

 

Ups & downs

 

  • Hochwertiges umweltfreundlich anodisierten Alu-Gestänge, V-Profil Heringe
  • Stabiler Boden, Robustes Überzelt, gute Lüfter
  • sehr gute Reißverschlüsse (YKK)
  • innovative und durchdachte Details
  • Viel Platz für Ausrüstung, immer ein windgeschützter Eingang
  • Keine Flammenhemmer im Gewebe

  • erhöhtes Gewicht und 600€ Preisklasse
  • schade, das kein Footprint mehr dabei ist
  • Bodenwanne könnte am Eingang höher sein

 

Infos

 

Zeltmaterialien [+]

Besonderes Augenmerk verdient das Gestänge bei Zelten, wenn sie der härteren Gangart ausgesetzt werden. Das Gestänge muss flexibel aber auch bruchfest und dabei leicht sein. Es sollte dem Wind etwas nachgeben, dem Zelt aber seine nachhaltige Form bewahren und bisweilen eine beachtliche Schneelast aushalten.

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Am besten kann das ein hochwertiges Aluminiumgestänge. Renommierte Hersteller sind DAC Featherlite und Easten Alloy. Deren Gestänge verschiedener Durchmesser sind hohl und weisen verschiedene Steckverbindungen auf. DAC Featherlite hat z. T. hülsenlose Übergänge zwischen den Segmenten, damit es sich leicht durch Gestängekanäle schieben lässt. Easton Alloy zeichnet sich durch hochwertiges Material aus.

 

Anhand der Werkstoffbezeichnung lässt sich das Herstellungsland und die Härte ablesen: 7075 T6 kommt meist aus Europa, 7001 T6 wird oft in Korea gefertigt. Die Zahl hinter dem T (im Zeltbau meist zwischen T6 und T9), gibt Auskunft über die Härte, Steifigkeit und Elastizität, bzw. die Art der Wärmebehandlung. Je nach Anwendung und Radius, in dem die Stange eingebaut wird kann der T-Wert variieren.

Überzeltmaterialien: Nylon oder Polyester?

Aus welchen Material das Überzelt sein soll ist nicht einfach zu beantworten. Einfache Polyestermaterialien sind meist preisgünstiger als veredeltes Nylon. Frage man den Chemiker, so schneidet im direkten Vergleich und in Reinform Polyester ‚besser‘ ab. Im Zeltbau liegen die Textilen Stoffe aber in stark abgewandelter Form vor, weswegen sich die Eigenschaften stark abhängig von der Veredelung verhalten.
 
Sprach man Polyester eine Unverrottbarkeit, geringe Dehnung und geringe UV-Empfindlichkeit zu, hatte Nylon beinahe gegenteilige Eigenschaften. Nylon, das für Zelte verwendet wird, ist meist die RipStop-Ausführung, die dadurch reißfest und durch aufwändige Slikonisierung UV-unempfindlicher geworden ist.

 
MR-Empfehlung: günstige und leichte Polyesterzelte sind für den Sommer ganz praktisch, weil sie leicht sind und schnell trocknen. Wenn der Aufenthalte mehr in kühlere Gefilde und außerhalb von Campingplätzen führt, sollte man über die Anschaffung eines silikonisierten Nylon-Zeltes nachdenken. Das silikonisierte Nylonzelt kann selbstverständlich auch im Sommer benutzt werden, denn die Silikonbeschichtung wirkt der Versprödung von Nylon entgegen. Sie durchdringt das Gewebe und macht es elastischer, stabiler. Regentropfen verbleiben, ziehen nicht in das Gewebe ein und können abgeschüttelt werden. Manchmal dauert das Trocknen wegen der glatten Oberfläche aber auch etwas länger.

 

 

Auch ein Thema: giftige Stoffe und Flammenhemmer (Prop 65)

 

'Flame retardant' ist auf vielen für die USA produzierten Zelte zu lesen. Diese Flammenhemmer in PU Materialien sind erwiesenermaßen krebserregend. Kalifornien hat dazu eine Kennzeichnungspflicht („Prop 65“, oder ‚Proposition 65‘) eingeführt. Es wird empfohlen die Zelte gut zu lüften, sie gar mit Handschuhen aufzustellen und nicht in ihnen zu kochen. Einige Hersteller wie Exped, Hilleberg oder Fjällräven verzichten seit geraumer Zeit auf diese Stoffe. Hier eine Liste von Herstellern, die Flammenhemmer vermeiden.

 

Materialinfo zusammengefasst:

Nylon (Markenfaser aus Polyamid): höchste Reiß- und Scheuerfestigkeit, Nachteil: Dehnung und UV-Empfindlichkeit, wenn nicht beschichtet. Die RipStop Verarbeitung und Silikonbeschichtung erhöht die Reißfestigkeit und minimiert die Nässedehnung. Eine Silikonbeschichtung (Mehrfachbeschichtung mit Si-Elastomer) minimiert zwar die Wassersäule, erhöht aber die UV-Beständigkeit – den größten Feind des Zeltes.

 

  • UV-Beständigkeit
  • Hohe Reißfestigkeit
  • Veredelt sehr robust und leichter als Polyester
  • Wassertropfen gut abschüttelbar bei SI-Material
  • SI-Zelte müssen an den Nähten nachgedichtet werden

 

Polyester: gute allround-Eigenschaften, wenig Wasseraufnahme (trocknet schnell) allerdings wegen statischer Aufladung zum Teil schmutzempfindlich. Günstig und leicht, wenig Nässedehnung, hohe UV- und Verottungsbeständigkeit. Flattergeräusche sind lauter als bei anderen Zeltmaterialien.

 

  • Preisgünstig
  • Geringe Entflammbarkeit
  • Schnelltrocknend
  • PU nur oberflächlich aufgetragen (Haltbarkeit)
  • teilweise giftig mit Flammenhemmern behandelt

 

Letzte Änderung: 30.09.2020
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