Test Nigor WickiUp 4 & Helinox

Das Zelt ist bauartbedingt ein Platzwunder. Eine große Grundfläche gepaart mit einem geringen Gewicht machen das Zelt beinahe Familien- oder Gruppentauglich. Doch es gibt auch kleine Mängel. Vorweggesagt, das Zelt hielt dicht und machte sich auch bei leichten Windböen ganz gut, vorausgesetzt, es war korrekt abgespannt. Die Aufbauanleitung ist besonders im Punkt ‚Wahl der Heringe‘ ernst zu nehmen, denn es handelt sich nicht um ein selbststehendes Zelt. Bei Sand und wichen Böden sind auf jeden Fall andere als die beigelegten Aluminium Universalheringe von Nöten.

 

Der Aufbau ist einfach: An den Ecken wird die Grundfläche des Zeltes (2,90 x 2,90 cm bei 1,74 Giebelhöhe) wird zuerst mit 5-10 Heringen fixiert. Das kann wahlweise nur mit Innenzelt oder besser schon mit übergestülptem und verbundenem Außenzelt geschehen. Dann kann gleich die Höhenverstellbare Mittelstange im Zelt angebracht werden. Sie steht ohne Fuß direkt auf einer verstärkten Stelle auf dem Innenzeltboden. Nun können draußen weitere Heringe und Abspannleinen angebracht werden. Hängt das Zelt nach einem Regen aufgrund der Materialdehnung etwas schlapp, kann einfach die Zeltstange per Klick etwas verlängert werden. Insgesamt ist die Dehnung der Zeltmaterialien nicht unerheblich, weil es sich ja auch um ein Zelt fast mit Stehhöhe handelt. Leider ist die Verbindung und der Abstand zwischen Innen- und Außenzelt nicht immer optimal. Im Zeltfirst liegen Innen- und Außenzelt direkt aufeinander. In den Seitendreiecken des Pyramiden-Zeltes gibt schwer erreichbare Verbindungshaken zwischen Innen- und Außenzelt, doch mangelt es meist – auch bei guter Zeltspannung – an ausreichend Abstand zwischen den beiden Zeltbahnen. Feuchtigkeitseinbruch hatten wir deshalb aber nicht. Ein weiter kleiner Makel ist der eine Abspannhering im Eingangsbereich und der im Eingangsbereich oft durchhängende Eingangsreißverschluss. Hier würden weitere Verbindungspunkte von Innen- und Außenzelt auf Höhe des Bodenwannen- Abschlusses Abhilfe schaffen. Mit peniblen Nachspannen ging es allerdings auch.

 

Innen UND Außenzelt sind separat aufstellbar. Manchmal wünscht man sich, sei es auch nur zur Lüftung, einen zweiten Zelteingang. Außer den oberen Hutzenlüfern gibt es sonst keine zirkulationsmöglichkeit für die Zeltluft. Das Innenzelt ist im oberen Bereich aus durchsichtigen und feinmaschigen Mesh-Gewebe gestaltet, so dass bei Aufbau ohne Überzelt für reichlich frische Luft gesorgt scheint.

 

Ebenso schnell ist das Zelt auch wieder abgebaut und im Kompressionssack verstaut. Einen Footprint empfehlen wir je nach Untergrund. Der Zeltboden ist aber absolut in Ordnung.

 

Nachtrag 2016: Nach einer Woche Regen in der Ardèche gibt auch das Nigor Leichtgewichtszelt dem Regen nach. Leider wurden dabei auch die Schlafsäche nass. Alles nicht so schlimm, wenn ein rettendes Dach in der Nähe ist. Zu bedenken ist die Starkregen-Problematik bei allen Leichtgewichtszelten. Die leichten und dünnen Materialien vertragen einfach keine große Regenintensität. Das ist uns vorher auch schon bei Hilleberg Zelten aufgefallen, sollte aber keine vernichtende Abwertung darstellen. Jedes Zelt ist von den Eigenschaften sehr an bestimmte Verwendungszwecke angepasst - mit allen Vor- und Nachteilen.

 

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Überraschend gut fiel uns die ‚Sitzgarnitur‘ von Helinox. Chair One und Table One sind gut aufeinander abgestimmt, lassen sich schnell aufbauen und fallen kaum ins Gewicht. Deswegen wollten wir sie nachher auch auf dem Motorrad Camping Urlaub nicht mehr missen. Man sitzt bequem, Tisch und Stuhl harmonieren von ihrer Höhe her sehr gut und auch die Stabilität ist absolut in Ordnung. Dass die Stühle auf weichen Böden etwas einsinken bekommt man meist in den Griff. Das Material besteht aus schnell trocknendem Polyester und das robuste Gestänge (DAC Featherlight) stammt aus der Oberliga renommierter Zelthersteller. Selbst die Packsäcke sind stabil, leicht und mit hochwertigen Reißverschlüssen ausgestattet. Das gibt insgesamt ein gutes Bild ab.

 

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Steckbrief:
4-Personenzelt (Pyramide) unter 3 kg
Tisch und Stuhl aus Zelt-Gestänge

Die Marke Nigor ist in den USA sehr erfolgreich und bekannter als Eureka. Dort ist Campingequipment auch günstiger zu bekommen, es entspricht aber nicht ganz den noch hochwertigen Nigor Produkten des europäischen Marktes. Nigor ist in Europa seit 1998 tätig. Nigor ist sozusagen Eurekas Premium Marke, die sich gerne von Qualität und Handling mit Hilleberg messen will. Helinox, in Deutschland noch relativ unbekannt, bietet neben Chair und Table One auch ein Feldbett (Cot one) das in Konkurrenz zu dem von Therm-a-Rest steht.

 

 

Plus (Zelt)

  • Raumwunder, große Grundfläche, Stehhöhe
  • Einfacher Aufbau
  • Ausreichende Wetterfestigkeit (Sommer)
  • Kleines Packmaß und Gewicht

 

Minus

  • Häufiges Nachspannen wegen Materialdehnung
  • Störender Hering im Vorzelt (Bodenplatte)
  • Durchhängender Eingangsreißverschluss
  • Begrenzte Lüftungsmöglichkeiten

 

Gewichtsbeispiele: Ein Tisch ein Stuhl ein 4 Personen Zelt = 4,11 kg

Zeltmaterialien [+]

Besonderes Augenmerk verdient das Gestänge bei Zelten, wenn sie der härteren Gangart ausgesetzt werden. Das Gestänge muss flexibel aber auch bruchfest und dabei leicht sein. Es sollte dem Wind etwas nachgeben, dem Zelt aber seine nachhaltige Form bewahren und bisweilen eine beachtliche Schneelast aushalten.

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Am besten kann das ein hochwertiges Aluminiumgestänge. Renommierte Hersteller sind DAC Featherlite und Easten Alloy. Deren Gestänge verschiedener Durchmesser sind hohl und weisen verschiedene Steckverbindungen auf. DAC Featherlite hat z. T. hülsenlose Übergänge zwischen den Segmenten, damit es sich leicht durch Gestängekanäle schieben lässt. Easton Alloy zeichnet sich durch hochwertiges Material aus.

Anhand der Werkstoffbezeichnung lässt sich das Herstellungsland und die Härte ablesen: 7075 T6 kommt meist aus Europa, 7001 T6 wird oft in Korea gefertigt. Die Zahl hinter dem T (im Zeltbau meist zwischen T6 und T9), gibt Auskunft über die Härte, Steifigkeit und Elastizität, bzw. die Art der Wärmebehandlung. Je nach Anwendung und Radius, in dem die Stange eingebaut wird kann der T-Wert variieren.

Überzeltmaterialien: Nylon oder Polyester?

Aus welchen Material das Überzelt sein soll ist nicht einfach zu beantworten. Einfache Polyestermaterialien sind meist preisgünstiger als veredeltes Nylon. Frage man den Chemiker, so schneidet im direkten Vergleich und in Reinform Polyester ‚besser‘ ab. Im Zeltbau liegen die Textilen Stoffe aber in stark abgewandelter Form vor, weswegen sich die Eigenschaften stark abhängig von der Veredelung sind.

Sprach man Polyester eine Unverrottbarkeit, geringe Dehnung und geringe UV-Empfindlichkeit zu, hatte Nylon beinahe gegenteilige Eigenschaften. Nylon, das für Zelte verwendet wird ist meist die RipStop-Ausführung, die dadurch reißfest und durch aufwändige Slikonisierung UV-unempfindlicher geworden ist.
MR-Empfehlung: günstige und leichte Polyesterzelte sind für den Sommer ganz praktisch, weil sie leicht sind und schnell trocknen. Wenn der Aufenthalte mehr in kühlere Gefilde und Aufenthalte außerhalb von Campingplätzen führt, sollte man über die Anschaffung eines silikonisierten Nylon-Zeltes nachdenken. Das silikonisierte Nylonzelt kann selbstverständlich auch im Sommer benutzt werden, denn die Silikonbeschichtung wirkt der Versprödung von Nylon entgegen. Sie durchdringt das Gewebe und macht es elastischer, stabiler. Regentropfen verbleiben ziehen nicht in das Gewebe ein, und können abgeschüttelt werden. Manchmal dauert das Trocknen wegen der glatten Oberfläche aber auch etwas länger. 

Materialinfo zusammengefasst:

Nylon (Markenfaser aus Polyamid): höchste Reiß- und Scheuerfestigkeit, Nachteil: Dehnung und UV-Empfindlichkeit, wenn nicht beschichtet. Die RipStop Verarbeitung und Silikonbeschichtung erhöht die Reißfestigkeit und minimiert die Nässedehnung. Eine Silikonbeschichtung (Mehrfachbeschichtung mit Si-Elastomer) minimiert zwar die Wassersäule, erhöht aber die UV-Beständigkeit – den größten Feind des Zeltes.

 

  • UV-Beständigkkeit
  • Hohe Reißfestigkeit
  • Veredelt sehr robust und leichter als Polyester
  • Wassertropfen gut abschüttelbar bei SI-Material
  • SI-Zelte müssen an den Nähten nachgedichtet werden

 

Polyester: gute allround-Eigenschaften, wenig Wasseraufnahme (trocknet schnell) allerdings wegen statischer Aufladung zum Teil schmutzempfindlich. Günstig und leicht, wenig Nässedehnung, hohe UV- und Verottungsbeständigkeit. Flattergeräusche sind lauter als bei anderen Zeltmaterialien.

 

  • Preisgünstig
  • Geringe Entflammbarkeit
  • Schnelltrocknend
  • PU nur oberflächlich aufgetragen (Haltbarkeit)

 

Letzte Änderung: 01.01.1970