Kettensprays und Schmiersysteme im MR Test

Kettensprays: Für verschiedene Einsätze
Kettensprays: für verschiedene Einsätze

MR Kettenspray-Test: mehr als 16 Produkte stehen Schmiere ...

(wird kontinuierlich ergänzt, Testbeginn: Ende 2012)

Getestet werden die Sprays und Kettenschmier-Einrichtungen von folgenden Herstellern:

 

  • Permanente Kettenschmierung: Scottoiler (Rockoil), eSystems (elektronisch gesteuert) und vSystem (Unterdruck gesteuert), Rehoiler, CLS 200µ und Schunk Feststoffschmierung (Graphit) | in Kürze in einem eigenen Vergleichstest
  • Polo Keramik-, Drylube und Weißes Spray
  • Louis ProCycle (Abfüller: Dr. Wack)
  • Motorex Strong, Racing und Offroad-Lube
  • HKS-Czech Kettenschmierung
  • S 100 (Wack-Chemie)
  • 2 Caramba Sprays
  • Castrol Race und Chain Spray O-R
  • Enuma Kettenspray
  • Profi Dry Lube von Profi-Products
  • Putoline MX Kettenspray
  • sowie Reinigungsmittel von Polo (Ketten-Max), Louis, HKS und Motorex

 

Weitere Produktneuheiten, die seit dem Test dazugekommen sind hier

News

Auf der Intermot 2014 in Köln stellte WD-40 seine Motorrad-Pflegeserie vor. Darunter auch Kettenspray und ein Kettenwachs.

 

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Offroad-Einsatz und dem Verhalten bei Regen. Als Außenseiter treten dabei die Lösungen von Rockoil (Scottoiler), ein normales Kettensägenhaftöl (8 EUR/l) und die neue Feststoff-Kettenschmierung von Schunk an, bei der mit einer Graphitmischung geschmiert wird.

Anforderungen an Kettensprays (Interview mit einer Entwicklerin)

Ein Kettenspray besteht aus einer Vielzahl von Komponenten, von deren Wirkungsweisen einige zum Teil gegenläufig sind. Nach der ‚Sabung‘ soll die Kette möglichst schnell ablüften, gleichzeitig sollen die schmierenden Komponenten in jede Ritze der Kette eindringen, was normalerweise Zeit braucht. Ein Kettenspray besteht aus einer haftfesten Komponente, die das Abschleudern verhindern soll, einen gleitenden Ölkomponente, einem Zusatz, der die Benetzung (die sogenannte Penetration) auch in kleinsten Spalten fördern soll und dem Korrosionsschutz, der die die Laufzeit einer Kette erhöht sowie halbfeste Gleitkomponenten.

 

Kettenpray: Haft-, Öl- und Gleit-Komponente

Ein stufenförmiges Ablüften soll durch unterschiedliche Lösungsmittel entstehen, gleichzeitig dürfen weder O- noch X-Ringe angequollen oder womöglich ausgetrocknet werden. Zwischen Kette und Ritzel entsteht durch Schmierung, Dreck und Abrollwiederstand eine Mischreibung, sodass die beweglichen Teile nicht vollständig vom Schmierfilm getrennt sind. Der Verschleiß ist höher als bei reiner Flüssigkeitsreibung. Es können starke Flächenpressungen und damit verbunden hohe Temperaturen entstehen. Witterungsbedingt machen Schnee, Eis, Nässe oder Salz der Kette das Leben schwer, deswegen sind Korrosionsschutz, Verschleißschutz, Kriechfähigkeit und Abschleuderverhalten besonders wichtig bei der Entwicklung eines guten Kettensprays. Die Anforderungen für On- und Offroad-Betrieb sind dennoch sehr unterschiedlich.

Wirkungsweisen der Komponenten

Eine gute Kriechfähigkeit soll vollständiges Eindringen in schwer zugänglichen Schmierstellen ermöglichen. Hohe Haftfestigkeit und zähe Konsistenz nach dem Ablüften des Lösemittels sind ebenfalls erwünscht, nur soll das Spray in der ersten Stufe schnell ablüften, denn am liebsten möchte der geneigte Motorradfahrer nach dem Aufsprühen sofort losfahren. Dadurch entsteht das erste Problem: Auch das Kettenspray braucht normalerweise Zeit, um an schwierige Schmierstellen zu gelangen. Deswegen sind gute Sprays mit zwei verschieden schnell ablüftenden Lösungsmitteln und ‚Benetzungsunterstützern‘ ausgestattet. Das langsamere lässt dem Schmierstoff genug Zeit in jede Ritze eindringen zu können, das schnellere ermöglicht einen äußerlichen Schutz gegen das Abschleudern. Sind alle Lösungsmittel erst mal verdampft, dann haftet die Substanz ‚wie nichts Gutes‘, was es ja auch soll.

 

Kettenspray braucht Zeit einzudringen

Das Spray soll weiterhin hohen Verschleißschutz bei Kettenrollen und Seitenlaschen sowie Kettenrad und Ritzel bieten. Nicht unerheblich für den Kettenverschleiß ist auch eine korrekte Kettenflucht (Polo: Kettenfluchttester) und der richtige Durchhang. Alle möglichen Ausführungen von Dichtringe der Kette, die im Allgemeinen aus Butadien-Acrylnitril-Kautschuk bestehen, dürfen nicht anquellen und nicht austrocknen oder gar schrumpfen. Wichtig ist bei Autobahnfahrt ein Schutz vor übermäßiger Erwärmung der Kette, denn eine Kette die stark erwärmt wird, hält nicht so lange. Bei Rennketten ist dies von Bedeutung: sie können wegen anderer Materialien, Dichtungen und Fette erheblich wärmer werden, als eine normal genutzte Kette.

Wichtig ist dann natürlich guter Korrosionsschutz bei Kette und Kettenrädern, auch bei winterlichem Fahrbetrieb mit Streusalzeinfluss. Selbstredend haftfest bei Regenfahrten, auch wenn keiner gerne im Regen fährt. Es soll möglichst lange auf der Kette verbleiben, angestrebt wird meist ein Wartungsintervall von > 500 km.
Gewünscht ist auch eine gute Sichtbarkeit auf der Kette, damit es nicht überdosiert wird, wünschenswert sind auch Leichtlaufeigenschaften.

 



Alle diese Anforderungen sind in einem Produkt nicht leicht zu realisieren. Den Bestandteilen eines Sprays ist nicht immer eindeutig nur eine Funktion zuzuordnen, manchmal kommt die gewünschte Wirkung nur im Zusammenspiel der einzelnen Bestandteile zustande: In der Regel besteht ein Kettenspray aus einer Mischung von verschiedenen Lösungsmitteln als Trägermedium, verschiedene synthetische Öle unterschiedlicher Viskositätsklassen, Haftvermittlern, Kriechölen, Korrosionsschutz, Verschleißverminderern etc.

Biologisch abbaubare oder native Öle kommen in der Regel nicht in Frage: die Motorradkette ist sehr starken Belastungen ausgesetzt, denen pflanzliche Öle nicht standhalten würden: Natürliche Öle wie zum Bespiel Sonnenblumenöl sind ungesättigt, dass heißt, sie haben Doppelbindungen, die unter Belastung gecrackt werden können, wobei während des Betriebes wichtige Aufgaben verloren gehen würden. Ein weiteres Problem bei diesen Ölen ist ihre Anfälligkeit für Verharzung bei längeren Standzeiten.

Zur Spraydosen-Kennzeichnung & Entsorgung

wenn die Dosen regulär gekennzeichnet sind und als Treibmittel Propan / Butan, sowie die üblichen Lösungsmittel enthalten, ist der Inhalt nach technischen Gesichtspunkten mit leicht entzündlich (Flamme), reizend (Andreaskreuz) und umweltgefährlich („toter Fisch“) zu kennzeichnen. Dosen ohne Kennzeichnung sind nicht mehr zu bekommen, normalerweise ist da wenigstens die Flamme drauf, denn Kohlendioxid oder Luft als Treibmittel sind nicht so leicht zu realisieren. Erwünscht ist, dass das Spray bis zum letzen Tropfen ein gleichmäßiges Sprühbild bringt. Leere Spraydosen gehören in den Gelben Sack, falls nicht komplett entleert in den Sondermüll.

Erste Ergebnisse:

Offroad

Bisher wurden das Motorex Offroad-Spray im Vergleich zu anderen Produkten getestet: Auf der Crosstrecke wirken völlig andere Faktoren auf die Kette ein, sodass sich so ein Spray von anderen stark unterscheiden müsste. Es kommt stark auf die Art des Geländes und den Kettenschutz an, ob die Kette mit Matsch, Staub oder Wasser in Berührung kommt. Im Falle des direkten Kontakts mit, sagen wir es doch ehrlich: Dreck, sind zu starke Anhaft- und Klebewirkungen unerwünscht. Nötig bleibt aber besonders bei O-Ringfreien Offroadketten die innere Schmierung der Kette und eine Art ‚Nano-Lotusblüteneffekt‘, der Dreck erst gar nicht anhaften lässt.


Die Haftwirkung eines Sprays muss sehr differenziert sein: Die Kette muss im Inneren (soweit möglich) und unter den Rollen geschmiert werden. Äußerlich anhaftender Schmutz ist unerwünscht, weil sich daraus die vielzitierte Schmirgelpaste ergibt. Wie in den Bilder rechts zu sehen, ist das Motorex Offroad-Spray nicht das beste in Sachen Korrosionschutz, doch wie der Praxistest Offroad zeigte, lag es was Schmierwirkung und Ergiebigkeit angeht, vor dem Castrol Racing und dem Louis Procycle Kettenspray an erster Stelle. Im matschigen Gelände könnte auch ein normales Kriechöl für die häufigen Sprayintervalle ausreichen — das ist eine unserer Erkenntnisse. Auf keinem Fall sollte ein stark klebendes Öl wie von HKS oder gar Kettensägenhaftöl verwendet werden. Auch die stark klebenden 'Strong' und Racing-Produkte erscheinen eher ungeeignet. Anbieter permanenter Kettenschmierungssysteme empfehlen im Matsch sogar eine Emulsion aus Öl und Wasser. Ein weiterer Tipp: Punktgenau an Rollen und bei O-Ringen schmieren, Laschen mit Lappen wieder von klebrigen Öl befreien.

 

Test Offroad

Motorex Offroad: Das Spezialspray für den Offroadeinsatz: Schmiert und Dreck haftet weniger an der Offroadkette. Für Ketten mit und ohne O-Ringe. Im Test verwundert, dass es nur einen dürftigen Korrosionsschutz hat. Macht aber im Gelände eine gute Figur. Bei totalem Fango-Bad reagieren alle Ketten ähnlich: Sie sind total eingeschlammt und eine Schmierwirkung lässt sich nicht mehr feststellen. Da ein Kettenschutz bei Offroadbetrieb zu Kettenklemmern und mangelnder Selbstreinigung führen kann, ist der Schutz nur ein Tipp für leichtes Gelände und trockene Böden. Motorex Offroad ist der bewährt sich jedenfalls auch, wenn es matschig wird.

 

Das relativ neue Putoline MX offroad-Kettenspray ist ebenfalls von seiner Mischung und Klebrigkeit den besonderen Gegebenheiten einer Crosspiste (Dreck & Staub) angepasst und daher relativ ergiebig. 10,95€ / 0,5 l).

Caramba PTFE Spray: Der Außenseiter im Test: Schmiert nur durch Adhäsion und lässt Dreck abperlen. Eine gute Alternative zu klebrigen Sprays (ab 9 EUR/400 ml).

Louis Pro Cycle: Der ‚billige Jakob‘ ist doch ein Kettenspray für das Grobe: Wenn im Straßenbetrieb mangelnde Klebeigenschaften bemängelt werden, verrichtet Louis ProCycle im Gelände unauffällig seine Arbeit. Häufiges Nachsprühen tut angesichts des Literpreises auch nicht weh. Ein MR PreisTipp!
Castrol Chainlube Racing: Ausprobiert: anders als andere Racing Kettensprays lässt sich das Castrol Spray relativ dünn auftragen und verteilt sich ähnlich wie das Motorex Offraod Kettenspray. Es ist für leichte Endurosektionen geeignet. Auf der Straße ist es vorne mit dabei.

HKS Extem (siehe auch weiter unten): Außer für die Straße ist das HKS Extrem Schmiermittel auch bedingt Enduro-tauglich. Nach eine ausreichenden Ablüftzeit kann HKS Extrem auch auf Sandpassagen eingesetzt werden. Laut Hersteller wird dann zwar eine Menge des Schmiermittels äußerlich abgerieben, doch wirkt dann immer noch der Versieglungseffekt im Inneren der Kette, so dass eindringende Fremdkörper abgeblockt werden.

 

PDL- Profi Dry Lube

Können wir empfehlen. Das trockene Spray wird auf die entfettete (bzw. nach 600 km trocken gefahrene) Kette aufgetragen und hat gute Kriecheigenschaften. Ideal scheint das ergiebige für den Offroad-Einsatz zu sein, weil es eben nicht klebt. Der Korrosionsschutz könnte hingegen ähnlich schlecht sein, wie bei der Schunk Kettenschmierung 'Lucky Lube". Profi Dry Lube ist auch empfehlenswert für die neuen Enuma Kette 520 NX-2 Gold (mit Teflon Dichtungen).

Kommentare zum Test

Letzte Änderung: 09.08.2018
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