Unterwegs in den südlichsten Seealpen

Das Winterhalbjahr. Für ambitionierte Motorradreisende sind auch Trips, bei denen man nicht zwangsläufig mit dem Motorrad anreist interessant. Für italienische und Französische Riviera ist der Flughafen Nizza / Côte d'Azur ein günstig gelegener Fluchtpunkt. Eine Stunde entfernt liegen Ligurischer Grenzkamm und etliche andere sonnenbeschienene Ziele im Französisch-Italienischen Grenzgebiet. Wir haben Peter Fischer, Motorrad Instruktor und Tourguide, nach seinen Erfahrungen und Tipps befragt. Er lebt seit 2009 in einem kleinen ligurischen Bergdorf, unweit der Grenze zu Frankreich.

 

Der Umstand, dass sich hier im Sommer viele Biker mit GS, KTM Adventure etc. blicken lassen, ließ Peter Fischer aufmerksam werden. In der Regel leiden viele der Reiseenduristen über zu schweres Gerät für die wirklich schweren Strecken und Passagen, die es im Dreieck Sospel, Triora und Albenga zu Hauf gibt.

 

Unsere Favoriten beginnen quasi direkt hinter Peter Fischers Haus: viele Wege führen auf die Strecke des unteren Ligurischen Grenzkamms. Wir schwingen uns auf die nur 110 kg leichten Beta Alp 200's und dann geht es nur mit Daypack auf dem Rücken hinauf in die Berge. Als Trialer kennt Peter hier in der Nähe so ziemlich jeden Pfad, die Alps haben den Aktionsradius nun angenehm erweitert. Über Pigna thront der Monte Toraggio, die höchste Erhebung des südlichen Grenzkammes und der stellt für motorgetriebene Fahrzeuge eine unüberwindbare Barriere dar. Mit dem Trialer kann man den steilen Abfällen und Graten etwas näher kommen, ganz zu schweigen von Reiseenduros, für die am Rifugio Allavana Melosa bzw. am Passo Muratone der Weg endet. Mit ein paar Gästen und den Trialern war Peter letzten Herbst dennoch am Monte Toraggio. An einem Besonderen Tag, als frischer Schnee die Gebirgsphalanx drüben in Frankreich, im Vallée des Merveilles schmückte.

 

 

Wir fahren uns zur Passo di Gouta warm, immer wieder gibt der herbstliche gefärbte Wald Blicke auf die goldgelben Hänge des Mt. Toraggio preis. Das Rifugio ist nicht geöffnet doch gleich hinter dem Pass landen wir auf einer Wiese mit Bach, die von Italienern als Picknick Areal genutzt wird. Von hier beginnt eine alte, mittlerweile schienenlose Trasse, die zu Mussolinis Zeiten Stellungen der Grenztruppen versorgte. Ein perfekter weg für Berggämsen wie uns.

Wo Meer und Bergrücken am Horizont verschmelzen


Nach dem Abstecher geht es weiter dem Meer entgegen. Immer wieder sind Bunkeranlagen und Ruinen nahe des Grenzweges zu erkennen. Weit dahinten der Testa d’Alpe und später sehr markante Bergrücken, die am Horizont mit dem Azur blauen Mittelmeer verschmelzen?

 

Es gibt eine feucht-fröhliche Tunneldurchfahrt, bei der die beiden Alps ein kleines Stakkato im Tunnel verbreiten und keine 20 Minuten später nehmen wir eine kleine Auffahrt und fahren exakt der Kammlinie entlang: links Ligurien, rechts das Roiatal und die Alpes Maritimes, voraus: das Tyrrhenische Meer. Abgefressenes Gras und kleine Bonsai-Bäume deuten auf intensive Beweidung hin, die kleinen Pilzknollen eher auf Einsamkeit und schlechte Erreichbarkeit.


Peter lebt hier seit fast 6 Jahren, ich kenne die Gegend seit über 20 Jahren und wir sind uns schnell einige, dass es schwer möglich scheint, hier alle Pfade zu entdecken. Zum Endurowandern ist es hier endlos und das Gute an Ponente Ligurien ist auch, dass es hier nicht überlaufen ist und das Winterhalbjahr sich von seiner milden Seite zeigt. Selbst im Dezember sind Motorradtouren einfach ein Genuss.

 

Für Ausflüge auf den Ligurische Grenzkamm ist Pigna ebenfalls erste Wahl, auch wenn derzeit die Zufahrtstraße über den Colle Langan wegen Bergrutsch gesperrt ist. Natürlich gibt es eine lindwurmartige Umfahrung, weiß Peter…

 

Der Grenzkamm, das ist etwas für Sommertage, und außerdem tut sich eine Menge dort oben. Das Kernstück der Strecke wurde in den Jahren 2014/15 grundlegend überarbeitet und ist nun glattgewalzt und kostenpflichtig zu befahren. Auch am Tende Tunnel tut sich etwas, die marode Tunnelröhre des der ältesten Straßen-Tunnels der Alpen bekommt neue Röhren, was zu einer Großbaustelle im französischen Teil des Roya-Tals führt. Leider wird davon auch der untere Teil der alten Passstraße in Mitleidenschaft gezogen. Nun, wir werden uns das mal auf den kleinen Alp-Gämsen anschauen.

 

Für heute neigt sich der Tag dem Ende und uns ist eher nach einem Aperitivo in der California Bar in Dolceaqua. Dort kann man wählen zwischen einem Pigato, einem Vermentino, einem roten Rossese oder einen Aperol Spritz. Wer die Wahl hat, hat die Qual.

 

Peter Fischer ist Tourguide für BMW und den Enduropark Hechingen. Vor ein paar Jahren hat er seinen Wohnsitz nach Italien verlegt: Nach Ligurien und dann auch noch in den Teil, der dem Ligurischen Grenzkamm so nah liegt. Die Beta Alp’s kamen 2015 dazu und er ist so begeistert, dass bald auf 4 Stück aufgestockt wird.
BMW führt regelmäßig von Pigna aus Westalpentouren durch (Juni und September) die in Pigna starten und enden. Ab und an sind auch noch exklusivere Touren z. B. in Südamerika dran, doch dann ist Peter nach 5-6 Wochen auch wieder froh, in Ligurien zurück zu sein.

 

Letzte Änderung: 12.01.2017