Victorinox und Wenger Messer


Schnittiges und Strittiges aus der Schweiz

Wer lieferte das erste Schweizer Offiziersmesser? Kennen sie Wenger-Messer und welche sind innovative Messer für Motorradfahrer 2009? All das erfahren sie im Test und Report auf motorradreisefuehrer.de

Auf motorradreisefuehrer.de geht es diesmal um eine bunte Zusammenstellung von kleinen und größeren Helfern, meistens aus der Kategorie Multitools.
Auf dem ersten Blick sind sich Wenger und Victorinox Taschenmesser sehr ähnlich. Mal hat Victorinox, mal hat Wenger die bessere Idee für eine gute Zusammenstellung. Insgesamt fällt auf, dass der zweite Schweizer Messerhersteller Wenger relativ wenig am Deutschen Markt präsent ist und das seine Messer im Durchschnitt etwas kleiner ausfallen. Victorinox Tools sind eine Nuance besser verarbeitet, doch das soll hier nicht verallgemeinert werden. Man bewegt sich auf hohem Fertigungsniveau und Design ist bekanntlich auch Geschmackssache.

Die Frage, wer nun das erste Schweizer Offiziersmesser gebaut hat ist seit dem Firmenzusammenschluss der beiden namenhaften Messerwerke weniger erheblich geworden. Entgegen den Aussagen in der Online Enzyklopädie Wikipedia war es Victorinox und zwar bereits im Jahre 1897 - doch dazu später mehr.

Im Test diesmal eine willkürliche Auswahl mit dem Victorinox CyberTool Lite und den auf MR erstmals vorgestellten Wenger Tools Biker 37 (Fahrradwerkzeug), der ‚faltbare Nähkasten‘ das Wenger Bernina-Tool, das sich zum Stoffe schneiden, Markieren und Auftrennen eignet. Dazu noch ein Minitool namens Nail Clip mit pfiffigen Nagelknipser im Wenger Evolution-Design. Ein Reise-Diamantschärfer ist genau das Richtige für Reisende, die auch unterwegs nicht auf das Nachschärfen der Messer verzichten wollen.

Victorinox: CyberTool Lite

Es gehört zur mittelgroßen Baureihe, liegt mit seinen 160 g und zahlreichen Funktionen schon sehr satt in der Hand und ist für wirklich vieles auf Reisen und unterwegs zu gebrauchen. Beim Motorradfahren sehr nützlich sind die kleine Zange, der Mini-Schraubendreher mit 8 Bits, eine LED-Taschenlampe, Lupe und Schere. Die schick aussehenden durchsichtigen roten Griffschalen nehmen noch Zahnstocher, Pinzette und einen Druckkugelschreiber in sich auf. Für kleine Reparaturen am Bike bietet das Cybertool also schon mal eine Menge Features.

Tools im Einzelnen:
Große Klinge, Kleine Klinge, Korkenzieher, Dosen- / Flaschenöffner, Schraubendreher (klein / mittel), Ahle, Pinzette, Zahnstocher, Innensechskant (D-SUB), Innensechskant (für Bits), 4 Doppel-Bits (Pozidrive 0 + 1, Schlitz 2mm, Kreuzschlitz 2, Sechskant 4mm, Torx 8, Torx 10, Torx 15), Druckkugelschreiber (Dip-Schalter), Stecknadel, Mini-Schraubendreher, Kombizange (Drahtschneider, Hülsenpresser), Schere, weiße LED, Lupe, Universalhaken, Anhängering (160 g)
(Straßen-) Preis: 50-80 EUR

WENGER Bernina
Irgendwie faszinierend ist das Wenger Tool Bernina. Bernina ist ein namenhafter Nähmaschinenhersteller und der muss die Messerschmiede dazu inspiriert haben, ein Werkzeug für Näharbeiten zu bauen.

Motorradfahren und Nähen, wie passt das zusammen? Leidlich. Auf längeren Reisen hat man allerdings immer mal etwas zu reparieren. Braucht der Gürtel ein Loch mehr so kann man mit dem Locheisen des Bernina’s gleich loslegen. Praktisch ist auch ein (extrem-)scharfer Rollcutter, der Stoffe wie Butter durchtrennt oder auch mal einen aufgeribbelten Rand sauber abschneidet. Auch für Papierschablonen ein gutes Werkzeug. Lupe, Schere, Markierkreiden sind sicherlich etwas speziell, auch das Tiefenmesswerkzeug oder ein Nahtauftrenner. Doch wer weiß schon, ob es an Kleidung oder Zelt nicht einmal etwas zu reparieren gibt?

Tools im Einzelnen (14 Funktionen):
Lochahle, Saummass, Band- und Elastik-Einziehhilfe für Säume, Schere mit Mikroverzahnung, Halter als Nähmaschinennadel-Einsetzhilfe, Pfeiltrenner, Stick-Durchziehhilfe, Textilschreiber mit Ersatzminen, kleiner Schraubendreher, Lupe, Nadelmagnet, Rollschneider, Fadenscheider, Pinzette, Reinigungsspitz

WENGER Biker 37

Auch wenn das Biker 37 eher für’s Fahrrad gebaut wurde ist das ‚Werkzeugset für die Westentasche‘ auch auf Motorradreisen einsetzbar: Universal-Maulschlüssel, eine Art flacher, herausnehmbarer Knochen, eine kleine Zange, Speichenspanner (Fahrrad), Inbusschlüssel (für M6) – damit lässt sich schon eine Menge reparieren. Der Kettentrenner ist freilich eher für Fahrradketten geeignet, aber wer weiß, wofür er noch nützlich sein könnte. Flaschen aller Art und Dosen können auch geöffnet werden, ein Philips Schraubendreher und der obligatorische Zahnstocher und die Pinzette runden das Bild ab.

Tools im Einzelnen:

Schraubenzieher mit Sicherheitsblockierung, Flaschenöffner, Drahtbieger, Schraubenschlüssel bis 8 mm, Nagelfeile
Nagelreiniger, Schraubenzieher für kleine Kreuzschlitzschrauben, Multifunktions-Zange bis 15 mm, Hülsenpresse
Draht-Schneider, Seitenschneider, Muttergreifer, Kettennietdrücker, abnehmbarer 5 mm-Sechskant-Stiftschlüssel
abnehmbarer 10 mm-Sechskant-Stiftschlüssel, Schraubenzieher, Schlüssel zur Justierung der Speichen (Abstand 3,3 und 3,5 mm), Verlängerungshebel, Büchsenöffner, Kreuzschraubenzieher mit Sicherheitsblockierung, Grosse Klinge
Korkenzieher, Ahle, Pinzette
Preis: 59 EUR

WENGER Sharpener 1801 - Mini Taschenmesser-Schärfer
Der Wenger Scharpener für die Reise ist kein einfacher Wetzstahl, sondern ein feines, faltbares Werkzeug bei dem ein Lochstahl mit Diamantensplittern besetzt ist. Zum Schleifen wird ausschließlich Wasser verwendet. Wenger gibt die Haltbarkeit, bei entsprechender Pflege, mit lebenslang an. Der Sharpener ist klein genug, um ihn im Tankrucksack zu verstauen und immer dabei zu haben. Mit dem Schleifergebnis waren wir zufrieden, zumindest, wenn das Messer nicht zu groß ist. Kohlenstoffstähle lassen sich mit ihm genauso gut schleifen wie die rostfreien INOX Klingen.

Wenger Nail Clip

Nicht nur durch 9 Funktionen, sondern auch durch ein kompaktes Maß fällt das Manikürestudio von Wenger auf. In vielen Farben erhältlich ist hier alles dabei, was zur Pflege für weiche Handnägel auf der Reise benötigt wird. Besondere Aufmerksamkeit gehört dem kunstvoll zusammengelegten Nagelknipser, der einen stabilen Eindruck macht. Schere, Feile und ein kleines Messer sind ebenfalls dabei. Das geschwungene Design der transparenten Griffschalen entstammt der Wenger Evolution Serie.

Tools im Einzelnen:
Nagelclip mit Scharnierhebel, Feinkörnige Feile, Nagelreiniger, Schere mit Mikroverzahnung, kleine Klinge, Pinzette, Zahnstocher, Schraubenzieher für kleine Kreuzschlitzschrauben und Ring
Abmessungen: Länge 65 mm, Breite 18 mm, Höhe 18 mm
Gewicht: 40 g
Preis ca. 16 EUR

Wenger oder Victorinox?

Ob man zur großen Schweizer Marke Victorinox oder zu den Produkten des kleineren Herstellers Wenger greift, ist Geschmackssache. Genau genommen gehören die beiden Unternehmen seit 2005 zusammen. Wenger aus dem Schweizer Jura (Delémont, ca. 160 Mitarbeiter) blieb nach der Übernahme als eigenständige Marke erhalten. Zwar klagen beide Unternehmen über Krisen bedingte Absatzeinbrüche, doch der Warenoutput ist bei beiden von den absoluten Zahlen sehr beeindruckend. So produzierten die 900 Victorinox-Angestellten (in 2009) in der Vergangenheit täglich 28 000 Swiss Army Knives (!), 32 000 Taschenwerkzeuge und 60 000 Haushalts-, Küchen-, und Berufsmesser.

Das Werk wurde im Jahr 1884 gegründet. Auch wenn die Offiziersmesser nie offizieller Ausrüstungsgegenstand der Scheizer Armee wurden, erfolgte die erste Messerlieferung von Victorinox bereits 1891. 1897 ließ man sich das „Schweizer Offiziersmesser” gesetzlich geschützt. Deswegen ist Victorinox auch das 'original'.

Bei Victorinox 2009 das Jahr des 125-jährigen Jubiläums. Zwei Ausstellungen finden dem Jubiläum zu ehren in zwei Landesmuseen statt.

Schon die Terrorkrise vom 11. September 2001 brachte für alle Messerhersteller große Probleme mit sich. Als auch kleinste Taschenmesser im Handgepäck von einem Tag auf den anderen verboten wurden, wurde der Verkauf von Schweizer Messern auf Flughäfen und in Duty Free Shops eingestellt.

Rundgang im Victorinox Messerwerk (2007)

Tatsächlich, alle Schweizer Messer kommen aus der Schweiz. Angesichts der Mengen, die hier in Schwyz-Ibach produziert werden ist das auch nicht verwunderlich. Von den über 120 000 pro Tag hergestellten Einheiten und ca. 360 verschieden Modellen gehen 90% der Produktion ins Ausland. Der Markenname Victorinox entstand aus dem Vornamen der Unternehmermutter ‚Victoria’ und dem seit 1921 erhältlichen Stahl, der im so genannten ‚INOX-Verfahren’ hergestellt wird. So entstand der Name ‚Victorinox’. Im Marketing verständigten sich die beiden Schweizer Unternehmen darauf, dass Wenger seine Taschenmesser als „Echte Schweizer Offiziersmesser“ (weil auch in der Schweiz hergestellt) vermarktet, während Victorinox die Bezeichnung „Original Schweizer Offiziersmesser“ führt.

Die Firmen-Philosophie

Die 900 Beschäftigten arbeiten im einzigen Werk, das bis vor kurzem der 87-jährige (2009) Senior-Chef Carl Elsener III. leitete. Er kam stets mit dem Fahrrad zur Arbeit und führt die Firma geleitet von seiner christlichen Weltanschauung. 'Mensch und Natur respektierend', wie er selbst sagt. Ein Firmen- und Lebensmotto, das nicht nur bei den Arbeitern gut ankommt. Seit 2007 ist nun sein Sohn Carl Elsener IV. der leitende Geschäftsführer. Alle Beschäftigten des Betriebes, so Hans Schorno, der für die Pressearbeit zuständig ist, arbeiten hier ohne Arbeitsvertrag – auf Vertrauensbasis.

Outsourcing ist in Schwyz-Ibach (nicht weit vom Vierwaldstätter See) noch ein Fremdwort, im Gegenteil, die Firmenleitung kaufte nach einer unguten Erfahrung im Ausland die gesamten Aktienanteile vom amerikanischen Markt zurück. Nach Ansicht Carl Elseners hatten in den USA die Kleinanleger zu viel Macht und schöpften vornehmlich den Shareholder Value ab, ohne das Wohl der Arbeiter und die Firmenphilosophie im Blick zu behalten. Heute sind nur 6,6% der Aktien im Familienbesitz, einen Großteil hält die Victorinox-Stiftung, die mit den Zielen antrat, die Arbeitsplätze und die Konkurrenzfähigkeit zu sichern. Eine Schwächung durch Erbteilung und somit einen Verlust der Mitbestimmung will man vermeiden.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen, zumindest auf unserer Werksführung machen die MitarbeiterInnen einen zufriedenen Eindruck. In kleinen Gruppen stehen sie in intern vereinbarten Extra-Pausen (3 x 5 Minuten/Tag) im Kreis und machen gymnastische Übungen nach der Alexander-Technik. „Zur Entspannung und zur Erhaltung der Arbeitskraft“, erklärt Hans Schorno, der auch zu berichten weiß, dass seit der Einführung der Übungen die Ausfallzeiten der Mitarbeiter um 40% gesunken sind.

Im Versand sehen wir große Holzkisten mit der Aufschrift ‚Indonesien’ ‚Singapur’ und ‚China’. Die Waren gehen dort hin, kommen nicht von dort, ein seltenes Bild in Europa. Jedes Schweizer Messer, das wir in den Händen halten, kommt wirklich aus der Schweiz.

Auch die Wenger Messer aus dem Jura gehören seit kurzem dazu. Mit dem (noch) nicht vorhandenen Messer- und Firmenmuseum sprechen wir ein heikles Thema an. Viele Vorbeifahrende und Touristen aus aller Welt hätten daran ein Interesse. Aber: Es ist bald soweit!

16 nationale Armeen werden mit Messern aus Schwyz ausgestattet, darunter auch die Bundeswehr. Wichtig ist den Herstellern aus dem 'Swiss Knife Valley', das die Messer nur als Werkzeug und nicht als Waffe konzipiert sind und nur so benutzt werden.

Das die Schweizer Messer Kultstatus haben, belegt auch die Tatsache das man bei Victorinox jahrelang gänzlich ohne Werbung auskam. Original bleibt eben Original. Bei Victorinox und auch bei Wenger.

(von Markus Golletz)


Letzte Änderung: 01.01.1970
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