Kulturgeografischer Wanderführer für Westalpen-Fans

Dort wo alle (Fahr-) Wege enden, lohnt es sich besonders in den Alpen per Pedes weiter zu wandern. Dazu gibt es für kulturgeografisch Interessierte einen Führer, der LeserInnen besonders einfühlsam und informativ zu den Menschen und Landschaften der Region begleitet.

Es handelt sich hier um eine Neuauflage des Klassikers, des Weitwanderwegs GTA (Erstauflage 1985). Der Autor ist seit Jahrzehnten bekannt als Kenner der Westalpen. Prof. Dr. Werner Bätzing lehrt an der Universität Erlangen-Nürnberg am Institut für Geographie und ist ebenfalls Professor für Kulturgeographie. Er engagiert sich seit 20 Jahren für den piemontesischen Weitwanderweg „Grande Traversata delle Alpi/GTA", der durch die gesamten Westalpen von der Schweizer Grenze bis zum Mittelmeer bei Ventimiglia führt. „Ich halte den GTA für ein vorbildliches Projekt des umwelt- und sozialverträglichen Tourismus“. Die Neuauflage wurde fällig, weil es im Jahr 2003 eine Reihe von Veränderungen gab.

Dem Autor kommen dabei schon besondere Verdienste zu, was die Förderung der GTA angeht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten trug GTA in den letzten Jahren dazu bei, umwelt- und sozialverträgliche Lebensweisen in den Alpentälern zu ermöglichen, Arbeitsplätze durch sanften Tourismus zu schaffen und
die Entvölkerung der Region zu stoppen. Trotzdem ist die GTA keine Autobahn durch die Alpen, im Gegenteil, verglichen mit den Zentralalpen geht es hier extrem ruhig und menschenleer zu.

Im 2. Band (Der Süden) werden 55 Etappen der GTA und Varianten noch um eine Verlängerung bis an die ligurische Küste auf rund 70 Etappen erweitert, auf 11 Einzelkapitel aufgeteilt, die jeweils Mehrtagestouren mit eigenem Charakter beschreiben. Soziokulturell versiert werden Themenspecials zu
den Traditionen der Walser, der Waldenser oder der Brigasker gestaltet, dabei fließen auch Informationen über deren heutige Situation ein. Interessant auch Informationen zu Militärforts auf der ligurischen Grenzkammstraße, den berühmten Felsgravuren des französischen Vallée des Merveilles, oral History in Form von Gesprächen mit Bergbauern und akribisch recherchierte Informationen über die extreme Landflucht in der Region Piemont. Auf diesem Wege erfahren Leserinnen und Leser viel über Geologie und Flora der einzelnen Gebiete, über die traditionellen Wirtschaftsformen und die heutige Sozialstruktur, über alte Verkehrswege, Naturschutz und die unterschiedlichen kulturellen Formen, die sich in den isolierten Tälern z. T. noch erhalten haben.

Im Routenteil werden besonders in den menschenleeren Regionen Hinweise zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Wegbeschreibungen, Angaben der Auf- und Abstiegsleistung und Gehzeit gegeben. Sinnvoll erscheint es, sich über die von Bätzing initiierte Webseite kurzfristig vorher zu informieren http://www.wanderweb.ch/gta

Der nördliche Band 1 befasst sich geografisch mit den Walliser und Grajische Alpen, bzw. dem Gebiet zwischen dem Anzasca-Tal bis zum Susa-Tal und behandelt ähnliche Aspekte, wie den des sanften Tourismus und schreibt über neue Zugänge, die zur GTA aufgenommen wurden.

Letzte Änderung: 01.01.1970
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